Alle Storys
Folgen
Keine Story von Spica Verlag GmbH mehr verpassen.

Spica Verlag GmbH

Rente - Müssen unsere Kinder bis 100 arbeiten?

Rente - Müssen unsere Kinder bis 100 arbeiten?
  • Bild-Infos
  • Download

Ein Dokument

Es gibt Momente im Leben eines deutschen Bundeskanzlers, die noch weit über seine Amtszeit hinaus in Erinnerung bleiben werden. Im Falle von Friedrich Merz ergab sich dies durch seine Aussage, die Rente könne zukünftig allenfalls noch als Basisabsicherung dienen. Es folgte ein großer Aufschrei in der Bevölkerung. Dass Herr Merz seine Botschaft so ungünstig wie nur irgend möglich formulierte, ist unbestritten. Doch verbirgt sich auf inhaltlicher Ebene ein wahrer Kern?

Die gesetzliche Rentenversicherung wurde 1889 mittels dem „Gesetz betreffend die Invalidität- und Altersversicherung“ als ein wichtiges soziales Instrument zum Schutz vor Armut und Verelendung im Zeitalter der Industrialisierung eingeführt. Einige Jahre zuvor wurden bereits die gesetzliche Krankenversicherung und Unfallversicherung beschlossen und umgesetzt. Ein erster Urtyp der sozialen Solidargemeinschaft entstand, wenn auch nicht annähernd vergleichbar mit heutigen Maßstäben. Anspruch auf eine Altersrente hatten zunächst nur Versicherte ab 70, die mindestens 30 Beitragsjahre vorweisen konnten.

Rente mit 70? Richtig gehört. Keine Erfindung der Neuzeit. Wer zu diesem Zeitpunkt bereits über 70 war, musste insgesamt mindestens drei Jahre vor Verabschiedung des Gesetzes gearbeitet haben. Anzumerken sei jedoch, dass die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 1889 für Männer bei 49 Jahren und für Frauen bei 51 Jahren lag, sofern sie das fünfte Lebensjahr überhaupt erlebten. Nur etwa 31 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen erreichten seinerzeit das 60. Lebensjahr.

Ab 1890 gründeten sich verschiedene Landesversicherungsanstalten, allein 13 von 31 im Königreich Preußen. Bereits 1891 wurden mehr als 125.000 Altersrenten ausgezahlt. Die insgesamt niedrige Lebenserwartung hatte, aus Versicherungsperspektive, ihre Vorteile. Die Kassen füllten sich schnell. Rücklagen konnten gebildet werden. Zwei Weltkriege und diverse politische und gesellschaftliche Veränderungen rüttelten kräftig am Fundament der Gesetzlichen Rentenversicherung. Ab 1949 entwickelten sich die Sozialversicherungssysteme im geteilten Deutschland grundlegend auseinander.

Zentrale Meilensteine wurden in der BRD im Jahr 1957 erreicht. Die Rentenbezüge stiegen nun deutlich, da sie sich nicht an nominalen Beträgen früherer Löhne orientierten, sondern anhand der im Verlaufe der Jahre eingezahlten Beiträge ermittelt wurden. Das Umlageverfahren wurde eingeführt, sodass fortan aktuelle Beitragszahler die jeweils gegenwärtigen Rentner finanzierten. Der Generationenvertrag war geboren. Sein grundlegendes Prinzip ist bis heute erhalten geblieben.

Auch im Zuge der Wiedervereinigung gelang die gesamtdeutsche Vereinheitlichung der Rentensysteme. All das funktionierte eine Zeit lang halbwegs gut bis man feststellte, dass perspektivisch zu wenige Beitragszahler auf eine zu große Anzahl an Rentnern kommen. Das Schreckgespenst der massenhaften Altersarmut treibt seitdem sein Unwesen.

Können Maßnahmen wie das Altersvorsorgedepot (auch: Riester 2.0) davor schützen?

Was hat all das nun mit den jüngsten unserer Gesellschaft, den Kindern, zu tun?

Müssen sie bis 100 arbeiten oder werden sie gar keine Rente mehr beziehen?

Welche Rolle spielt die Künstliche Intelligenz, die den Arbeitsmarkt und unser Wirtschaftswesen grundlegend umkrempeln wird?

Zunächst sollte klar sein, dass die gesetzliche Rente vor massiven demographischen und systemischen Herausforderungen steht. Sich allein auf sie zu verlassen, wäre in der Tat fahrlässig und naiv. Doch es gibt zum Glück weitere Bausteine wie die betriebliche und die private Altersvorsorge. Bei Letzterer ist vor allem der Faktor Zeit entscheidend. Startet man einen monatlichen Sparplan, z.B. auf breit gestreute Indexfonds mit geringen Kosten (bspw. ETFs), wie es verbrauchernahe Institute empfehlen, kann sich der Zinseszinseffekt mit steigender Haltedauer umso stärker entfalten und beim Aufbau eines beträchtlichen Vermögens unterstützen (natürlich abhängig von der Höhe der Sparrate und der gewählten Anlageform). Die Rentenlücke lässt sich so sukzessive schließen.

Zur Geburt also besser eine Geldanlage schenken anstatt Windeln und Schnuller? Der Gedanke ist nicht grundverkehrt, denn kleine Kinder haben vor allem von einer Sache mehr als wir: Zeit. Und die kann bei der langfristigen Geldanlage sehr entscheidend sein.

Sollte das neugeborene Baby also von Anfang an zum Finanzexperten erzogen werden? Bitte nicht! Die Kindheit ist ein so schützenswertes Gut und eine Lebensphase des Spielens, Lernens und Erkundens. Sie ist einmalig und besonders aufgrund ihrer Vergänglichkeit so wertvoll. Dennoch ist im Hinblick auf Finanzbildung weiterhin Nachholbedarf im deutschen Bildungswesen vorhanden. Alltagsnahe Themen wie Geldanlage, Versicherungen und Lebenspraxis sind noch nicht ausreichend im Fokus. Besonders da finanzielle Bildung sehr stark von der sozialen Herkunft abhängt, besteht hier eine Möglichkeit zur Schaffung von mehr Chancengleichheit.

Gemeinsam mit Illustratorin Marie Reimann versuche ich, in meiner Rolle als Kinderbuchautor, einen eigenen, kleinen Beitrag dazu zu leisten. Nicht explizit zur Förderung des finanziellen Wissens. Unsere Geschichten rund um „Die kleine Eins“, von der mittlerweile vier Bände erhältlich sind, vermitteln viel eher spielerisch und in süße Geschichten verpackt mathematisches Basiswissen. Thematisiert werden beispielsweise die Größenverhältnisse der Zahlen zueinander, erste Rechengrundlagen und Mengenverhältnisse. Am liebsten reisen wir im Rahmen von Lesungen direkt zu den jungen Lernern und kommen mit ihnen ins Gespräch. Immer wieder erstaunen sie uns mit der ihnen grundlegend innewohnenden Freude an mathematischen Inhalten.

Ein grundlegendes Mathematikverständnis ermöglicht schließlich das Erlangen von Handlungskompetenz im Alltag. Sie ermöglicht individuelle Antworten auf Fragen wie:

Wie lege ich mein Geld richtig an?

Wie baue ich mir ein privates finanzielles Polster für das Alter auf?

Wie kann ich mit dem mir zur Verfügung stehenden Gehalt gut wirtschaften?

Das alles geschieht nicht über Nacht, sondern als Teil eines komplexen Entwicklungs- und Reifeprozesses. Dennoch ist es nicht verkehrt, das Thema der finanziellen Bildung und Eigenverantwortung rechtzeitig in den Fokus zu rücken und nicht erst zu bedenken, sobald die Kindheit endet. Obwohl ich angesichts der steigenden Lebenserwartung ohnehin dafür plädiere, die Phase der Kindheit frühestens mit 30 enden zu lassen. Erwachsen sind wir schließlich noch lange genug.

Haben Sie Lust mit mir darüber in einen Diskurs treten? Kontaktieren Sie uns einfach, gerne auch mich direkt unter

felixwalk@web.de

Herzlichst

Ihr Felix Walk

Spica Verlag GmbH

Herr Peter Kolloch

Liepser Weg 8

17237 Blumenholz

fon  ..: +49 (0)395 / 57 06 89 19 
web  ..: https://spica-verlag.de/
email :  presse@spica-verlag.de