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Pressemitteilung: FURNITURE TALK über KI, Material und Emotion

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Seit 20 Jahren ist das FURNITURE FUTURE FORUM in Bünde eine Plattform für Austausch und Orientierung in der Design- und Möbelbranche. Beim aktuellen FURNITURE TALK diskutierten Expertinnen und Experten über KI in Handel und Produktentwicklung, Material als Ausdruck von Identität und die emotionale Dimension von Räumen.

Im FURNITURE FUTURE FORUM in Bünde kamen am 19. Februar zahlreiche Gäste zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Perspektiven für Design, Handel und Produktentwicklung zu diskutieren.

Anbei erhalten Sie die aktuelle Pressemitteilung mit den wichtigsten Inhalten und Stimmen der Veranstaltung. Über eine Berichterstattung freuen sich alle Beteiligten.

Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg und Bünde

Sascha Tapken

Pressemitteilung

20 Jahre Talks im FURNITURE FUTURE FORUM in Bünde

FURNITURE TALK über KI, Material und Emotion

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten ist das FURNITURE FUTURE FORUM im ostwestfälischen Bünde eine Drehscheibe für wertvolle Inhalte und starke Impulse für die gesamte Design-Szene. Auch am Donnerstag, 19. Februar, kamen wieder weit über 100 Gäste, um sich den FURNITURE TALK unter der Regie von Initiatorin Katrin de Louw dem Titel „Designtrends mit KI, Material und Emotion“ nicht entgehen zu lassen. Das Format: drei visionäre Vorträge mit anschließenden Talkrunden sowie viel Raum für Austausch mit den Netzwerkpartnern.

New Retail: Wenn Räume mitdenken

Gleich zum Auftakt ging es um nicht weniger als die Zukunft des stationären Handels. Gesa Lischka, Mitgründerin der Agentur Kochstraße und Expertin für Neuromarketing, sowie Nils Drosin, CEO von 4Dmagic, zeigten unter dem Titel „Trends am POS: From Store to Story to Sale“, wie stationärer Handel mithilfe intelligenter Datennutzung neue Stärke gewinnen kann. „Es geht darum, Daten in Höchstgeschwindigkeit als Entscheidungsbasis zu nutzen“, so Drosin.

Doch ihr Ansatz des „Entersalement“ beginnt nicht im physischen Handel, sondern im Gehirn der Kunden. „Was wäre, wenn ein Raum versteht, was ich mir als Kunde unbewusst wünsche, wenn ich einkaufe?“ Diese Frage markiert den Kern dessen, was Lischka und Drosin „New Retail“ nennen.

Das New-Retail-System basiert auf vier Komponenten: Kamera, Neuroanalyse, Licht und Content. Kameras erfassen anonymisiert Stimmung, Alter und emotionale Tendenzen der Menschen im Store. Die KI lernt in Echtzeit, welche Inhalte funktionieren, und ein Entertainmentsystem spielt individuelle Inhalte aus. Lichtzonen – in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Zumtobel entwickelt – reagieren auf die jeweilige Person im Raum. All das geschieht DSGVO-konform.

Anhand konkreter Personas zeigte Gesa Lischka, wie das System Markenkontexte schaffen kann, statt mit bloßer Werbung zu nerven. Menschen sollen sich gesehen fühlen – nicht als Zielgruppe, sondern als Individuen. Jede Reaktion fließt zurück ins System. So entsteht ein lernendes Ökosystem mit wachsender emotionaler Intelligenz.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse bilden die Grundlage dieses Prinzips. 95 Prozent aller Entscheidungen treffen Menschen unbewusst – eine These, die auf Daniel Kahnemanns „Schnelles Denken, langsames Denken“ verweist. Wer positive Kontexte schafft, beeinflusst Entscheidungsprozesse und erzielt am Ende so auch mehr Umsatz auf der Fläche. Stichwort Affect Heuristics: Wer sich gut fühlt, entscheidet sich eher für Neues – ein Effekt, den jeder aus Urlaubssituationen kennt. So lassen sich auch Preisstellungen entscheidend beeinflussen.

Im anschließenden Talk, der von Sascha Tapken, Home.Made.Storys., moderiert wurde ordneten Lischka und Drosin die aktuelle Lage des Handels ein: „Die Überforderung ist verständlich. Aber die Chancen waren durch digitale Hilfsmittel nie größer – auch für den Mittelstand.“

Material als Haltung, Räume als gebaute Visitenkarte

Im zweiten Teil des FURNITURE TALK rückte die Innenarchitektur in den Fokus. Verena Schiffl von der Ippolito Fleitz Group gilt als Koryphäe, wenn es um Material- und Trendwissen geht. Für das international tätige Planungsbüro kuratiert sie neue Werkstoffe und verantwortet eine beeindruckende Materialbibliothek am Firmensitz in Stuttgart.

Anhand von Projekten wie für Beiersdorf in Hamburg, für Continental in Hannover oder für Ritter Sport in Waldenbruch zeigte sie, wie unterschiedlich Aufgaben sein können – und wie gleich die zentrale Frage bleibt: Wie drückt Architektur Persönlichkeit aus? Räume werden so zu gebauten Visitenkarten. Deshalb auch der Zusatz der Ippolito Fleitz Group als „Identity Architects“.

Die Ippolito Fleitz Group arbeitet in langfristigen Partnerschaften, etwa mit Walter Knoll oder Object Carpet. Daraus entstand 2020 sogar eine eigene Textilkollektion. Charakteristisch für die Arbeit des Designbüros sind tiefe inhaltliche Auseinandersetzungen: „Wir gehen in jedes Projekt mit dem Anspruch, es auch umzusetzen, und fangen jedes Projekt von Grund auf neu an.“

Ein prägnantes Beispiel ist das neue Office der Roman Klis GmbH. Das preisgekrönte Konzept holt die Atmosphäre der Malediven nach Herrenberg. Es steigert mit Insel-Feeling Wohlbefinden und Zugehörigkeit und verwandelt Arbeit in einen inspirierenden Rückzugsort.

Warum 30.000 Materialproben? „Weil jede Aufgabe neue Antworten verlangt.“ Bei Beiersdorf galt es etwa, den dominanten Blauton der Corporate Identity kraftvoll, aber nicht überstrapaziert zu inszenieren. Ein warmer Nude-Ton wie „come closer!“ aus dem Colornetwork, den Verena Schiffl maßgeblich mitentwickelt hat, setzte dabei einen weichen, nahbaren Kontrast – in Anlehnung an den Claim „the inventors of modern skin care“. So entstand ein kommunikatives Gebäude, das Identität räumlich übersetzt. Die Materialbibliothek eröffnet dabei immer wieder neue Wege, um Aufgaben mit neuen Ansätzen zu lösen.

KI und Produktentwicklung: Szenarien einer neuen Epoche

Den Höhepunkt des FURNITURE TALK setzte Andreas Enslin. Über 20 Jahre leitete er als Vice President das Designcenter von Miele und verantwortete die Produktentwicklung der Haushaltsgeräte. Zuvor arbeitete er bei Grohe. Im Januar 2026 startet er mit der LösungsNetz GmbH in die Selbstständigkeit. Sein Thema lautete: „Neue Chancen für KMU – Die Zukunft der Produktentwicklung mit KI“.

Enslin denkt an der Schnittstelle von Technik, Produktion und Nutzer. Er wirkte an einer aktuellen VDI-Studie mit, die vier Szenarien für die künftige Produktentwicklung entwirft – von punktueller KI-Anwendung bis zur umfassenden Transformation ganzer Industrien. Seine zentrale Beobachtung aus der jahrzehntelangen Berufspraxis heraus: Steigt die Komplexität, wachsen die Lücken zwischen Abteilungen. KI kann helfen, diese zu schließen.

In seinem Talk differenzierte er fünf Stufen von KI: Machine Learning, Sprachmodelle, Bild- und Videogeneratoren, 3D- und Simulationssysteme sowie physische KI mit Assistenzsystemen. Bereits auf Stufe drei greifen Designer auf Tools wie Krita oder Vizcom zurück, um Ideen kuratiert zu entwickeln. Noch weiter geht laut Enslin Hyperganic, ein Start-up aus München, das assistierte Physiksimulation nutzt und etwa mit Daten verunglückter Fahrradfahrer arbeitet – eine wertvolle Grundlage bei der Entwicklung sichererer Fahrradhelme.

Gleichzeitig behält Enslin einen kritischen Blick. Die Implikationen des KI-Einsatzes lassen sich noch nicht vollständig absehen. Was passiert mit Soft Factors, wenn in einem Projektteam von sechs Personen nur noch die Projektleitung menschlich besetzt ist? Was geschieht dann mit Spontaneität, Kreativität und Bauchgefühl?

OpenClaw und die neue Agentenwelt

Die zentrale Frage lautet für Enslin aus Unternehmensperspektive: Was ist mein Kern-Know-how – und wie lässt es sich schützen angesichts von Investitionen in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar, die große US-Tech-Unternehmen in den kommenden zwei Jahren in KI skalieren werden?

Diese Konzerne agieren als Datenstaubsauger, um ihre Investitionen zu refinanzieren. Ein Beispiel ist OpenClaw. Dabei handelt es sich nicht um eine fertige Software, sondern um einen Open-Source-Agenten, der lokal auf dem eigenen Rechner läuft und Aufgaben autonom erledigt. Dazu eine Zahl: Seit dem 28. Januar haben sich bereits 2,6 Mio. Neue AI-Bots angemeldet

Der Umbau der digitalen Welt durch KI ist also in vollem Gange. Enslin mahnt, welche Konsequenzen das für den bisherigen Produktvertrieb hat: „Onlineshops und Suchmaschinen werden überflüssig. SEO funktioniert nicht mehr. Markenwerte, Markenerlebnisse und Kundenbewertungen sind die Credits der Zukunft.“ Denn wo wird ein KI-Assistent künftig recherchieren, wenn ein Auftraggeber bzw. Prompter ein Sofa kaufen möchte? Digitale Produktpässe, Nutzerbewertungen und vielfältige Touchpoints werden für den Reputationsaufbau entscheidend sein. Oder anders ausgedrückt: Künftig werden KI-Agenten mit KI-Agenten über den Kauf eines Sofas verhandeln.

Dabei wird es für den Menschen immer schwieriger zu unterscheiden, was real und was KI-generiert ist. Der Philosoph Daniel Dennett sprach bereits 2023 in einem Artikel im „Atlantic“ von einem „asozialen Akt des Vandalismus“, wenn gefälschte digitale Menschen als echte auftreten. „Denn Maschinen haben keine Skrupel.” Bei Lu do Magalu, einer KI-Influencerin aus Brasilien mit 8,5 Mio. Followern ist ihre Digitalität noch gewollt sichtbar. Doch zunehmend fällt die Differenzierung im Alltag schwerer.

„Unsere Wirklichkeit wird in wenigen Jahren mehr Fiktion als Realität enthalten“, so Enslin. Dennoch seien die Zeiten spannend und die Chancen enorm. In der Diskussion verglich er die KI-Revolution mit der Erfindung des Buchdrucks. Sein Motto – und das seiner LösungsNetz GmbH – lautet: Ideen gehören zu den wenigen Gütern, die mehr werden, wenn man sie teilt.

Wie gewohnt nutzten die Netzwerkpartner die Veranstaltung für intensive Gespräche an ihren Ständen. Gastgeber des Tages waren ALVIC, CAESARSTONE, CONAL, CONTINENTAL, EUROPLAC, FORBO, FURNIPART, HERA, LINAK, MUNKSJÖ, NEELSEN, SCHATTDECOR, SONAE ARAUCO sowie der TRENDFILTER.

Kooperationspartner sind FOUNDERS FOUNDATION, TH OWL, TISCHLER INNUNG HERFORD und die VERBÄNDE DER HOLZ- UND MÖBELINDUSTRIE NRW.

Das FURNITURE FUTURE FORUM zeigte einmal mehr, warum Bünde seit 20 Jahren als Impulsgeber für die Home-&-Living-Branche gilt: Hier treffen Substanz, Neugier und Gestaltungswille aufeinander.

Auch der nächste Termin im FURNITURE FUTURE FORUM steht bereits fest. Am 18. Juni steht der TRENDREPORT auf der Agenda.

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Kreativoffice: Waldenburger Str. 2, 32547 Bad Oeynhausen 
Trendforum & Verwaltung: Uhlendiekstr. 88, 32257 Bünde

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Weiteres Material zum Download

Dokument:  PM_Furniture_Talk_19_2_26.docx