WvD fordert Strukturreformen statt pauschaler 3-%-Kürzung
Hilfsmittelversorgung als Care-Navigator nutzen statt totsparen
WvD fordert Strukturreformen statt pauschaler 3-%-Kürzung
Berlin, 26. Juni 2026. Die Hilfsmittelversorgung braucht strukturelle Veränderungen statt undifferenzierter Einschnitte. Darauf machten der Verband Wir versorgen Deutschland (WvD) und Zukunftsforscher Prof. Dr. Thomas Druyen beim Parlamentarischen Abend in Berlin vor rund 80 Gästen aus Politik, Gesundheitshandwerk, Homecare, Wissenschaft und Wirtschaft aufmerksam. Anlass war die Vorstellung der HilfsmittelStudie 2026 „Care-Navigation. Die Zukunft der Hilfsmittelversorgung“. Sie zeigt: Bereits vor der geplanten pauschalen 3-%-Kürzung im Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes sehen rund 76 % der Befragten die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe durch die bestehende Vergütungsstruktur langfristig gefährdet. WvD fordert deshalb, die Kürzung ersatzlos zu streichen und stattdessen echte Strukturreformen anzugehen.
„Patientinnen und Patienten brauchen Orientierung in einem Gesundheitssystem, das immer komplexer wird. Genau hier liegt eine der größten Stärken der Hilfsmittelversorgung, die medizinische, pflegerische und soziale Versorgung zu einem ganzheitlichen Betreuungspfad verbindet, gesundheitliche Risiken und drohende Mobilitätseinbußen frühzeitig erkennt und präventiv eingreift. Sanitätshäuser, Homecare-Unternehmen und orthopädietechnische Betriebe können künftig viel stärker als koordinierende Partner im Gesundheitswesen wirken. Doch wie unsere Studie zeigt, behindern Bürokratie und fehlende Mitbestimmung der Akteure gegenwärtig diese Möglichkeiten der Care-Navigation, die weit über die Bereitstellung von Produkten hinausgehen“, sagte Prof. Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung und Direktor des Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement (IZZ) der Sigmund Freud PrivatUniversität in Wien.
Die HilfsmittelStudie 2026 wurde von der opta data Zukunfts-Stiftung gemeinsam mit dem IZZ sowie in Kooperation mit dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und dem Verband Versorgungsqualität Homecare e. V. (VVHC) durchgeführt. Bundesweit nahmen rund 1.000 Mitarbeitende aus der Sanitätshaus- und Homecare-Branche teil. „Dass WvD die Ergebnisse der HilfsmittelStudie 2026 in Politik und Branche trägt, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Versorgung“, betonte Prof. Druyen auf dem Parlamentarischen Abend.
Reform mit Reformbedarf: Potenziale nutzen statt Versorgung schwächen
Aus Sicht des WvD belegt die Studie zugleich, dass die Herausforderungen der Hilfsmittelversorgung vom Fachkräftemangel bis zum demografischen Wandel nicht mit undifferenzierten Einsparmaßnahmen gelöst werden können. „Die Hilfsmittelversorgung arbeitet seit Jahren unter enormem wirtschaftlichem Druck. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Belastungsgrenze vieler Unternehmen bereits vor den aktuellen Reformplänen erreicht war: Rund 76 % der Befragten geben an, dass die bestehende Vergütungsstruktur langfristig die Existenz vieler Betriebe gefährdet“, erklären die WvD-Generalsekretäre Kirsten Abel und Dr. Henning Schweer. „Die Folgen sind schon heute sichtbar: Bei etwa 56 Prozent der befragten Inhaberinnen und Inhaber wurden wirtschaftlich besonders aufwendige Versorgungsfälle bereits bewusst vermieden. Rund 43 Prozent der Befragten gaben an, Innovationen nicht umgesetzt zu haben, weil sie wirtschaftlich nicht refinanzierbar waren. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in Hightech-Produktion, digitale Diagnostik oder IT-Infrastruktur. Das sind alarmierende Warnsignale! Wer in dieser Situation pauschale Vergütungskürzungen beschließt, gefährdet nicht nur die Zukunft vieler Betriebe, sondern auch die wohnortnahe Versorgung von Millionen Patientinnen und Patienten.“
Zugleich macht die HilfsmittelStudie 2026 deutlich, dass die Branche ihre Zukunft nicht allein über eine bessere Finanzierung definiert. „Die Befragten sehen erhebliche Potenziale in einer konsequenten Digitalisierung von Prozessen, einem spürbaren Bürokratieabbau und einer engeren Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufe. Investitionen in digitale Vernetzung und eine moderne Versorgungssteuerung würden Fachkräfte entlasten, ihnen wieder mehr Zeit für die Patientenversorgung geben sowie Unter- und Fehlversorgungen vermeiden und damit langfristig Kosten sparen“, so Abel und Schweer.
Klarer politischer Auftrag
Für den WvD ergibt sich daraus ein klarer politischer Auftrag: keine pauschale 3-%-Kürzung aller Versorgungsverträge in der individuellen Hilfsmittelversorgung. Stattdessen brauche es Bürokratieabbau, eine konsequente Digitalisierung, mehr Vertrauen in die Kompetenz der Leistungserbringer und die zügige Einführung der elektronischen Hilfsmittelverordnung. „Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft, des Anstiegs chronischer Erkrankungen sowie der politisch gewollten Ambulantisierung braucht Deutschland eine leistungsfähige Hilfsmittelversorgung. Die HilfsmittelStudie 2026 liefert dafür nicht nur eine fundierte Bestandsaufnahme, sondern ebenfalls konkrete Ansatzpunkte für die qualitätsgesicherte Weiterentwicklung des Versorgungssystems“, so die WvD-Generalsekretäre.
Die HilfsmittelStudie 2026 ist abrufbar unter diesem Link.
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Kirsten Abel
Generalsekretärin
Mobil: +49 (0)171 5 60 81 25
E-Mail: abel@wirversorgendeutschland.de
Dr. Henning Schweer
Generalsekretär
Mobil: +49 (0)175 / 8 56 39 54
E-Mail: schweer@wirversorgendeutschland.de
Über „Wir versorgen Deutschland“ (WvD):
Wir versorgen Deutschland e.V. setzt sich für eine qualitätsgesicherte, wohnortnahe und individuelle Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln ein. Die Mitglieder zählen zu den maßgeblichen Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen von Leistungserbringern. Zum Verein gehören der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, die ORTHEGROH eG, die rehaVital Gesundheitsservice GmbH, die Sanitätshaus Aktuell AG sowie der Verband Versorgungsqualität Homecare e.V. (VVHC).
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