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13.03.2020 – 10:08

dpa-Faktencheck

Experten haben keine Epidemie, sondern den Umgang damit geplant

Berlin (ots)

Die angebliche "Wahrheit über das Coronavirus" wird bei Facebook verbreitet: "Die Epidemie war in Deutschland bereits vor Jahren geplant!" Das lasse sich aus einer Risikoanalyse des Bundestags von 2013 schließen (http://dpaq.de/J0YEF).

BEWERTUNG: Das Robert Koch-Institut und weitere Behörden spielten 2012 in einer Risikoanalyse das Szenario einer Pandemie durch. Es handelt sich dabei um eine theoretische Analyse, nicht um eine konkrete Vorhersage - und schon gar nicht um eine geplante Epidemie.

FAKTEN: Im "Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012", der am 3. Januar 2013 vom Bundestag veröffentlicht wurde, werden unter anderem die Ergebnisse zweier Risikoanalysen dargestellt.

Laut Bericht ist das Ziel einer solchen Analyse, einen Überblick zu bekommen, welche Gefahren und Ereignisse mit welcher Wahrscheinlichkeit eintreten und wie groß der zu erwartende Schaden ist. "Die Risikoanalyse erfolgt auf fachlicher Basis. Sie ist als sachlich-nüchterne Bestandsaufnahme dessen zu verstehen, womit bei Eintreten unterschiedlicher Gefahren in Deutschland zu rechnen ist." (http://dpaq.de/ULHhi)

Eine der beiden Risikoanalysen bezieht sich auf eine Pandemie - eine sich schnell weltweit verbreitende Krankheit - durch den Erreger "Modi-Sars". Der Erreger ist hypothetisch, hat jedoch realistische Eigenschaften. "Die Wahl eines Sars-ähnlichen Virus erfolgte u. a. vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat", so der Bericht. Damit gemeint ist die Verbreitung der schweren Atemwegserkrankung Sars von November 2002 bis Juli 2003, an der nachweislich mehr als 8000 Menschen auf sechs Kontinenten erkrankten und knapp 800 starben. (http://dpaq.de/dnyD7)

Das durchgespielte Szenario der Risikoanalyse beschreibe ein "außergewöhnliches Seuchengeschehen", bei dem sich ein neuartiger Erreger verbreite (http://dpaq.de/vNZSG).

Die Analyse wurde von verschiedenen Behörden gemeinsam durchgeführt, die fachliche Leitung lag beim Robert Koch-Institut (RKI). Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -vorbeugung. "Zu den Aufgaben gehört der generelle gesetzliche Auftrag, wissenschaftliche Erkenntnisse als Basis für gesundheitspolitische Entscheidungen zu erarbeiten", schreibt das Institut auf seiner Seite (http://dpaq.de/cbxGi). Die Risikoanalyse ist eine Basis für politische Entscheidungen im Falle eines Eintretens - und keine Vorhersage.

Im Bericht lautet die Antwort auf die Frage, ob das Ereignis erwartet sei: "Das Auftreten von neuen Erkrankungen ist ein natürliches Ereignis, das immer wieder vorkommen wird. Es ist aber in der Praxis nicht vorhersehbar, welche neuen Infektionskrankheiten auftreten, wo sie vorkommen werden und wann dies geschehen wird. Daher ist eine spezifische Prognose nicht möglich." (http://dpaq.de/NjFnN)

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Links

Beitrag: https://www.facebook.com/DieScheinwelt/videos/612121809353787/ (archiviert: https://perma.cc/VK82-HU56)

Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/120/1712051.pdf (archiviert: http://dpaq.de/3dvfD)

Das Robert Koch-Institut (RKI): https://www.rki.de/DE/Content/Institut/institut_node.html (archiviert: http://dpaq.de/cbxGi)

RKI zur Verbreitung von Sars in den Jahren 2002/2003: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neue_Infektionskrankheiten/Globaler-Alarm.pdf?__blob=publicationFile

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