Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA)
Pressemitteilung: MIA: PMK-Zahlen zu Antiziganismus bilden nur Teil der Realität ab
Ein Dokument
Die vom Bundeskriminalamt und dem Bundesinnenministerium vorgestellte Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) 2025 zeigt eine deutliche Steigerung der von der Polizei erfassten antiziganistischen Straftaten. Ihre Zahl ist mit 240 so hoch wie nie zuvor. Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus hat für das Jahr 2025 480 erfasste Vorfälle den verschiedenen Straftatbeständen zuordnen. Nach Beobachtungen von MIA erkennen Polizeibeamte Rassismus und insbesondere Antiziganismus oft nicht. Es bleibt also viel zu tun, um Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte für Antiziganismus zu sensibilisieren.
Berlin, den 12. Juni 2026
Pressemitteilung: MIA: PMK-Zahlen zu Antiziganismus bilden nur Teil der Realität ab
Die am 09. Juni vom Bundeskriminalamt und dem Bundesinnenministerium vorgestellte Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) 2025 zeigt eine deutliche Steigerung der von der Polizei erfassten antiziganistischen Straftaten. Ihre Zahl ist mit 240 so hoch wie nie zuvor. 2024 wurden noch 195 antiziganistische Straftaten dokumentiert.
Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA e.V., erklärt dazu: „Diese Zahlen bilden nicht die komplette Realität antiziganistischer Straftaten ab. Es gibt weiterhin eine sehr hohe Dunkelziffer.“
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus hat für das Jahr 2025 erstmalig die Kategorie der Straftatbestände ausgewertet. Hierbei konnte MIA 480 erfasste Vorfälle den verschiedenen Straftatbeständen zuordnen. MIA hat also mit doppelt so viel erfassten Fällen wie in der PMK-Statistik einen wertvollen Beitrag zur Erhellung der politisch motivierten Kriminalität geleistet.
Nach Beobachtungen von MIA erkennen Polizeibeamte Rassismus und insbesondere Antiziganismus oft nicht, da es keine einheitliche Definition von Rassismus oder Antiziganismus gibt. Auch erstatten Betroffene von Antiziganismus oft keine Anzeige, weil der Holocaust an Sinti und Roma durch das Nazi-Regime und die systematische Stigmatisierung nach 1945 bei der großen Mehrheit der Minderheitsangehörigen tief im Gedächtnis sitzen. Viele Sinti und Roma haben bis heute kein ausreichendes Vertrauen in Ermittlungsbehörden.
Dr. Guillermo Ruiz kommentiert: „Es bleibt also viel zu tun, um Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte für Antiziganismus zu sensibilisieren und ihnen das notwendige Wissen an die Hand zu geben, antiziganistische Straftaten als solche zu erkennen. Die Bekämpfung von Rechtsextremismus und Antiziganismus muss auf der höchsten politischen Ebene angegangen und im Bundeskriminalamt sowie in allen anderen Sicherheitsbehörden priorisiert werden.“
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus - MIA wird im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA e.V.)
Bundesgeschäftsstelle Prinzenstraße 84.1 10969 Berlin info@mia-bund.de 030 62 86 09 37