Private Equity: Maßnahmen zur Wertsteigerung zeigen deutlich schneller Resultate als im Vorjahr
Die erfolgreichsten Fonds koppeln das Tempo an feste Standards und KI
Private Equity: Maßnahmen zur Wertsteigerung zeigen deutlich schneller Resultate als im Vorjahr / Die erfolgreichsten Fonds koppeln das Tempo an feste Standards und KI
Private-Equity-Fonds (PE) erhöhen bei der Wertsteigerung ihrer Beteiligungsunternehmen das Tempo: 63 Prozent der befragten PE-Entscheider berichten, dass Maßnahmen wie Kostensenkungen oder Preisanpassungen binnen eines Jahres im Durchschnitt Resultate zeigen, nach 41 Prozent im Vorjahr. Bei Künstlicher Intelligenz (KI) hat sich der Anteil fast verdoppelt: 66 Prozent der Befragten sehen binnen zwölf Monaten Ergebnisse aus KI-Anwendungen, nach 34 Prozent im Vorjahr. Das zeigt der Private Equity Value Creation Index 2026 der Unternehmensberatung FTI Consulting, für den 555 leitende PE-Entscheider aus 14 Ländern befragt wurden.
- Die erfolgreichsten Fonds setzen umsatznahe Hebel wie Preissetzung, Vertrieb, Marktausbau und Kundenbindung fast doppelt so oft ein wie die übrigen (46 gegenüber 26 Prozent)
- Knapp ein Viertel der erfolgreichsten Fonds (23 Prozent) arbeitet mit stark standardisierten Maßnahmen, bei den weniger erfolgreichen sind es nur zehn Prozent
- KI hat noch deutlich mehr Potenzial: für „effizient“ hält die Umsetzung bisher nur knapp jeder Dritte (31 Prozent)
Am schnellsten machen sich Eingriffe in der Steuerung der Finanzen und bei Kosten bemerkbar: 82 Prozent der Befragten sehen bei der Optimierung des Umlaufvermögens und der Liquidität binnen zwölf Monaten Ergebnisse in ihren Beteiligungen, danach folgen Kostensenkungen, Effizienzmaßnahmen beim Personal (jeweils 73 Prozent) und Preisanpassungen (72 Prozent). Die Beschleunigung zeigt sich über alle Regionen und Fondsgrößen hinweg, die Studie ordnet sie deshalb als strukturelle Veränderung ein.
„Wertsteigerungen müssen heute schnell erarbeitet und schon sehr früh in der Haltedauer sichtbar werden“, sagt Gero Güllmeister, Senior Managing Director und Vorstand von FTI-Andersch, der auf Restrukturierung, Business Transformation und Transaktionen spezialisierten Beratungseinheit von FTI Consulting. „Bei den führenden Fonds beobachten wir, dass sie alle relevanten Maßnahmen zunehmend standardisiert und in Teilen auch automatisiert haben. Dann beginnt schon an Tag eins nach der Übernahme die Performance-Verbesserung. Denn Anlage-, aber auch Leistungsdruck sind zuletzt global weiter angestiegen. Wer nicht liefern kann, verliert schnell das Vertrauen der Investoren. Künstliche Intelligenz ist hier ein neuer Hebel, um diesen Anforderungen besser gerecht werden zu können.“
Was die erfolgreichsten Fonds anders machen
Der Index vergleicht die Fonds, deren Beteiligungsunternehmen ihre wirtschaftlichen Ziele im vergangenen Jahr nach eigener Auskunft im Durchschnitt übertroffen haben (40 Prozent der Befragten), mit den übrigen Teilnehmern. Die Vorreiter greifen deutlich öfter zu umsatznahen Hebeln: 46 Prozent setzen Preissetzung, Vertrieb, Marktausbau und Kundenbindung sehr häufig ein, bei den übrigen sind es 26 Prozent. Sie arbeiten mehr als doppelt so oft mit stark standardisierten Vorgehensweisen (23 gegenüber zehn Prozent). Die größte Einzellücke zwischen beiden Gruppen zeigt sich beim Hebel Personaleffizienz: 53 Prozent der Vorreiter übertrafen hier die Erwartungen, gegenüber 27 Prozent der übrigen. Bei KI sind die Einsatzquoten beider Gruppen ähnlich, doch 19 Prozent der Vorreiter übertreffen die wirtschaftlichen Ziele ihrer KI-Anwendungen, gegenüber fünf Prozent der übrigen. Den Unterschied machen laut Studie eine klare strategische Ausrichtung, eigene KI-Fachleute und Steuerungsstrukturen, die die Technologie auf wenige wirkungsstarke Hebel konzentrieren.
„Die erfolgreichsten Fonds setzen Künstliche Intelligenz als operativen Verstärker für Hebel ein, die sie ohnehin ziehen. Der Finanzbereich erkennt früher, wo Liquidität im Umlaufvermögen gebunden ist, der Einkaufsleiter findet Einsparpotenziale im Lieferantennetz oder bei C-Teilen, die manuell verborgen blieben“, sagt Gero Güllmeister. „Wer eine Beteiligung mit Wertaufschlag verkaufen will, muss zeigen, dass KI als Technologie im Tagesgeschäft und im Zahlenwerk angekommen ist. Und das funktioniert am besten, indem die Manager der Beteiligungsunternehmen diese selbst erfolgreich einsetzen.“
Trotz rascher Ergebnisse: KI-Einsatz bleibt zunächst Herausforderung
Auch wenn KI in diesem Jahr schon deutlich rascher zu messbaren Ergebnissen führt als im Vorjahr: 31 Prozent der Befragten bewerten die KI-Umsetzung als effizient oder „weitgehend“ effizient, 48 Prozent als durchwachsen, 21 Prozent als schwierig. Nur ein Prozent spricht von einer sehr effizienten Einführung und Umsetzung, bei etablierten Technologien für Verwaltungsprozesse sind es elf Prozent.
Viele Fonds konzentrieren KI bislang auf wenige erprobte Anwendungsfelder wie Preissetzung, Kostenstruktur und Personalplanung und sehen dort schnell Ergebnisse. Bislang läuft KI damit oft in einzelnen Anwendungsfällen einzelner Beteiligungen. Die Ausrollung über alle Beteiligungsunternehmen eines Fonds hinweg steht dagegen vielfach noch aus. Am deutlichsten zeigt sich das Muster bei der Preissetzung: Kein Hebel wird häufiger durch KI verstärkt, kein Hebel hat im Jahresvergleich stärker an Einsatz gewonnen (plus 18 Prozentpunkte). Und zugleich zählt die Preissetzung im Report zu den am schwersten umzusetzenden Hebeln.
„Für Fonds mit deutschen Beteiligungen ist das Zeitfenster eng. Die Bewertungen geben in vielen Sektoren nach, und wer die Wertsteigerung erst im Verkaufsprozess belegen will, verliert Preisspielraum“, sagt Gero Güllmeister. „Gerade in Deutschland kommt es deshalb darauf an, in den kommenden zwei Jahren früh sichtbare operative Resultate zu schaffen. Die Vorreiter machen vor, dass Tempo und Disziplin zusammengehen. In diesem Umfeld können gerade deutsche PE-Fonds zeigen, was sie durch Automatisierung und KI erreichen.“
Über die Studie / Methodik:
FTI Consulting hat weltweit 555 Entscheider aus Private-Equity-Gesellschaften in 14 Ländern befragt, davon 36 Prozent in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA). Bewertet wurden neun Kernmaßnahmen zur Wertsteigerung von Beteiligungsunternehmen sowie zwei unterstützende Faktoren, darunter Künstliche Intelligenz (KI), unter anderem nach Häufigkeit des Einsatzes, Umsetzung, Zeit bis zur Wirkung und Zielerreichung. Die Ergebnisse beruhen auf Selbsteinschätzungen der Befragten zu ihren Beteiligungsunternehmen.
Die vollständige Studie finden Sie hier: https://www.fticonsulting.com/insights/reports/private-equity-report
Über FTI-Andersch
FTI-Andersch ist eine Unternehmensberatung, die ihre Mandanten in der Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Zukunfts-, Performance- sowie Restrukturierungskonzepte unterstützt. FTI-Andersch begleitet aktiv Unternehmen, die sich mit strategischen, operativen oder finanzwirtschaftlichen Herausforderungen und Veränderungsprozessen beschäftigen müssen – oder frühzeitig Geschäftsmodell, Organisation und Prozesse zukunftsfähig ausrichten möchten. Zu den Mandanten zählen insbesondere mittelständische Unternehmen und Konzerne, die international agieren. FTI-Andersch ist Teil der FTI-Consulting-Gruppe (NYSE: FCN) mit mehr als 8.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit.
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