Asbest in Hamburger Wahrzeichen
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Prüflabor CRB Analyse Service beleuchtet, wie Asbestfunde das Schicksal bekannter Hamburger Bauwerke besiegelten
In vielen Hamburger Gebäuden steckt eine krebserregende Faser: Zwischen 1960 und 1993 errichtete Häuser enthalten mit hoher Wahrscheinlichkeit Asbest. Viele Baustoffe der damaligen Zeit weisen das Material auf und benötigen fachgerechte Sanierung und Entsorgung. Die Hansestadt kann davon ein Lied singen, denn auch bei Touristen und Einwohnern beliebte Gebäude sind betroffen. Das Asbest-Prüflabor CRB Analyse Service stellt drei der bekanntesten Hamburger Wahrzeichen mit Asbest-Belastung vor.
Nass
Ganz Eppendorf lernte hier schwimmen – im Holthusenbad. Es ist eines der angesehensten historischen Bäder der Stadt und das neuste Beispiel für eine asbestbedingte Schließung: die nach Plänen von Fritz Schumacher errichtete und 1914 eröffnete Badeanstalt Eppendorf. Bei Vorbereitungen für Arbeiten an dem historischen Bad fanden Experten Asbest in der Kuppeldecke. Das Bad, die Sauna und das Massageangebot bleiben deshalb von Mai 2026 bis voraussichtlich Ende Januar 2027 geschlossen.
Hoch
Der Telemichel genannte Heinrich-Hertz-Turm entstand von 1966 bis 1968 und prägt seitdem die Silhouette der Elbmetropole. Kein Wunder, ragt er doch als größtes Hamburger Wahrzeichen knapp 280m empor. Bis Ende 2000 waren Aussichtsplattform und Gastronomie des Fernsehturms für Gäste geöffnet. Dass das Motiv vieler Postkarten seitdem unter anderem wegen Asbestsanierung seine Türen schloss, hätte Architekt Fritz Gustav Trautwein sicher nicht gefallen. Jedoch änderte daran auch ein Ende der Bauarbeiten nichts: Verschärfte Anforderungen an Rettungswege, Brandschutz und Evakuierung sowie das Fehlen eines wirtschaftlich tragfähigen Betreiberkonzepts stehen einer Neueröffnung seit mehr als 25 Jahren im Wege.
Modern
1973 entstand zwischen dem Bahnhof Dammtor und dem Park „Planten un Blomen“ mit dem Congress Center Hamburg (CCH) das modernste Kongresszentrum Europas. Die nachgefragte Veranstaltungsstätte im Herzen Hamburgs zog jahrzehntelang Größen aus Industrie, Handel, Politik, Kunst und Showbusiness an. 2017 kam die Zeit für die große Sanierung. Sie sollte den Altbau bis 2019 modernisieren, das Haus neu strukturieren und die internationale Konkurrenzfähigkeit herstellen. Asbest-Funde sorgten jedoch für erhebliche Störungen im Bauablauf. Weitere böse Überraschungen in der Finanzierung folgten: Die Kosten für die Revitalisierung des CCH stiegen auf rund 297 Millionen Euro und überboten die ursprüngliche Planung um mehr als 100 Millionen Euro. Mit einer Verzögerung von drei Jahren öffnete das CCH im Jahr 2022 wieder seine Pforten.
Geißel der Bauwirtschaft
Seit 1993 verboten, steckt Asbest laut IG Bau deutschlandweit noch in über 9 Millionen Gebäuden – zum Beispiel in Isolierungen, Dachplatten oder Bodenbelägen. „Es gibt über 3.000 Produkte, die Asbest enthalten können“, erläutert CRB-Laborleiter Dr. Stefan Pierdzig. Lange galt Asbest insbesondere im Brandschutz als revolutionärer Baustoff. Die unbrennbare Faser fand beispielsweise Anwendung in Fensterkitt, Fliesenklebern, Spachtelmassen und Dämmstoffen. „Die Herausforderung liegt in der Identifizierung dieser Altprodukte: Während jeder Wellasbest-Platten erkennt, blieben in der Vergangenheit belastete Fugenmassen oder Putze oft unbemerkt“, so der 64-Jährige.
Unsichtbare Gefahr
Asbest ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Es gilt als besonders tückisch, weil es sich erst während der Bearbeitung löst, beispielsweise beim Schneiden oder Aufbrechen von Materialien. Viele gesundheitliche und teilweise tödliche Folgen zeigen sich erst Jahrzehnte später. „Schon geringe Mengen eingeatmeter Fasern sind gefährlich. Für den krebserregenden Stoff existiert keine sichere Expositionsschwelle“, stellt Dr. Stefan Pierdzig klar.
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