TRENDFILTER® - Designzukunft für Möbel & Materialien
Pressemitteilung: Trendreport 2026 – Das FURNITURE FUTURE FORUM als Trend-Tankstelle der Interior-Branche
Welche Entwicklungen werden die Möbel- und Interiorbranche in den kommenden Jahren prägen? Antworten darauf lieferte der im FURNITURE FUTURE FORUM vorgestellte Trendreport 2026. Gastgeberin Katrin de Louw diskutierte gemeinsam mit Experten aus Design, Handel und Markenführung die Auswirkungen von KI, veränderten Konsummustern und neuen Anforderungen an Marken, Produkte und Kundenerlebnisse. Im Mittelpunkt standen konkrete Strategien für mehr Relevanz, Differenzierung und Zukunftsfähigkeit.
Wo steht die Möbel- und Interiorbranche heute – und welche Weichen sollten Unternehmen jetzt stellen? Im Anhang finden Sie unsere aktuelle Pressemitteilung zum Trendreport 2026, der am 18. Juni im FURNITURE FUTURE FORUM vorgestellt wurde. Die Diskussionen und Impulse des Tages liefern spannende Denkanstöße für Handel, Industrie und Marken gleichermaßen.
Über eine Veröffentlichung freuen sich alle Beteiligten.
Einen guten Wochenstart und viele Grüße aus Bünde und Hamburg!
Sascha Tapken
Trendreport 2026
KI, Design und Fashion: Das FURNITURE FUTURE FORUM als Trend-Tankstelle der Interior-Branche
„Herzlich willkommen zum heißesten Programm des Jahres“, begrüßte Gastgeberin Katrin de Louw bei hochsommerlichen Temperaturen die Gäste im voll besetzten FURNITURE FUTURE FORUM. Beim diesjährigen Trendreport am 18. Juni standen aktuelle gesellschaftliche, gestalterische und technologische Entwicklungen auf der Agenda. Drei Keynotes eröffneten dabei unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft von Markenführung, Design und Wertschöpfung im Handel – und lieferten viele Denkanstöße für die Interior-Branche im Wandel.
Johannes Hofmann: KI-Transformation beginnt nicht mit Technologie, sondern mit Menschen
Den Auftakt machte Johannes Hofmann, Art Director und Berater von jh artwork aus Hamburg. Unter dem Titel „AI FIT: In fünf Schritten zur erfolgreichen KI-Transformation“ zeigte er auf, wie Unternehmen den Einstieg in die Transformation mit Künstlicher Intelligenz erfolgreich gestalten können. Sein Ansatz: KI ist keine rein technologische Herausforderung, sondern vor allem eine organisatorische und kulturelle.
Die neue Schlüsselkompetenz: Probleme richtig beschreiben
Hofmann erinnerte daran, dass es bereits lange vor der Ära großer Sprachmodelle so etwas wie Prompts gegeben habe – damals in Form von Briefings. Schon damals habe gegolten: „Shit in, shit out.“ Wer gute Briefings verfassen könne, verfüge in der Regel auch über die Fähigkeit, wirksame Prompts zu erstellen. Genau darauf komme es künftig an: Probleme präzise zu beschreiben und Anforderungen klar zu formulieren. Diese Kompetenz bilde die Grundlage für erfolgreiche Prompts und damit für den produktiven Einsatz von KI.
Zwischen Markenführung und Markenrisiko
Auch Marken hätten sich immer wieder neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen. Mit Künstlicher Intelligenz veränderten sich diese Rahmenbedingungen jedoch grundlegend. An Beispielen aus der Markenkommunikation von Audi, wo KI bereits für lokale Marketing-Automatisierungen eingesetzt wird, sowie von Höffner (Kochbuch-App) verdeutlichte Hofmann, wie KI bereits heute die Markenführung beeinflusst. Gleichzeitig warnte er vor blindem Aktionismus: Nicht alles, was in einer Marke angelegt sei, müsse zwangsläufig durch KI transformiert werden. Entscheidend sei vielmehr ein überlegter und strategischer Einsatz. „KI kann Markenwerte fördern, aber auch bedrohen“, sagte Hofmann.
Der Mensch bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor
Als größte Herausforderung identifizierte Hofmann den Einstieg in die Transformation. Damit KI-Projekte erfolgreich verlaufen können, müsse ganzheitlich in die Organisation investiert werden. Nach einer Analyse der Boston Consulting Group entfallen lediglich rund 20 Prozent der Investitionen auf die technologische Infrastruktur und nur etwa zehn Prozent auf passende KI-Modelle. Rund 70 Prozent der erforderlichen Ressourcen müssten hingegen in Menschen, Prozesse und den kulturellen Wandel investiert werden.
„Die Mitarbeitenden sollen nicht trampen, sondern im Driver’s Seat sitzen“, fasste Hofmann zusammen. Gelinge es nicht, die Belegschaft mitzunehmen, drohe der größte Risikofaktor überhaupt: die Ablehnung zukunftsrelevanter Technologien innerhalb des Unternehmens.
KI wandert in die Anwendungen
Gleichzeitig sei es wichtig, die wirtschaftlichen Interessen der großen KI-Anbieter zu verstehen. Diese gingen davon aus, dass künftig nahezu alle Beschäftigten weltweit kostenpflichtige KI-Dienste nutzen werden. Wer dies nicht tue, dem drohten langfristig Wettbewerbsnachteile, unternehmerische Bedeutungslosigkeit oder beruflicher Abstieg. Tatsächlich zeichne sich jedoch bereits ein anderer Trend ab: Die Intelligenz wandert zunehmend in bestehende Softwarelösungen hinein. Anwendungen wie Salesforce, SAP, Adobe Acrobat oder Photoshop integrierten KI-Funktionen direkt in ihre Anwendungen und Arbeitsprozesse.
Auch die vielfach prognostizierten Effizienzgewinne würden nach Hofmanns Einschätzung häufig überschätzt. Die tatsächlichen Produktivitätssteigerungen lägen derzeit bei rund 20 Prozent. Eine modellhafte Betrachtung auf Basis von McKinsey-Analysen aus dem Jahr 2023 zeigt zudem, dass die größten Potenziale nicht in Vertrieb, Marketing oder Service liegen. Lediglich rund 22 Prozent der möglichen Wertschöpfung seien diesen Bereichen zuzurechnen. Rund 78 Prozent der Potenziale entstünden dagegen in Produkten, Entwicklung und operativen Prozessen.
Fünf Schritte zur erfolgreichen Transformation
Wie diese Potenziale gehoben werden können, erläuterte Hofmann anhand eines fünfstufigen Transformationsmodells:
- Ansehen – Prozesse detailliert dokumentieren und verstehen.
- Infrage stellen – Routinen analysieren und kritisch hinterfragen.
- Fantasieren – Prozesse neu denken und kreative Zukunftsszenarien entwickeln.
- Informieren – geeignete Tools, Technologien und Dienstleister identifizieren.
- Transformieren – die Umsetzung konsequent beginnen.
Besonders die dritte Phase sei dabei kein reines Kreativformat oder „Feel-Good-Event“, sondern das eigentliche Herzstück jeder Transformation.
Welches Potenzial in diesem Ansatz steckt, zeigte Hofmann anhand eines Praxisbeispiels aus der Küchenindustrie. Für einen Hersteller wurde eine vollständig digitale Nutzungsumgebung entwickelt, die die Erstellung von Content erheblich vereinfacht. Im Vergleich zu klassischen physischen Produktionen lassen sich dadurch Zeit-, Kosten- und Ressourcenaufwand um bis zu 70 Prozent reduzieren.
„KI ist Chefsache“
Zum Abschluss machte Hofmann deutlich, dass KI keine Aufgabe einzelner Fachabteilungen sei. „KI ist Chefsache“, betonte er. Ohne eine übergeordnete und konsistente Strategie verliere man sich schnell im Dschungel einzelner Tools und isolierter Anwendungsfälle. Gleichzeitig könne es sich kein Unternehmen leisten, abzuwarten. Die entscheidende Aufgabe bestehe nun darin, Mitarbeitenden zu vermitteln, dass KI nicht dem Stellenabbau dient, sondern ein Instrument zur aktiven Gestaltung der Zukunft ist.
Alina Schartner: Zwischen Midimalismus, Emotional Design und neuer Sinnlichkeit
Im Anschluss lieferte Alina Schartner ein umfassendes Trendupdate von der Milan Design Week und nahm die Teilnehmer mit auf einen ebenso analytischen wie atmosphärischen Rundgang durch die unterschiedlichen Designviertel der norditalienischen Metropole. Als Design Consultant und Trend Forecasterin beobachtet und analysiert sie gestalterische Entwicklungen und ordnet diese in größere Zusammenhänge ein.
Dabei unterscheidet die Trendforschung zwischen Mikrotrends mit einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren, Makrotrends mit einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren sowie Megatrends, die Gesellschaft und Märkte über mehrere Jahrzehnte prägen. Für Unternehmen sei es entscheidend, bewusst zu entscheiden, welchen Trends sie folgen wollen – und welchen nicht.
„Manche Trends kommen so sicher wieder wie das Amen in der Kirche“, erklärte Schartner. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kehrten bestimmte Motive regelmäßig zurück. Blumendekore, Streifen, Punkte sowie Themen rund um Essen und Trinken gehörten zu den klassischen Krisenmustern der Design- und Konsumwelt.
Besonders das Luxussegment befinde sich derzeit in einer Phase der Neuorientierung. In Mailand habe sich dies vielerorts durch Ideenarmut gezeigt. Gucci präsentierte sich mit floralen Mustern, Heritage-Themen und Exklusivität, Dior setzte auf ähnliche Ansätze. Beide Marken wirkten dabei jedoch austauschbar. Prada Home versuchte sich mit einer Porzellankollektion an einer Markenaktivierung, leider ohne „Wow-Effekt“.
Anders sei dies hingegen Molteni gelungen. Mit der Installation „Responsive Nature“ schuf das die Marke eine grüne Oase der Ruhe mitten im Trubel Mailands und zeigte damit, dass starke Inszenierungen nicht zwangsläufig komplexe Narrative benötigen. „Es muss nicht immer ein kompliziertes Storytelling sein. Manchmal reicht eine konsequent inszenierte Idee“, so Schartner.
Die drei großen Designströmungen
Als die derzeit prägenden Stilrichtungen identifizierte die Trendexpertin drei große Bewegungen: Minimalismus, Midimalismus und Maximalismus. Während Minimalismus und Maximalismus die bekannten Pole zwischen Reduktion und Exzentrik markieren, versteht Schartner den Midimalismus als Verbindung zwischen beiden Welten. Hier werden Zurückhaltung und Opulenz bewusst miteinander kombiniert.
Über alle Stilrichtungen hinweg erkenne sie derzeit jedoch ein gemeinsames Leitmotiv: Design soll wieder stärker emotionalisieren. Im Mittelpunkt stehen echte Verbindungen, Kommunikation und menschliche Nähe. Dies zeigt sich in organischen Formen, weichen Linienführungen und einem insgesamt sinnlicheren Designverständnis.
Zunehmend spielen dabei auch multisensorische Ansätze eine Rolle. Düfte werden gezielt eingesetzt, um Räume emotional aufzuladen und Marken erlebbar zu machen. Gleichzeitig gewinnen Ornamente, verspielte Muster und dekorative Elemente wieder an Bedeutung.
Schmuck für Möbel und Räume
Zu den auffälligsten Beobachtungen der Milan Design Week zählt Schartner die zunehmende „Jewellerification“ des Interior Designs. Möbel und Einrichtungsobjekte übernehmen immer häufiger Gestaltungselemente aus der Schmuckwelt. Perlen, dekorative Applikationen, außergewöhnliche Oberflächen sowie das bewusste Spiel mit Maßstäben und Verzerrungen prägen zahlreiche Entwürfe.
Ebenso sichtbar seien Einflüsse von Folklore, kindlicher Verspieltheit und theatralischer Opulenz. Exotische Anleihen zeigen sich sowohl im weiterentwickelten Japandi-Stil als auch in zunehmend sichtbaren Einflüssen chinesischer Gestaltungstraditionen.
Ein weiteres prägendes Phänomen sei das sogenannte Pattern Maxxing beziehungsweise Design Layering. Dabei werden Muster, Materialien und Oberflächen bewusst geschichtet und miteinander kombiniert. Monochrome Gestaltungskonzepte verlieren dagegen an Bedeutung. Gleichzeitig erlebt die Formensprache der 1980er- und 1990er-Jahre eine deutliche Renaissance.
Warme Metalle statt kühler Technik
Auch bei Farben und Materialien zeichnen sich klare Tendenzen ab. Rot präsentiert sich derzeit in nahezu allen Nuancen als eine der dominierenden Trendfarben. Darüber hinaus gewinnen sogenannte circadiane Farbtöne an Bedeutung – Farben, die sich an natürlichen Lichtverläufen orientieren und das Wohlbefinden fördern sollen.
Im Materialbereich verlagert sich der Fokus zunehmend weg von technisch-kühlen Oberflächen. Edelstahl war in Mailand deutlich weniger präsent als in den vergangenen Jahren. Stattdessen gewinnen warmtonige Metalle wie Messing und Kupfer an Bedeutung. Bis diese Materialien den breiten Markt vollständig erreichen, dürfte allerdings noch etwas Zeit vergehen. Darüber hinaus experimentieren Designer verstärkt mit unterschiedlichen Glanzgraden und Oberflächenwirkungen, um mehr Tiefe, Wertigkeit und Emotionalität zu erzeugen.
Zum Abschluss ihres Vortrags unterstrich Schartner die besondere Bedeutung Mailands für die internationale Designszene: „Bei allen Herausforderungen und Schattenseiten gibt es keinen vergleichbaren Ort, an dem sich die internationale Designwelt in dieser Intensität trifft, austauscht und diskutiert. Mailand ist und bleibt die Welthauptstadt des Designs.“
Angelika Schindler-Obenhaus: „Preiskampf bedeutet immer, dass zuvor Wert verloren gegangen ist“
Den eindrucksvollen Schlusspunkt des Trendreports setzte Angelika Schindler-Obenhaus. Unter dem Titel „Preiskampf, Verdrängung, Stillstand – was kann die Möbelbranche von der Modebranche lernen?“ analysierte die langjährige Handelsexpertin strukturelle Entwicklungen, die sie in mehr als vier Jahrzehnten Berufserfahrung aus unterschiedlichsten Perspektiven erlebt hat – vom Einzelhandel über Warenhäuser bis hin zu Verbänden und Markenorganisationen. Ohne Präsentationsfolien, dafür mit großer Klarheit und spürbarer Leidenschaft, hielt sie der Möbelbranche im FURNITURE FUTURE FORUM den Spiegel vor. Entsprechend aufmerksam verfolgte das Publikum ihre Ausführungen.
„Wenn die Veränderungsgeschwindigkeit außerhalb einer Branche schneller wird als innerhalb der Branche selbst, wird es kritisch“, erklärte Schindler-Obenhaus. Dann beginne ein Prozess des Kopierens, Replizierens und Absicherns. Was sich zunächst vernünftig und risikoarm anfühle, sei in Wahrheit häufig nichts anderes als die Verwaltung des Stillstands.
Wenn Relevanz verloren geht, bleibt nur noch der Preis
Dieses Muster lasse sich insbesondere bei Marken beobachten. Verlieren sie an Relevanz, bleibe häufig nur noch der Preis als Differenzierungsmerkmal. Die Folge seien Rabattschlachten, sinkende Margen und permanenter Preisdruck. „Preiskampf bedeutet immer, dass an anderer Stelle Wert verloren gegangen ist“, so Schindler-Obenhaus.
Aus eigener Erfahrung verwies sie auf die Entwicklung von Cecil und Street One. Die vertikalen Systeme hätten in den 1990er-Jahren neue Maßstäbe gesetzt – etwa bei Lagerumschlag, Abschreibungsquoten und Flächenproduktivität. Ihr Erfolg habe zahlreiche Nachahmer hervorgebracht. In der Folge seien immer mehr standardisierte Vertriebssysteme entstanden. Damit habe der beratende und kuratierende Fachhandel jedoch schrittweise an Attraktivität und Relevanz verloren. Die Innenstädte begannen sich zunehmend zu ähneln. „Der Handel hat seine eigentliche Kernkompetenz vernachlässigt und schließlich verloren.“
Vom Zukunftsbauer zum Vergangenheitsverwalter
Parallel dazu entwickelte sich der Einkauf zunehmend datengetrieben. Category Management, Kennzahlen und Analysen gewannen an Bedeutung, während Intuition, Trendgespür und persönlicher Kundenkontakt in den Hintergrund rückten. „Einkäufer sind in der Folge immer mehr zu reinen Konditionsmanagern geworden. Das gesamte Paradigma der Branche hat sich verschoben“, sagte Schindler-Obenhaus. „Wir haben im Handel die Absicherung des Misserfolgs perfektioniert. Händler haben von den Marken immer mehr Sicherheit eingefordert, obwohl deren Relevanz zunehmend sank. Dabei entsteht Umsatz durch Begehrlichkeit.“ Die Konsequenz seien Wiederholungen, Bestseller-Fokussierung und ein stetig wachsender Anteil an Never-out-of-Stock-Artikeln gewesen. Ein solcher Ansatz führt zwangsläufig zu Austauschbarkeit – und letztlich in den Preiskampf.
Wie sich die Branche selbst in die Rabattspirale manövriert hat
Ein weiterer Fehler sei die immer frühere Warenanlieferung gewesen. Herbstsortimente treffen bereits im Frühsommer ein, Winterkollektionen häufig schon im Spätsommer. Der tatsächliche Bedarf der Verbraucher entstehe jedoch oft deutlich später. Um Platz für die jeweils nächste Saison zu schaffen, müsse die Ware frühzeitig abverkauft werden – spätestens zum Cyber Monday oder Black Friday. Diese haben das traditionelle Wintergeschäft in vielen Bereichen nachhaltig beschädigt, denn Verbraucher warten inzwischen gezielt auf Rabattaktionen und verschieben Kaufentscheidungen entsprechend.
Zudem blockierten liegengebliebene Waren nicht nur Kapital, sondern auch den Mut, Neues auszuprobieren. Aus den Restbeständen entstand schließlich ein neues Geschäftsmodell: Factory-Outlet-Center. Diese Entwicklung habe die Probleme letztlich verstärkt. Kunden wurden zunehmend preissensibel, die Frequenzen in den Innenstädten gingen zurück und zahlreiche Marken begannen sogar, spezielle Kollektionen für Outlet-Kanäle zu produzieren. „Damit litt langfristig auch das Markenimage, weil die wahrgenommene Qualität sank.“
Aus Partnerschaft wurde Konkurrenz
Mit dem Aufstieg des E-Commerce veränderten sich die Kräfteverhältnisse erneut. Marken begannen zunehmend mit der Direktvermarktung und traten damit in direkte Konkurrenz zum Fachhandel. Dieser reagierte seinerseits mit einer Eigenmarken-Offensive und kopierte vielfach erfolgreiche Herstellermarken. „Aus Partnerschaft wurde Konkurrenz. Aus einer Win-win-Beziehung wurde Kannibalisierung.“
Zunächst wurde der Druck durch Plattformen wie Zalando und Amazon verstärkt, heute verschärfen Anbieter wie Temu oder Shein die Situation nochmals. Viele Unternehmen reagierten darauf jedoch weiterhin mit denselben Methoden, die bereits in der Vergangenheit funktioniert hatten. Die schonungslose Diagnose von Schindler-Obenhaus lautet deshalb: „Die Branche sitzt in ihrem Erfahrungsgefängnis fest.“
Die Verkaufsfläche ist Bühne – nicht Lager
Erfolgreiche Unternehmen müssten einen Weg zwischen Rendite und Trend finden. Die Verkaufsfläche sei dabei weit mehr als ein Ort der Warenpräsentation. „Die Verkaufsfläche ist die wichtigste Fläche überhaupt. Sie ist Bühne und kein Warenlager.“
Zukunft entstehe dort, wo Unternehmen sprachlich, kommunikativ, digital und kulturell auf der Höhe der Zeit bleiben. Als Ausnahme nannte sie in der Modebranche Inditex, den spanischen Mutterkonzern von Zara. Dort werde die gesamte Wertschöpfungskette konsequent gesteuert und integriert. In der Möbelbranche sei dieser Ansatz am ehesten mit IKEA vergleichbar.
Sechs Voraussetzungen für die Zukunft des stationären Handels
Trotz aller Herausforderungen sieht Schindler-Obenhaus eine klare Zukunftsperspektive für den stationären Handel. Voraussetzung seien jedoch klare Entscheidungen:
- Ein klares Profil entwickeln und konsequent vermitteln.
- Kuratiert handeln und den Mut zur Reduktion aufbringen.
- Erlebnisse schaffen – authentisch, menschlich und atmosphärisch statt dekorativ inszeniert.
- Systemfähig werden und eine leistungsfähige Dateninfrastruktur aufbauen.
- Zielgruppen verstehen, anstatt Menschen ausschließlich nach ihrem Geburtsjahr zu kategorisieren.
- Stärker zusammenarbeiten und gemeinsame Interessen in den Vordergrund stellen.
Auch wenn Künstliche Intelligenz das Einkaufserlebnis künftig verändern werde, bleibe ein Faktor unersetzlich: die persönliche Beratung und die zwischenmenschliche Begegnung.
Fazit: Ein Defizit an Emotionen
Zum Abschluss des „Trendreport“ zog Gastgeberin Katrin de Louw ein übergreifendes Fazit des Veranstaltungstages. „Nach diesen Vorträgen diagnostizieren wir mehr denn je ein Defizit an Emotionen – im Handel, im Design und entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“ Dass dieses Defizit immer sichtbarer werde, sei auch eine Folge der zunehmenden Digitalisierung und der allgegenwärtigen Präsenz von Künstlicher Intelligenz.
Greenlam Laminates erweitert das Netzwerk des FURNITURE FUTURE FORUMS
Im Rahmen des traditionellen Newstickers stellte sich zudem ein neuer Partner im FURNITURE FUTURE FORUM vor. Mit Greenlam Laminates gewinnt das Netzwerk einen der weltweit größten Hersteller von Hochdruckschichtstoffen (HPL) und dekorativen Oberflächenlösungen. Präsentiert wurde das Unternehmen von Anselm Kerkhoff, der Greenlam ab Herbst als neues Mitglied im Forum vertreten wird.
Der Auftritt stand ganz im Zeichen von Verlässlichkeit, Lieferfähigkeit und langfristiger Planbarkeit – Themen, die angesichts geopolitischer Unsicherheiten und volatiler Märkte für die Möbel- und Interiorbranche zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dabei setzt Greenlam nicht allein auf Größe und Verfügbarkeit, sondern auch auf technologische Weiterentwicklungen im Bereich nachhaltiger Materialien. So arbeitet das Unternehmen daran, petrochemische Bestandteile in Harzsystemen schrittweise durch natürliche Rohstoffe zu ersetzen. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von Bestandteilen aus Cashewschalen, die künftig konventionelle Rohstoffe teilweise substituieren sollen.
Greenlam zählt in Asien zu den Marktführern seiner Branche und verfügt dort über einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Für die Betreuung der europäischen Märkte beschäftigt das Unternehmen rund 180 Mitarbeitende. Das Deutschlandgeschäft wird über das Büro in Lippstadt gesteuert, während ein zentrales Lager in Seevetal dauerhaft Waren im Wert von rund 3,5 Millionen Euro bevorratet und eine schnelle Versorgung des Marktes sicherstellt. Mit insgesamt sieben Produktionsstandorten in Indien verfügt Greenlam über eine breit aufgestellte Fertigungsstruktur und verfolgt ambitionierte Wachstumsziele in Europa.
FURNITURE FUTURE FORUM bleibt Impulsgeber für die Branche
Mit dem „Trendreport 2026“ bestätigte das FURNITURE FUTURE FORUM erneut den Anspruch, gemeinsam über den Tellerrand der Branche hinauszublicken und Orientierung in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen zu geben – und das seit nun fast 20 Jahren. Die zentrale Erkenntnis des Tages: Zukunft entsteht nicht allein durch Technologie, Prozesse oder Produkte, sondern vor allem durch die Fähigkeit, Emotionen, Relevanz und echte Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen.
Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am 12. November 2026. Dann lädt das FURNITURE FUTURE FORUM zu den „MÖBELVISIONEN 2027“ ein. Auf der Agenda stehen erneut zukunftsweisende Entwicklungen für die Möbel- und Interiorbranche. Darüber hinaus wird erstmals die Sustained Color No. 10 vorgestellt – die neue Trendfarbe des COLORNETWORK, die als Impulsgeber für Design, Produktentwicklung und Markenkommunikation der kommenden Jahre dient.
Über Katrin de Louw:
Katrin de Louw kennt die Einrichtungsbranche aus jeder Perspektive, ist im Möbelcluster Ostwestfalen-Lippe aufgewachsen und hat national und international für viele Unternehmen der Möbel- und Materialbranche designed und entwickelt. Seit 30 Jahren beobachtet und analysiert die studierte Innenarchitektin mit viel Trendgespür gesellschaftliche Entwicklungen und übersetzt gestalterische Trends in konkrete Strategien für Unternehmen. Dafür ist sie regelmäßig in den internationalen Designmetropolen unterwegs – von Mailand, Paris über Kopenhagen bis Barcelona.
Als Kollektionsberaterin, Keynote-Speakerin und Workshop-Konzeptionerin unterstützt sie Industrie, Handel, Handwerk, Architektur und Zulieferindustrie bei Fragestellungen rund um Materialien, Farben, Design, Marketing und Nachhaltigkeit.
Ihre Kompetenz zeigt sich auch in den Netzwerken und Plattformen, die sie aufgebaut hat: Mit dem COLORNETWORK etablierte sie eine branchenübergreifende Initiative für zeitlose Farb- und Materialkonzepte. Zudem initiierte sie das FURNITURE FUTURE FORUM in Bünde, das im kommenden Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Unter dem Dach von TRENDFILTER bündelt sie seit 1997 ihre Beratungs-, Forschungs-, Jury- und Netzwerkaktivitäten und zählt damit zu den prägendsten Vordenkerinnen der Einrichtungsbranche.
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Kreativoffice: Waldenburger Str. 2, 32547 Bad Oeynhausen Trendforum & Verwaltung: Uhlendiekstr. 88, 32257 Bünde
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Weiteres Material zum Download Dokument: PM_Trendreport_2026.docx