Wann ist es zu viel des Guten?
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In Krisen Ruhe bewahren ist wichtig, doch kann ein immer optimistischer Blick schnell ins Negative umschlagen. Toxische Positivität verleitet Menschen dazu, ihre Gefühle zu ignorieren.
Kann eine optimistische Einstellung etwas Schlechtes sein? Ja, wenn sie jemanden davon abhält, der Situation angemessene Gefühle zuzulassen. Besonders in Momenten, die negative Emotionen in uns auslösen, schadet ein Unterdrücken des Frusts. Bekannt ist dieses Phänomen als toxische Positivität. Glücks-Guide Christian Völl erklärt die Problematik und gibt Tipps, wie es besser geht.
Aufschieben verschlimmert
Ein Beispiel aus der Arbeitswelt: Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich und das Gerücht kommt auf, dass im Unternehmen Entlassungen anstehen. Der erste Schock sitzt tief; was, wenn es einen selbst betrifft? Ungewissheit bahnt sich ihren Weg durch die Belegschaft. An diesem Punkt zeigt sich die Gefahr von zu viel Optimismus. Nutzen Menschen toxische Positivität als Bewältigungsstrategie, reagieren sie mit Schönrederei und betreiben Reframing: „Alles passiert aus einem bestimmen Grund“ oder „Eine Kündigung führt mich zu einem besseren Job“. Im ersten Moment erscheint diese Fähigkeit, in Krisen gelassen zu bleiben, beneidenswert. In Wahrheit umgeht diese Einstellung aber eine für die mentale Gesundheit wichtige Frage: Wie geht es mir damit? Wer seine Gefühle in schwierigen Zeiten ignoriert, droht zu einem späteren Zeitpunkt in ein viel tieferes Loch zu fallen. Mit einem stets positiven Blick schieben wir den Umgang mit Zweifel, Angst oder Trauer auf, anstatt ihnen Raum zu geben.
Auf das Innere hören
In diesem Punkt ähneln sich toxische Positivität und Verdrängung, beide Taktiken dienen am Ende der Vermeidung. „Dabei geht es zunächst nicht um positives oder negatives Denken,“ erörtert Christian Völl: „Vielmehr sollten wir uns bewusst machen, ob unsere Reaktion dem Gewicht der Situation angemessen ist.“ Ein simples „Wird schon werden“ im Angesicht eines Jobverlustes wertet er als unangemessene Replik. Das Schlüsselwort für einen gesunden Umgang mit der Lage und den eigenen Gefühlen heißt Akzeptanz. In dem zuvor skizzierten Beispiel gehört ein gewisses Maß an Unsicherheit und Kontrollverlust dazu. Wenn wir uns mit einer unklaren Zukunft konfrontiert sehen, scheint es zunächst so, als wären wir komplett handlungsunfähig. Der Glücks-Guide rät dazu, diese Information erst einmal wertfrei wahrzunehmen. Denn unter einer großen Anspannung durch diese Nachricht gestaltet sich eine angemessene Aufarbeitung schwierig. Weiterhin kann der Betroffene das Gefühl für sich benennen, zum Beispiel durch ein, „Ich fühle mich ohnmächtig“ oder „Ich fühle mich handlungsunfähig“. Das hilft bei der Wahrnehmung und nimmt den Druck.
Gedankenkreise vermeiden
Ein gesunder Umgang mit belastenden Situationen erfordert einen prüfenden Blick ins Innere. Schönmalerei verfehlt den Kern des Problems. Zuerst gilt es Klarheit darüber zu gewinnen, wie es einer Person mit den Neuigkeiten geht. Darauf basierend lassen sich nächste Schritte ableiten. Wichtig für den ersten Moment: Gefühle zulassen und bewusst spüren. Nur so löst sich die emotionale Anspannung. Doch die Emotionen sollten sich nur im kontrollierten Rahmen bewegen, denn ein ständiges Grübeln ist das andere Extrem. Kreiselnde Gedanken, vergrößern die Sorgen und verstärken negative Gefühle.
Optimismus zur richtigen Zeit
Eine Entlassungswelle liegt selten im Einflussbereich betroffener Personen, daher wäre es wenig zielführend darüber zu sinnieren, ob sie davon betroffen sind. Stattdessen rät Völl dazu, im Sinne der Positiven Psychologie über die eigenen Handlungsmöglichkeiten nachzudenken. Die Formulierung einer konkreten Fragestellung oder das Aufschreiben einer Herausforderung helfen den Fokus vom unproduktiven Grübeln in konstruktive Möglichkeiten zu transportieren. Die Aktivierung des eigenen Netzwerkes, Gespräche mit Führungspersonen oder das Zusammentragen der erbrachten Leistung erschaffen erfüllbare Ziele, die einem Ohnmachtsgefühl vorbeugen. Sobald die emotionale Lage wieder entspannter wird, darf gesunder Optimismus Einzug finden. Die Entwicklung und Verfolgung verschiedener Handlungsalternativen bringen Zuversicht für die Zukunft.
Über Viral Happiness
Viral Happiness richtet sich mit einem klaren System an Führungspersönlichkeiten und Leistungsträger aus dem MINT-Bereich, die mehr Glück und Zufriedenheit fühlen möchten. Nach eigenen Erfahrungen mit Depressionen, Burn-out und Betrug entwickelte Gründer Christian Völl ein Verfahren, mit dem Menschen die Fähigkeit des Glücks trainieren können. Das Prinzip stützt sich auf Erkenntnisse aus Neurowissenschaft und Glückforschung. Völl vermittelt Teilnehmenden die Viral Happiness Grundlagen in Workshops, Vorträgen und Gruppensitzungen.
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