Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
Mieterbund und Soziale Vermieter: Kürzungen bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude führen zu steigenden Mieten
53/2026
Kiel. Der Mieterbund Schleswig-Holstein und die sozialen Vermieter Norddeutschlands haben die Rücknahme der massiven Kürzungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefordert.
„Die Kürzungen führen bei den am Gemeinwohl orientierten Wohnungsunternehmen zu erheblichen finanziellen Einbußen und zugleich zu steigenden Mieten bei den Mieterinnen und Mietern“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Jochen Kiersch, Vorsitzender des Mieterbundes Schleswig-Holstein, und Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Wer will, dass die Energiewende zu einem Spaltpilz in unserer Gesellschaft wird, der geht genau so vor.“
Wohnungswirtschaft und Mieterbund hätten in den vergangenen Monaten intensiv mit der Landesregierung in Kiel über das Thema Klimaneutralität beraten. „Wir sind uns dabei mit den zuständigen Politikerinnen und Politikern einig, dass die Energiewende das bezahlbare Wohnen im Norden Deutschlands nicht bedrohen darf. Dazu gehört, dass die energetische Sanierung von Wohngebäuden und der Einbau klimaneutraler Heizungen durch den Bund gefördert wird. Fällt die Förderung, erreichen wir die Klimaschutzziele nicht.“
Problematisch sei vor allem die soziale Schieflage der künftigen Förderung. „Der Schwerpunkt liegt bei der neuen BEG auf dem selbst genutzten Eigentum“, heißt es in der Erklärung weiter. „Die Tausenden Einfamilienhäuser in den Fokus zu nehmen, mag angesichts des dortigen großen Nachholbedarfs bei energetischen Sanierungen nachvollziehbar sein. Es ist aber ein Irrglaube, bei den sozial orientierten Wohnungsunternehmen kürzen zu können, weil diese schon seit vielen Jahren maßvoll und schrittweise in ihre Bestände investieren,“ so Andreas Breitner.
Gerade die am Gemeinwohl orientierten Wohnungsunternehmen sind auf eine ausreichende Förderung bei der Energiewende angewiesen. „Ihre einzige Einkommensquelle sind die moderaten Mieten. Wenn jetzt bestimmte Arbeiten nicht mehr ausreichend gefördert werden, müssen sie ihre Miete erhöhen. Dann aber treffen die Kosten der Energiewende Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen sowie jene Wohngebäude, durch deren Sanierung besonders viele klimaschädliche Emissionen reduziert werden können,“ so Andreas Breitner.
Der Mieterbund und die sozialen Vermieter fordern eine Rücknahme der jetzt beschlossenen Kürzungen. Unverzichtbar sind ein Sozialbonus für Wohnungsbestände mit bezahlbaren Mieten und die stärkere, gezielte Förderung energetisch besonders schlechter Gebäude.
Eine Beispielrechnung: Bei einem Gebäude mit zwölf Wohnungen sinken die förderfähigen Kosten von bisher 360.000 Euro auf 153.000 Euro, eine Kürzung um 57,5 Prozent. Die Folgen sind eindeutig: Die durch die Kürzung zusätzlich entstehenden Kosten werden auf Mieterinnen und Mieter abgewälzt, sozial orientierte Vermieter müssen ihre Investitionspläne zusammenstreichen, und dringend notwendige Klimaschutzmaßnahmen werden verschoben oder vollständig aufgegeben.
Zitat VNW-Direktor Andreas Breitner: „Die jetzt beschlossenen Kürzungen belasten das Vertrauensverhältnis zwischen Wohnungswirtschaft und Politik erheblich. Die sozialen Vermieter haben sich längst auf den Weg gemacht und sanieren in großem Maße ihre Bestände. Sie haben ihre Investitionsplanungen auf der Grundlage der bisher geltenden Förderregelungen gemacht. Sie stehen jetzt vor der Entscheidung, Investitionen zu strecken oder die Mieten massiv zu erhöhen. Wer Klimaschutzziele festlegt und deren Einhaltung fordert, der kann sich bei der Förderung nicht aus dem Staub machen.“
Zitat Jochen Kiersch, Vorsitzender des Mieterbundes Schleswig-Holstein: "Natürlich ist es richtig, ambitionierte Klimaziele zu verfolgen. Wenn dabei aber gleichzeitig die Finanzierungsmodelle gekappt werden, entlarven sich die hochgesteckten Ziele einmal mehr als leere Versprechungen. Und wenn im Rahmen dessen auch noch selbstnutzende Wohnungseigentümer bevorzugt werden, verkommen die Klimaschutzziele zu einem Förderprogramm für Vermögende."
29/07/2026
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 496 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 760.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de