Lancet-Studie: Behandlungsqualität von COPD-Patienten steigt nach Klinikaufenthalt auf rund 80 Prozent
Lancet-Studie: Behandlungsqualität von COPD-Patienten steigt nach Klinikaufenthalt auf rund 80 Prozent
Helios-Analyse der Daten von knapp 4.000 COPD-Patienten zeigt, dass die leitliniengerechten Therapie nach spezialisierter pneumologischer Betreuung im Krankenhaus zunimmt.
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählt weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und stellt Gesundheitssysteme vor erhebliche Herausforderungen. Wie gut Patientinnen und Patienten in der klinischen Praxis entsprechend den aktuellen medizinischen Leitlinien behandelt werden und welche Faktoren die Versorgungsqualität beeinflussen, hat nun eine der größten, praxisnahen Real-World-Analysen zur stationären COPD-Versorgung in Deutschland untersucht. Die vom Helios Expertinnen und Experten gemeinsam mit führenden Pneumologen durchgeführte Studie wurde kürzlich in The Lancet Regional Health – Europe veröffentlicht.
Die Studie zeigt: Vor der Aufnahme im Krankenhaus erhielten 61 Prozent der Patienten eine leitliniengerechte inhalative Dauertherapie. Nach dem Krankenhausaufenthalt stieg dieser Anteil auf rund 80 Prozent. „Bei der leitliniengerechten Therapie von COPD-Patientinnen und -Patienten besteht noch Potenzial für eine noch bessere Versorgung. Gleichzeitig werden konkrete Einflüsse auf eine wissenschaftlich fundierte Behandlung identifiziert“, sagt Dr. Catharina Peukert, Oberärztin Pneumologie, Helios Klinikum Emil von Behring und Autorin der Studie. „Für uns ist es wichtig zu verstehen, welche Faktoren entlang des Behandlungspfades dazu beitragen, dass sich die Therapie für Patientinnen und Patienten verbessert“, ergänzt Dr. Peukert.
Die Behandlung von COPD erfolgt sektorenübergreifend. COPD-Patientinnen und -Patienten werden überwiegend ambulant betreut und kommen erst ins Krankenhaus, wenn sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert oder zusätzliche Erkrankungen und spezialisierte Diagnostik eine stationäre Behandlung erforderlich machen.
Pneumologische Spezialisierung
Besonders deutlich wurde der Einfluss der spezialisierten Versorgung. Patienten, die von pneumologischen Fachabteilungen oder Pneumologinnen und Pneumologen betreut wurden, erhielten häufiger eine entsprechende leitliniengerechte Behandlung. Auch strukturierte stationäre Behandlungs- und Entlassprozesse gingen mit einer besseren Leitlinienadhärenz einher.
„Über die Versorgung von COPD-Patienten wird seit Jahren diskutiert, doch belastbare Daten aus der klinischen Realität fehlen jedoch häufig. Mit der Auswertung von Daten von fast 4.000 Patienten aus über 80 Kliniken deutschlandweit konnten wir sehr genau zeigen, wo Versorgungslücken bestehen. Diese Größenordnung und Detailtiefe ist in Deutschland bislang einzigartig“, sagt Dr. Stefan Kwast, Senior Projektmanager Clinical Trial Management & Real-World Data am Helios Health Institute und korrespondierender Autor der Studie.
Unterschiede zwischen Patientengruppen
Neben den Versorgungsstrukturen wurden auch patientenbezogene Faktoren analysiert. Dabei zeigte sich, dass Männer häufiger leitliniengerecht behandelt wurden als Frauen. Gleichzeitig nahm die Wahrscheinlichkeit einer leitlinienkonformen Therapie mit zunehmendem Alter ab. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf, insbesondere ältere Patientinnen und Patienten stärker in den Blick zu nehmen und mögliche Ursachen für diese Unterschiede weiter zu untersuchen.
Helios nutzt Forschungserkenntnisse für mehr Versorgungsqualität
Aus den Ergebnissen leitet Helios konkrete Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Behandlungsqualität ab. In Zusammenarbeit mit den beteiligten Helios Expertinnen und Experten sollen konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die insbesondere Ärztinnen und Ärzte ohne pneumologischen Schwerpunkt dabei unterstützen sollen, COPD-Patienten leitliniengerecht zu behandeln. Das Ziel besteht darin, die Versorgungsqualität unabhängig von der jeweiligen Fachabteilung weiter zu erhöhen.
„Die Studie bestätigt unseren Anspruch, Behandlungsergebnisse kontinuierlich und datenbasiert zu analysieren, um daraus konkrete Verbesserungen für die Patientenversorgung abzuleiten. Mit den bei Helios jährlich rund 15.000 stationären COPD-Fällen tragen wir eine besondere Verantwortung, evidenzbasierte Versorgung konsequent in die klinische Praxis zu überführen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Nikolaus Büchner, Chefarzt Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Helios Klinikum Duisburg & Oberhausen, Leitung Helios Fachgruppe Pneumologie und Mitautor der Studie.
Volkskrankheit COPD
Laut Angaben des Robert Koch Institutes (RKI) sind in Deutschland etwa 8,5 Prozent der Menschen ab 45 Jahren von einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) betroffen. Dies entspricht fast 3,8 Millionen Erkrankten. Da bei COPD die Bronchien dauerhaft entzündet und verengt sind (chronische Bronchitis), und sich im Verlauf oftmals die Funktion der Lungenbläschen reduziert (bspw. Lungenemphysem), kann dies zu ausgeprägter Atemnot bis hin zum Versagen der Atempumpe führen. Bislang gilt COPD als nicht heilbar und gehört sowohl in Deutschland als auch weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Anzahl der Betroffenen weiter steigen.
Über die Studie
Für die multizentrische Beobachtungsstudie wurden Daten von 3.928 stationär behandelten COPD-Patientinnen und -Patienten aus 85 Helios Kliniken im Zeitraum Januar 2022 bis September 2024 ausgewertet. Damit handelt es sich um eine der bislang umfassendsten Analysen in Deutschland zur leitliniengerechten COPD-Behandlung im Krankenhaus. Die Untersuchung berücksichtigt unterschiedliche Krankenhausstufen, urbane und ländliche Standorte sowie spezialisierte und nicht spezialisierte Behandlungsbereiche und biete so eine breite Grundlage für die qualitative Weiterentwicklung der COPD-Versorgung.
Die Ergebnisse: Eine bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung, strukturierte Entlassprozesse sowie die übergreifende Nutzung pneumologischer Expertise können dazu beitragen, die Versorgung von COPD-Patientinnen und -Patienten zu verbessern.
Helios nutzt die Daten aus über 80 Kliniken zu Forschungszwecken. Dabei gelten klare Regeln für den Umgang mit den Daten: Sie unterliegen strengen Datenschutzvorgaben und werden so verarbeitet, dass kein direkter Bezug zu einzelnen Personen mehr besteht. Die Patientinnen und Patienten haben ausdrücklich ihre Zustimmung zur Nutzung ihrer Daten für wissenschaftliche Fragestellungen gegeben.
Die Studie wurde vom Helios Health Institute durchgeführt und von Astrazeneca unterstützt. Als Datengrundlage der Studie diente die Helios Forschungsdatenbank, die federführend von der Ethikkommission der Universität Leipzig bewertet wird.
Sie wurde in der hoch angesehenen Open Access Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe veröffentlicht, die weltweit zu den führenden Publikationen im Bereich Gesundheitswissenschaften und Public Health gehört.
Link zur Studie
Über Helios
Fresenius Helios ist der führende private Gesundheitsdienstleister in Europa und versorgt mit rund 140 Kliniken und zahlreichen ambulanten Einrichtungen jährlich rund 27 Millionen Menschen. Zusammen mit Fresenius Kabi, Anbieter von Gesundheitsprodukten für kritisch und chronisch Kranke, gehört Fresenius Helios zum Gesundheitskonzern Fresenius. Mit seinen rund 130.000 Mitarbeitenden der Helios Gruppe in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika erzielte Fresenius Helios 2025 einen Gesamtumsatz von mehr als 13,5 Milliarden Euro.
In Deutschland betreibt Helios mehr als 80 Kliniken, rund 200 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 30 arbeitsmedizinische Zentren. Helios behandelt im Jahr 2025 rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland, davon mehr als 4 Millionen ambulant. Seit seiner Gründung setzt Helios auf messbare, hohe medizinische Qualität und Datentransparenz und ist bei über 90 Prozent der Qualitätsziele besser als der bundesweite Durchschnitt. In Deutschland beschäftigt Helios rund 80.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 8,1 Milliarden Euro. Helios steht mit 35 eigenen Bildungszentren für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
Quirónsalud verfügt über 57 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, rund 130 ambulante Gesundheitszentren sowie über 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 22 Millionen Patient:innen behandelt, davon mehr als 20 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 50.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von mehr als 5,4 Milliarden Euro.
Pressekontakt Helios
Birgit Gugath Pressesprecherin Mobil: +49 173 28 12 169 E-Mail: presse@helios-gesundheit.de Helios Kliniken | Friedrichstraße 136 | 10117 Berlin




