Sektorenübergreifende Versorgung: „STATAMED“ wird in Essen fortgesetzt
Sektorenübergreifende Versorgung: „STATAMED“ wird in Essen fortgesetzt
Nach zweijähriger Erprobung führen AOK Rheinland/ Hamburg und das Gesundheitszentrum St. Vincenz in Essen-Stoppenberg das Angebot einer kurzstationären Allgemeinmedizin fort.
Am 31. März endete die Interventionsphase der sektorenübergreifenden kurzstationären Allgemeinmedizin, kurz „STATAMED“. Jetzt beginnt die bis 2027 terminierte Evaluation des 2023 gestarteten Innovationsfondsprojekts. Am Gesundheitszentrum St. Vincenz in Essen wird die Versorgungsform auf Basis eines Selektivvertrags weitergeführt – gefördert von der AOK Rheinland/Hamburg.
Für jeden Bereich unseres Gesundheitswesens gilt: Es braucht mehr Effizienz und Zielgenauigkeit in der Versorgung, auch zwischen den Sektoren. Als funktionierendes Modell einer sektorenübergreifenden Versorgung hat sich in den vergangenen zwei Jahren STATAMED erwiesen, das als Innovationsfondsprojekt gestartet ist und nun als Selektivvertrag fortgesetzt wird: „Das Konzept funktioniert. Für uns war frühzeitig klar, dass wir das Versorgungsangebot aufrechterhalten wollen“, sagt Robert Hildebrandt, Geschäftsführer der Gesundheits-zentren Essen gGmbH in Essen-Stoppenberg.
Parallel dazu beginnt die Auswertung der in der Interventionsphase an sechs Standorten erhobenen Daten. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation werden im Herbst des kommenden Jahres erwartet. Schon jetzt ist die AOK Rheinland/Hamburg zufrieden mit dem Verlauf des Projekts und den Effekten, die durch das neue Angebot und die Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort erzielt wurden. „Der STATAMED-Standort in Essen hat in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, wie es gelingt, Lücken an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu schließen. Diesen Erfolg wollen wir langfristig in die Regelversorgung tragen“, sagt Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. „Unser Ziel ist, der wachsenden Zahl älterer Patientinnen und Patienten eine bedarfsgerechte, wohnortnahe medizinische und pflegerische Behandlung ohne längere Krankenhausaufenthalte zu ermöglichen, wenn eine akute ambulante Versorgung nicht ausreicht, aber auch kein Notfall vorliegt.“
In der STATAMED-Klinik steht eine ärztliche und pflegerische „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ bereit, bei der die Erkrankten in Abstimmung mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sowie dem häuslichen Umfeld behandelt werden. Nach der stationären Versorgung übernehmen mobile Pflegekräfte, sogenannte „Flying Nurses“, nach Bedarf bis zu vier Wochen lang die nachstationäre häusliche Versorgung. Damit das so gut funktioniert wie in Essen, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein – entscheidend sind die Vernetzung mit bestehenden Versorgungsstrukturen, insbesondere Hausarztpraxen, anderen Krankenhäusern, dem Rettungsdienst und Pflegeheimen. Darüber hinaus braucht es den Willen zur interdisziplinären Zusammenarbeit, ein hochqualifiziertes Team aus entsprechenden Fachkräften und perspektivisch eine Vergütungssystematik, in der ein Angebot wie STATAMED ohne Fördermittel auskömmlich finanzierbar ist. „Ohne Fördermittel geht es bei innovativen Angeboten, bei denen neue Strukturen und Ressourcen geschaffen werden müssen, noch nicht. Deshalb begrüßen wir das Engagement der AOK Rheinland/Hamburg“, sagt Hildebrandt.
In Essen wurden bis Ende 2025 1115 STATAMED-Patientinnen und Patienten mit akuten gesundheitlichen Problemen versorgt, deren Durchschnittsalter bei 76,9 Jahren lag. Die Verweildauer auf der Station betrug durchschnittlich etwa 4,2 Tage und damit unter den Vergleichswerten der Grund- und Regelversorgungskrankenhäuser. Ziel von STATAMED ist es, die Behandelten möglichst schnell wieder ins häusliche Umfeld zu entlassen. Über 70 Prozent der Versorgten kamen aus dem direkten Umfeld des Gesundheitszentrums im Essener Norden oder den umliegenden Stadtteilen, „wobei wir Zuweisungen aus dem ganzen Stadtgebiet hatten“, wie Hildebrandt betont. Häufigste Erkrankungen der versorgten Patientinnen und Patienten waren Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen von Magen-Darm oder Speiseröhre, Atemwegserkrankungen und Herzinsuffizienz.
In Essen gelangte gut die Hälfte der Behandelten per Einweisung über einen niedergelassenen Arzt oder eine Ärztin auf die STATAMED-Station, ein knappes Viertel durch Verlegung aus anderen Krankenhäusern, nur ein Zehntel aus der zentralen Notaufnahme des Mutterkrankenhauses (Marienhospital Gelsenkirchen). Wenige Patientinnen und Patienten kamen direkt per Rettungswagen oder aus Pflegeheimen beziehungsweise von ambulanten Pflegediensten. „Es ist sehr wichtig, den Einweisenden zu vermitteln, worin der Mehrwert der STATAMED-Station besteht. Sie ist keine Ausweichquartier für geriatrische Fälle“, sagt Hildebrandt.
Zukünftig werden ein ambulantes OP-Zentrum, zahlreiche Facharztpraxen und weitere Gesundheitsdienstleister in einem Neubau an der Von-Bergmann-Straße 2 das Angebot in Essen ergänzen:
„Das Gesundheitszentrum St. Vincenz ist als Innovationsprojekt gestartet und wird nach zweijähriger intensiver Erprobung jetzt weitergeführt. Das macht nicht nur ganz deutlich, dass das medizinische Angebot gut angenommen wird, es zeigt auch, dass wir im Essener Norden einen neuen Weg gegangen sind, der nun als Vorzeigemodell für weitere Städte dienen kann“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen. „In Essen gehen wir jetzt in die nächste Phase: in den Ausbau der geplanten weiteren gesundheitlichen Versorgung in unserem Gesundheitszentrum. Auch das ist in der guten Zusammenarbeit mit den Partnerinnen und Partnern des Projektes vor Ort nun möglich.“
Das Innovationsfondsprojekt „STATAMED“
Zum Projektkonsortium gehören neben der AOK Rheinland/Hamburg und der AOK Niedersachsen sechs Krankenhaus-Standorte und weitere Institutionen: Für die allgemeinmedizinische Schwerpunktsetzung und wissenschaftliche Prozessbegleitung sorgt das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE – Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin). Die externe Evaluation erfolgt durch das Hamburg Center für Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg und durch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH – Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin). Wirtschaftliche und regulatorische Fragestellungen rund um die Finanzierung und Vergütung begleitet das Institute for Health Care Business (hcb GmbH). Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein ist Projektpartner. Das Projekt wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über vier Jahre mit knapp elf Millionen Euro mitfinanziert.
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