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Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

PM Bundesstiftung Aufarbeitung: Neue Auswertungen zum 3. Oktober: Wie Ost und West wahrgenommen werden – und wie die Tagesschau darüber berichtet

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Neue Auswertungen zum 3. Oktober: Wie Ost und West wahrgenommen werden – und wie die Tagesschau darüber berichtet

Berlin/Leipzig, 29. September 2026 – 36 Jahre nach der Deutschen Einheit zeigt sich ein differenziertes Bild: Unterschiede zwischen Ost und West werden weiterhin stark wahrgenommen. Im persönlichen Alltag spielt die Ost-West-Zuordnung für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage „DNA des Ostens" jedoch eine deutlich geringere Rolle.

87 Prozent der Befragten finden, dass die Ostdeutschen auf das seit 1990 Erreichte stolz sein können. 92 Prozent sehen weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Im Alltag tritt diese Unterscheidung dagegen zurück: 68 Prozent unterscheiden dort nicht zwischen ost- und westdeutsch. Für 77 Prozent ist die Zugehörigkeit zu ihrem Ort oder ihrer Region wichtiger als die Einordnung in Ost oder West.

„Unsere Umfrage zeigt: Im persönlichen Alltag spielt Ost oder West für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine deutlich geringere Rolle als in den gesellschaftlichen Debatten darüber", sagt Dr. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Kritik an fortbestehenden Unterschieden und Stolz auf das seit 1990 Erreichte schließen sich also keineswegs aus."

Die Umfrage gehört zum Projekt „Identitäten ohne Mauern", das die Bundesstiftung Aufarbeitung und die Hoferichter & Jacobs GmbH (Leipzig) im September 2025 auf der Website www.dna-des-ostens.de gestartet haben.

In den vergangenen zwölf Monaten haben sich rund 2.560 Besucherinnen und Besucher der Website an der Umfrage beteiligt. Sie ist nicht repräsentativ, sondern gibt das Meinungsbild von Menschen wieder, die mit ihrem Besuch der Website ein besonderes Interesse an den behandelten Themen erkennen lassen. Rund 64 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in Ostdeutschland aufgewachsen, rund 34 Prozent in Westdeutschland. Zugleich zeigt sich, wie sehr sich die Lebenswege inzwischen zwischen beiden Landesteilen verschränkt haben: 23 Prozent der im Osten Aufgewachsenen leben heute im Westen, von den im Westen Aufgewachsenen sind 36 Prozent in den Osten gezogen.

„Wird Ostdeutschland in den Medien angemessen dargestellt?" 77 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verneinen diese Frage. An diesen subjektiven Befund der Umfrage knüpft eine Datenauswertung an. Sie zeigt, wie häufig Ost- und Westdeutschland in der 20-Uhr-Tagesschau vorkommen und mit welchen Themen sie verbunden werden. Eine Bewertung der Tonalität oder des Inhalts der Beiträge nimmt sie nicht vor.

„Die Ergebnisse sind in doppelter Hinsicht bemerkenswert", sagt Prof. Olaf Jacobs, Geschäftsführer von Hoferichter & Jacobs. „Ostdeutschland ist in der Tagesschau gemessen an der Bevölkerungsgröße quantitativ deutlich stärker präsent als Westdeutschland. Zugleich unterscheidet sich das Themen-Setting erheblich: Westdeutschland erscheint eher als Wirtschaftsregion, Ostdeutschland eher als politisches Konfliktfeld."

Wenn ein ostdeutsches Bundesland genannt wird, ist in 24 Prozent der untersuchten Nachrichtenpassagen ein Thema der Kategorie „rechte Ideologie" im Fokus des Beitrags; bei westdeutschen Ländern liegt dieser Anteil bei 5 Prozent. Wirtschaft, Infrastruktur und Arbeitsmarkt spielen dagegen bei westdeutschen Ländern anteilig mehr als doppelt so häufig eine Rolle wie bei ostdeutschen – 19 gegenüber 9 Prozent.

Wie stark diese Präsenz tatsächlich ausfällt, zeigen die Zahlen: Zwar werden westdeutsche Bundesländer in der 20-Uhr-Tagesschau insgesamt häufiger genannt. Gemessen an ihrer Bevölkerungsgröße sind die ostdeutschen Länder in der untersuchten Berichterstattung rund zweieinhalbmal so stark vertreten. Eine ergänzende Stichprobe von jeweils fünf ost- und westdeutschen Städten bestätigt den Befund: In allen fünf Vergleichen wurde die ostdeutsche Stadt häufiger genannt als die westdeutsche.

Die vollständige Auswertung der Umfrage sowie die Datenerhebung „Ostdeutschland in der Tagesschau" stehen ab sofort auf der gemeinsamen Projektwebsite „Identitäten ohne Mauern. Auf der Suche nach der DNA des Ostens" unter www.dna-des-ostens.de zur Verfügung.

Das Projekt „Identitäten ohne Mauern" umfasst neben der Website mit Umfrage und Datenauswertungen wie der vorliegenden auch inzwischen 50 Videointerviews – die Reihe wird kontinuierlich erweitert. Hinzu kommen weitere Formate: Für das Buch „Die DNA des Ostens. Was uns ausmacht." wurden 16 Protagonistinnen und Protagonisten des Projekts ausgewählt, die darin ausführlicher von ihren ostdeutschen Prägungen erzählen – darunter der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, die Unternehmerin Fränzi Kühne, die Autorin und Filmemacherin Grit Lemke, der Journalist Christoph Dieckmann, der Leipziger Galerist Gerd Harry Lybke und die Influencerin Hannah Abdullah. Das Buch ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen. Im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks hat Hoferichter & Jacobs den Podcast „DNA des Ostens" produziert. Host Anna Thalbach spricht darin über das Zusammenwachsen von Ost und West. Ab Frühjahr 2027 kommt die Ausstellung „DNA des Ostens? Jugend im Umbruch" hinzu: Als Poster-Set mit 20 Tafeln im Format DIN A1 kann sie in beliebiger Auflage vervielfältigt werden und steht damit zugleich an vielen Orten im In- und Ausland für die historisch-politische Bildungsarbeit zur Verfügung.

Jonathan Harnisch | Pressereferent | Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin | Tel. 030 / 31 98 95 225

j.harnisch@bundesstiftung-aufarbeitung.de | www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

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