Spielen stärkt unterernährte Kinder in Flüchtlingscamps
München / Nord-Kivu-DR Kongo (ots)
Die kleine Inaya lag lange apathisch auf dem Boden. Sie hatte kaum Kraft zu essen, zu spielen oder zu denken. Erst als ihre Mutter und eine Therapeutin mit ein paar bunten Spielsachen lockten, reagierte die Kleine - und wurde mit jeder Therapiestunde kräftiger. Die Hilfsorganisation Handicap International setzt in Flüchtlingscamps spielerische Übungen ein, um unterernährte Kinder zu fördern, Rückstände aufzuholen und Behinderungen zu verhindern. Aus erschöpften und teilnahmslosen Kindern werden fröhlich spielende Jungen und Mädchen - so wie Inaya aus der Demokratischen Republik Kongo.
Inayas Familie musste vor den Kämpfen in ihrem Dorf bis ins Flüchtlingslager Bulengo bei Goma fliehen. Für Mutter Amani begann dort ein täglicher Überlebenskampf: genug Essen finden, die Kinder beschützen, Hoffnung bewahren. Doch ihre Tochter Inaya war bald stark unterernährt, sprach nicht mehr und hatte kaum Kraft sich zu bewegen. Irgendwann lag das kleine Mädchen nur noch apathisch da und bewegte sich kaum. Wenn Kinder hungern, raubt das ihren kleinen Körpern nicht nur die Kraft, sondern auch Neugier und oft die Chance auf eine gesunde Entwicklung. Bewegungen wie Drehen, Krabbeln, Sitzen oder Laufen, die für gesunde Kinder selbstverständlich sind, werden für unterernährte Kinder aber oft zu anstrengend. Viele Kinder entwickeln lebenslange körperliche und kognitive Behinderungen.
Therapieerfolge im Flüchtlingslager in der Demokratischen Republik Kongo
Im Flüchtlingscamp Bulengo nahm sich das Team von Handicap International dem kleinen Mädchen an und begann eine spezielle Spieltherapie. Schon nach wenigen Therapie-Stunden tapste die Kleine vorsichtig zwischen den bunten Spielsachen herum und versuchte die Balance zu halten. Sie lächelte endlich wieder und versuchte nach den Bällen zu greifen. Mit gezielten Bewegungsübungen und viel Geduld werden Kraft, Beweglichkeit und Koordination gefördert - mit dem Ziel, dauerhafte körperliche und kognitive Einschränkungen zu verhindern.
Uta Prehl: "Unsere Therapie kann Behinderungen verhindern."
Uta Prehl, Physiotherapeutin bei Handicap International, begleitet und entwickelt diese Reha-Programme in westafrikanischen Ländern seit vielen Jahren. "Wenn ein Kind nach Wochen der Kraftlosigkeit wieder nach einem Ball greift und zum ersten Mal lächelt, sieht man ganz konkret, was unsere Arbeit wirklich bewirken kann. Schon mit ein paar Stunden Therapie holen die Kleinen die Rückstände auf und haben damit die Chance auf eine gesunde Zukunft", sagt Uta Prehl, die Fachkräfte zum Beispiel in Benin oder Burkina Faso fortbildet. "Ganz wichtig ist aber auch, dass wir die Eltern schulen, damit sie selbst mit ihren Kindern üben können."
Nachhaltige Rehabilitation durch Fachkräfte vor Ort
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Ausbildung lokaler Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. So entstehen nachhaltige Angebote, die auch langfristig vor Ort wirken. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie engagiert alle Beteiligten zusammenarbeiten, um das Leben dieser Kinder langfristig zu verbessern", berichtet Prehl. Die Erfolge zeigen: Rehabilitation bedeutet weit mehr als medizinische Versorgung - sie gibt Kindern ein Stück Kindheit und Zukunft zurück.
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