Umfrage zeigt: Wohnort kann über Pflegeleistungen entscheiden
BERLIN – Wer in Deutschland Pflegeleistungen beantragt, begibt sich unfreiwillig in eine „Postleitzahlen-Lotterie“. Eine aktuelle Datenauswertung des Portals PflegeHelfer24 zeigt: Trotz bundesweit einheitlicher Gesetze entscheiden Wohnort und Krankenkasse massiv über Erfolg oder Misserfolg eines Antrags. Während in Thüringen nur etwa jeder zwanzigste Antrag abgelehnt wird, ist es im Saarland jeder fünfte.
Gleiches Recht ist nicht gleich viel wert. Die Analyse von über 1.200 Anträgen aus dem November 2025 macht deutlich, dass der Anspruch auf Pflegegrade, Hilfsmittel oder wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in der Praxis regional höchst unterschiedlich ausgelegt wird. Besonders kritisch: Die Unterschiede lassen sich nicht allein durch die verschiedenen Krankenkassen erklären.
„Wir sehen einen klaren Standorteffekt“, erklärt Dominik Hübenthal von PflegeHelfer24. „In Bundesländern wie Sachsen oder Rheinland-Pfalz liegt die Ablehnungsrate um bis zu fünf Prozentpunkte höher, als es aufgrund der dort ansässigen Versicherungen zu erwarten wäre. In Thüringen oder Hessen hingegen wird deutlich kulanter entschieden.“
Die Daten offenbaren dramatische Spitzenwerte: Bestimmte Kombinationen aus Bundesland und Versicherung führen zu Ablehnungsquoten von bis zu 60 Prozent. Im Gegensatz dazu gibt es Regionen, in denen bei bestimmten Kassen im Untersuchungszeitraum kein einziger Antrag abgelehnt wurde.
Die Experten von PflegeHelfer24 sehen hier ein systemisches Problem. Vermutet wird, dass die regionalen Ableger des Medizinischen Dienstes (MD) die Begutachtungsrichtlinien unterschiedlich streng interpretieren. Zudem scheinen regionale Verwaltungskulturen und die Qualität der lokalen Beratungsinfrastruktur eine entscheidende Rolle zu spielen.
"Es darf in einem modernen Sozialstaat keine Rolle spielen, ob ein Pflegebedürftiger in Erfurt oder in Chemnitz wohnt. Die Postleitzahl darf nicht über die Würde im Alter entscheiden. Wir fordern eine stärkere Harmonisierung der Begutachtungspraxis und mehr Transparenz seitens der Leistungsträger.“
Über PflegeHelfer24
PflegeHelfer24 ist ein kostenlos Informationsportal für Pflegebedürtige und Ihre Angehörigen. Mit über 200.000 durchgeführten Beratungsgesprächen pro Jahr gehört PflegeHelfer24 zu einer der größten digitalen Beratungsplattformen im Pflegemarkt in Deutschland.
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