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Pressemitteilung: „Interior Trend Outlook 2026“ von Katrin de Louw

Pressemitteilung: „Interior Trend Outlook 2026“  von Katrin de Louw
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Katrin de Louw gibt ihren ganz persönlichen „Interior Trend Outlook 2026“ auf das Jahr 2026. Darin teilt sie ihre Beobachtungen, wie gesellschaftliche Entwicklungen Architektur und Einrichtung beeinflussen, und nennt zahlreiche Beispiele. Dem Schaukeln zwischen digitalen Welten und der Renaissance des Analogen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Katrin de Louw ist Trendexpertin, Impulsgeberin für Gestaltung und eine exzellente Kennerin der Einrichtungsbranche – vom Zulieferbetrieb bis zum Handel. In ihrem „Interior Trend Outlook 2026“ gibt sie ihren ganz persönlichen Blick auf das Designjahr 2026 und lädt zum gemeinsamen Entdecken ein.

Wir freuen uns über die Verwendung des Textes oder von Auszügen daraus. Katrin de Louw steht darüber hinaus für Workshops, Vorträge und Gestaltungsfragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg und Bünde

Sascha Tapken

Pressemitteilung

„Interior Trend Outlook 2026“

von Katrin de Louw

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Technologie. Die rasante Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik beschleunigt wirtschaftliche und soziale Prozesse. Als Reaktion darauf entsteht eine Gegenbewegung in Richtung Entschleunigung, Materialität und analoger Erfahrung. Diese Entwicklung prägt sowohl kulturelle Praktiken als auch ganz entscheidend das Interior-Design, wie Katrin de Louw in ihrem „Interior Trend Outlook 2026“ erläutert.

Wo zunehmend Roboter und Computer agieren, werden Begegnungen zwischen echten Menschen umso wertvoller, ja sogar außergewöhnlicher. Nicht nur, weil der persönliche Austausch ohne Filter von Zensur und Algorithmus elementar ist, um die eigene Wahrnehmung mit Wissen und Wahrheit zu füttern, sondern auch, weil der Mensch als soziales Wesen nicht dafür gemacht ist, allein vor dem Computer zu sitzen und ausschließlich digital zu interagieren.

Einsamkeit ist aber bereits heute ein großes gesellschaftliches Problem. In Zukunft wird es den Menschen immer schwerer fallen, einander mit Interesse zu begegnen, die Gefühle des Gegenübers zu verstehen und Konflikte im Diskurs friedlich zu lösen. Eine Sprachnachricht per WhatsApp ist noch lange keine erfüllende Kommunikation – zumindest nicht für beide Seiten. Die feinen Antennen für Emotionen und Beweggründe des Gegenübers verkümmern, wenn Botschaften nur noch über diverse Kommunikationskanäle und Netzwerke abgesondert werden.

Doch wie immer entstehen Gegenbewegungen zu den Megatrends. Beispiele dafür sind sogenannte „Communal Tables“ in Restaurants, an denen man sich bewusst zu einem gemeinsamen Essen mit Menschen anmeldet, die man noch nicht kennt. Oder das Singen mit Fremden, das echte Begegnung und reale, kollektive Offline-Erlebnisse ermöglicht.

Deshalb gilt heute mehr denn je, (Innen-)Architektur zu schaffen, die menschliche und soziale Begegnung ermöglicht – ja, sie sogar aktiv unterstützt. Das ist manchmal sogar verblüffend einfach: An einem runden Tisch sitzt niemand am Rand.

Nostalgie als emotionaler Stabilisator

Eine Anfang dieses Jahres veröffentlichte Studie von Talker Research (Quelle: New York Post) zeigt, dass 84 Prozent der Befragten bewusst analoge Aktivitäten wie gedruckte Bücher, handschriftliche Notizen oder Brettspiele nutzen, um digitale Überreizung auszugleichen und ihr Wohlbefinden zu steigern. Während einige noch das papierlose Büro als das Maß aller Arbeitswelten ansehen, wird uns zunehmend klar: Ganz auf Bücher verzichten möchten wir nicht – schon allein wegen des haptischen und olfaktorischen Erlebnisses. Wir brauchen zwar keine riesigen Bücherwände mehr, aber dennoch Möglichkeiten, unsere „Lieblinge“ aufzubewahren.

Das Gleiche gilt für Handschriftliches. Leider fällt es immer schwerer, Kinderhandschriften zu entziffern. Eine geübte und schöne Handschrift wird auch bei Erwachsenen zunehmend zum Exotikum. Dabei war die Handschrift eines Menschen über viele Jahrhunderte ein wesentlicher Ausdruck seiner Persönlichkeit.

Genau dieses Persönliche soll Einrichtung in den kommenden Jahren wieder hervorrufen. Es entstehen sogenannte „haptische Inseln“ – Möbel wie Regale oder Vitrinen, Gadgets wie Schallplattenspieler, analoge Fotokameras oder mechanische Uhren, Tools wie handschriftliche Schreibgeräte. Diese Objekte erfüllen primär sensorische statt funktionaler Aspekte: Sie können riechen, klingen, altern und werden intuitiv verstanden.

Nostalgie wirkt dabei als Ruhepol in einer hektischen und unsicheren Welt. Werte und Formen, die schon immer da waren, vermitteln Geborgenheit. Kennen Sie eine Zeigeruhr? Natürlich kennen Sie sie – eine simple Uhr. Kinder jedoch verlernen zunehmend, die Zeigeruhren zu lesen, und verstehen nur noch die digitalen Ziffern auf dem Handy. Wie schön manches ist, erkennen wir oft erst, wenn es zu verschwinden droht. Mein Plädoyer: In jedem öffentlichen Raum sollte eine Zeigeruhr stehen.

Ob in den eigenen vier Wänden oder in anderen Einrichtungen: Wir lieben Möbel und Muster, die Erinnerungen an Zeiten wecken, als die Zukunft noch rosig erschien und der Fortschritt in einem Tempo stattfand, mit dem wir mithalten konnten – Zeiten ohne Internet und ohne Handy. Dass große Designlabels Modelle aus den 1950er- bis 1970er-Jahren feiern und in kleineren Variationen sowie Neuinterpretationen wieder aufleben lassen, ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern entspricht auch dem emotionalen Bedürfnis der Verbraucher. Die Beobachtung zeigt: Obwohl der 3D-Druck fantastische neue Formen ermöglicht, leben wir dennoch nicht plötzlich in einem komplett neuen Formen-Zeitalter.

Die Ästhetik der Zuversicht

Die 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre sind „en vogue“, weil wir die Gefühle dieser Jahrzehnte wieder empfinden wollen – selbst wenn der Blick auf diese Zeit verklärt ist: die Jahre des Wirtschaftswunders, der freien Liebe bei Woodstock, des Glaubens an die Zukunft. Im Design ist das klar erkennbar. Die Formen und Materialien des Midcentury Looks wie Holz, Messing, organische Linien und analoge Texturen vermitteln Beständigkeit, Gewicht und Verlässlichkeit in einer hochdynamischen, volatilen Gegenwart.

Kühle Akzente wie Chrom oder Eisblau setzen auch in warmtonigen, farbenfrohen Interiors mit Mustern und Blümchen lässige, coole Statements. Manchmal auch in üppiger Qualität mit viel Stofflichkeit, etwa hochflorigen Teppichen: Lebensfreude, Luxus und Romantik als „Jetzt-erst-recht“-Statement.

Design für Menschlichkeit und Kommunikation

Dennoch strahlt uns auch 2026 noch immer viel gestalterische Inkompetenz und Bequemlichkeit entgegen. Leuchtend weiße Wände haben nichts mit Wohngesundheit oder Genesungsprozessen zu tun – und auch nicht zwangsläufig mit Budgetentscheidungen. Sie sind Ausdruck der Unfähigkeit, emotionale Bedürfnisse von Menschen wahrzunehmen und in Innenarchitektur zu übersetzen.

Dabei ist Farbe das günstigste Mittel, um Räume emotional aufzuladen und ein wohliges Raumerlebnis zu schaffen. Übrigens: Farbe ist auch der beste Verkäufer. Botschaften und Produkte, die mit Farbkompetenz online gestellt werden, erhalten mehr Klicks als identische Inhalte in Schwarz-Weiß. Menschen reagieren auf Farben. Deshalb ist es schön zu sehen, dass Räume 2026 farbenfroher werden – wenn auch nicht schrill oder bunt. Die Kombination mehrerer, oft natürlicher Farben gewinnt an Bedeutung. Allerdings ist eine zielgerichtete Farbauswahl nicht jedermanns Stärke. Ich rate hier dringend zur Zusammenarbeit mit Profis, denn so gut wie die richtige Farbe verkauft, so sehr schadet die falsche.

Humor schafft menschliche Vorteile

Humor ist eines der stärksten Vehikel, um Menschlichkeit zu erfahren – das zeigt sich 2026 auch im Design. Witzige Kleinmöbel, farbenfrohe Accessoires oder humorvolle Statements auf Textilien transportieren subtile Botschaften oder ironische Zwischentöne. In der Kommunikationsforschung wird dies als „Humanity Advantage“ beschrieben: Humor wirkt als Form der Resilienz in einem zunehmend technologisierten Alltag.

Hinzu kommen natürliche, organische Formen, die Einrichtungsobjekte gelegentlich zu lebendig wirkenden Alltagsbegleitern machen – mit fröhlichen Gesichtern oder klumpigen Füßen. Möbel mit Charakter. Und mit Witz.

Die Beschleunigung wegschaukeln

Mit der Beschleunigung digitaler Prozesse wächst der Bedarf an analogen Tätigkeiten, die nicht effizient, sondern entschleunigend wirken. Gesundheit, Sensorik und Wohlbefinden rücken stärker in den Fokus. Spirituelle Praktiken wie Yoga oder Meditation entwickeln sich zu gesellschaftlichen Bewegungen. Handwerkliche Tätigkeiten – etwa Sticken, Töpfern oder Musizieren – werden zu Alltagsritualen, die Konzentration, Körperlichkeit und Sinneserfahrung fördern und unseren Einrichtungen einen persönlichen Touch verleihen. Kunst und Kultur gewinnen als schöpferische und gesellschaftliche Praktiken neue analoge Bedeutung. Wir brauchen seelische Kompensationsräume.

Haben Sie schon einmal auf einer sehr hohen Schaukel im Wald gesessen? Bei uns in der Gegend gab es eine solche. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, sie an einem sehr hohen Baum aufzuhängen. Sie wurde intensiv genutzt und bereitete vielen Menschen Freude.

Schaukeln waren auch ein Element der „New Work“-Einrichtungen der letzten Jahre. Lässig im Kreis sitzen und schaukeln, während man spricht. Das Problem: Alles wackelt optisch, jeder schaukelt für sich. Nicht im Einklang, nicht harmonisch – kein echtes Gruppenerlebnis. Ich plädiere deshalb für neue „Hollywood-Schaukeln“, auf denen wir wieder gemeinsam schaukeln können. Wie in den 1970ern.

Material als Wertstoff und Statement

„Nachhaltigkeit muss man sich leisten können“ – ein gängiges Urteil im Möbelhandel, das schlicht falsch ist. Denn wenn wir jetzt nicht umdenken, sieht es schlecht aus für die Menschheit. In diesem Punkt ticken junge Menschen anders als ältere – ganz einfach, weil sie noch mehr Zukunft vor sich haben.

Der Mensch ist ein bequemes Wesen und sorgt sich zunächst um das eigene Überleben. Geht es der Wirtschaft und dem eigenen Geldbeutel schlecht, bleibt weniger Budget für Nachhaltigkeit. Sie verkommt dann zur „guten Tat“. Nice to have, aber entbehrlich.

Daran wird sich auch 2026 im Konsumverhalten wenig ändern. Doch junge Designer setzen weltweit Trends, die eine klare Richtung vorgeben: Möbel aus nachwachsenden Rohstoffen, Materialien und Müll als Wertstoffe im Kreislauf, weniger Konsum, dafür bewusster. Hersteller und Händler sind daher gefordert, glaubwürdige Transparenz über ihre Wertschöpfung zu schaffen – über Inhalte, Herkunft und soziales Engagement.

Wir leben im Zeitalter eines neuen Materialdenkens. Möbel setzen damit auch ein politisches Statement: zeitlos, langlebig, vielseitig und analog – so wie es in früheren Jahrhunderten für ein Möbelstück selbstverständlich war. Gleichzeitig dürfen sie individuell und einzigartig sein. Die Einrichtungsdevise 2026 lautet daher: mehr Mix als je zuvor. Neues neben Altem, Romantisches neben Hightech.

Während Unternehmen KI im großen Stil nutzen, um individuelle Einrichtungsideen als digitale Massenware zu verkaufen, wächst auch die Zahl derer, die bewusst nicht mehr konsumieren wollen, was ihnen eine KI vorschlägt.

Fazit: Wohnen als Gegenpol zur Beschleunigung

2026 sollte kein Kulturkampf zwischen Technologie und Vergangenheit ausbrechen, sondern ein Jahr der Balance ausgerufen werden. KI und Robotik beschleunigen Arbeits- und Alltagswelten – auch in unseren Wohnräumen, mit smarten Funktionen und intelligenten Helfern. Als Gegenreaktion suchen wir verstärkt nach Entschleunigung, Materialität, Sinn, analogen Lösungen und menschlicher Begegnung.

Wohnräume werden zu aktiv gestalteten Umgebungen für Sinneseindrücke, persönliche Hobbys und Rituale, für neue Gemeinschaftserlebnisse sowie für die Möglichkeit innerer Ruhe – geprägt von warmer, texturierter Materialität, Farben, analogen Objekten und einer klaren Orientierung am menschlichen Wohlbefinden.

Interior-Design 2026 ist daher mehr denn je hybrid: digital beschleunigt, aber zunehmend analog geerdet. Eben ein bisschen schaukelnd.

Über Katrin de Louw

Katrin de Louw ist Innenarchitektin und seit mehr als 20 Jahren eine profilierte Expertin für Möbel-, Material- und Designtrends. 1997 gründete sie die Agentur Trendfilter, mit der sie Unternehmen in den Bereichen Trendforschung, Produktentwicklung und Materialgestaltung berät. Sie ist Initiatorin des Furniture Future Forum und Gründerin des COLORNETWORK®, das sich für nachhaltige Farb- und Materialkonzepte einsetzt.

TRENDFILTER® — Designzukunft für Möbel & Materialien.

Kreativoffice: Waldenburger Str. 2, 32547 Bad Oeynhausen 
Trendforum & Verwaltung: Uhlendiekstr. 88, 32257 Bünde

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Weiteres Material zum Download

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