IGBCE fordert Nachbesserungen am StromVKG – Kritik am Südbonus wächst „Strukturwandel gelingt nur mit Perspektiven für alle Regionen“
IGBCE fordert Nachbesserungen am StromVKG – Kritik am Südbonus wächst „Strukturwandel gelingt nur mit Perspektiven für alle Regionen“
Berlin, 11. Juni 2026 – Die Industriegewerkschaft IGBCE fordert die Bundesregierung auf, den Entwurf des Strom‑Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes (StromVKG) grundlegend nachzubessern. Im Zentrum der Kritik steht der sogenannte Südbonus, der nach Ansicht der Gewerkschaft den Aufbau neuer Gaskraftwerke in Ostdeutschland benachteiligt.
„Die Energiewende braucht industrielle Perspektiven und Versorgungssicherheit für alle Regionen“, sagte Alexander Bercht, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand der IGBCE, am Donnerstag bei einem Parlamentarischen Frühstück in Berlin. An der Veranstaltung nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Belegschaften ostdeutscher Energieunternehmen teil.
Bercht begrüßte zwar, dass nach jahrelangen Verzögerungen überhaupt ein Gesetzentwurf vorliegt, kritisierte jedoch dessen Ausgestaltung deutlich. „Strukturwandel gelingt nur mit Perspektiven. Gute Industriepolitik zeigt sich daran, ob aus politischen Versprechen konkrete Zukunft für die Beschäftigten wird“, so Bercht. Eine alleinige Priorisierung des Südens sei ein „verheerendes Signal“ für die Kohleregionen im Osten. „Wer den Kohleausstieg ernst meint, muss auch neue Kapazitäten dort ermöglichen, wo bestehende Kraftwerke vom Netz gehen.“
Unterstützung erhält diese Kritik auch aus netztechnischer Perspektive. Ulrich Rieder, Vertreter des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, machte deutlich, dass für die Stabilität des Stromsystems insbesondere regionale Kraftwerkskapazitäten erforderlich bleiben: Für den Netzwiederaufbau nach großflächigen Störungen seien schwarzstartfähige Kraftwerke und geeignete Partneranlagen in der jeweiligen Regelzone notwendig, um das Übertragungsnetz schrittweise wieder hochfahren zu können.
Damit werde deutlich, dass der Zubau gesicherter Kapazitäten nicht allein eine Frage regionaler Förderpolitik ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für die technische Stabilität und Resilienz des gesamten Energiesystems darstellt.
Auch Silke Rudolf, Konzernbetriebsratsvorsitzende der LEAG, kritisierte die aktuelle Ausgestaltung des Gesetzes scharf. „Bislang erleben wir vor allem einen massiven Strukturbruch, während die versprochene Entwicklung ausbleibt“, sagte sie. Der Südbonus benachteilige das ostdeutsche Revier erheblich – mit Folgen für Beschäftigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Hintergrund der Kritik ist die geplante regionale Steuerung beim Bau neuer Gaskraftwerke. Um Netzengpässe zu reduzieren, sieht der Gesetzentwurf vor, Projekte im Süden Deutschlands bevorzugt zu behandeln. Ein von der IGBCE angeführtes Rechtsgutachten weist jedoch auf erhebliche Risiken hin – unter anderem bei Gleichbehandlung und Verhältnismäßigkeit sowie mit Blick auf die gesamtdeutsche Versorgungssicherheit.
Die IGBCE fordert daher einen „Transformationsbonus Nordost“. Dieser solle jedoch nicht als Gegenmodell zum Süden verstanden werden, sondern als Bestandteil einer ausgewogenen Kraftwerksstrategie für ganz Deutschland.
_____________________________________ Industriegewerkschaft IGBCE Verantwortlich: Alexander Bercht komm. Landesbezirksleiter Nordost Inselstraße 6, 10179 Berlin Telefon: +49 30 27 87 13-0 Telefax: +49 30 27 87 13-44 E-Mail: lb.nordost@igbce.de Internet: nordost.igbce.de Über uns: Der Landesbezirk Nordost umfasst die fünf Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die IGBCE ist hier zuständig für rund 150.000 Beschäftigte in mehr als 760 erfassten Betrieben.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hat im Landesbezirk Nordost rund 80.000 Mitglieder.