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Der Spielemacher
Ein Nachruf auf Paul Gauselmann

Der Spielemacher / Ein Nachruf auf Paul Gauselmann
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Espelkamp/Lübbecke (ots)

Paul Gauselmann, Gründer und über Jahrzehnte Vorstandsvorsitzender der Merkur Group, ist heute, kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahres verstorben. Der gebürtige Westfale baute nach dem Zweiten Weltkrieg aus einem Einmannbetrieb einen international tätigen Konzern mit rund 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro auf. 67 Jahre lang prägte er das Unternehmen, zusätzlich über Jahrzehnte als Interessenvertreter die deutsche Automatenwirtschaft insgesamt. 2003 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet, 2004 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Städte Espelkamp und Lübbecke. Paul Gauselmann hinterlässt seine Ehefrau Karin, vier Söhne, neun Enkel und sieben Urenkel.

Paul Gauselmann, Gründer und jahrzehntelanger charismatischer Lenker der Merkur Group, ist am 21. August im Alter von 91 Jahren verstorben. Ein Nachruf auf einen der letzten Patriarchen der Nachkriegszeit, einen mutigen Kämpfer mit großen Visionen, einen stolzen Vater, (Ur-)Großvater und Ehemann.

In der Konzernverwaltung an der Espelkamper Merkur-Allee und in den Produktionshallen an der Paul-Gauselmann-Straße in Lübbecke hat die Todesnachricht eine Schockwelle ausgelöst. Niemand in der Belegschaft will begreifen, dass PG - wie sie ihn respekt- und liebevoll nennen - nicht im nächsten Augenblick wie seit Jahrzehnten, in seiner, von ihm selbst gesteuerten Limousine vorfahren wird. Seine Präsenz ist überall noch deutlich zu spüren. Auch nach seinem Abschied aus der Konzernspitze im Jahr 2024 hat er es sich nicht nehmen lassen, noch eine lange Zeit dienstags und donnerstags ins Büro zu kommen, um das Tagesgeschäft zu begleiten.

67 Jahre hat er die Geschicke der Unternehmensgruppe bestimmt und den Einmannbetrieb zu einem international erfolgreichen Konzern mit rund 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro gemacht. Er war ein äußerst beliebter Firmenchef, ein begeisternder Anführer durch und durch. Auch als Konzernlenker nahm sich PG gerne Zeit für kurze Gespräche mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, egal welche Aufgabe sie im Unternehmen hatten. Ein anerkennendes Wort hier, eine interessierte Nachfrage dort - Paul Gauselmann begegnete ihnen stets mit Respekt. In seiner Zeit als Angestellter hatte er erlebt, wie wichtig Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe sind. Dieser Maxime blieb er sein Leben lang treu.

Er wurde 1934 in Borghorst bei Münster (Westfalen) geboren. Im Alter von nur zwei Jahren verlor er seine Mutter und wuchs fortan, getrennt von seinem Vater und seinen vier Brüdern, bei Verwandten in Münster auf. Als er fünf Jahre alt war, brach der Zweite Weltkrieg aus. Der junge Paul Gauselmann erlebte verheerende Bombenangriffe, ständige Angst und große Entbehrungen. Diese Erfahrungen lehrten ihn früh, zu improvisieren und sich durchzusetzen. In den langen Nächten, in denen er wegen des Fliegeralarms nicht schlafen konnte, lernte er zudem den Wert des Spiels kennen: "Da haben wir uns eben mit Spielen die Zeit und die Angst vertrieben", sagte er einmal.

1950 schloss er als Jahrgangsbester die Schule ab, begann eine Ausbildung zum Fernmelderevisor und wurde bald zum Leiter seiner eigenen Revisionsdienststelle befördert. 1956 wechselte er zu einer Coesfelder Automatenfirma, die Generalimporteur für amerikanische Wurlitzer-Musikboxen war. Nebenbei entwickelte er die erste Fernwahlbox für deutsche Musikboxen, die er dem Espelkamper Musikautomatenhersteller Harting präsentierte. Dort wurde er als technischer Mitarbeiter eingestellt und vier Jahre später, im Alter von 26 Jahren, zum Leiter der Entwicklungsabteilung Automaten befördert. So kam Paul Gauselmann mit seiner jungen Familie in seine Wahlheimat Espelkamp.

Paul Gauselmanns unerschöpfliche Schaffenskraft wurde gespeist durch seinen unbändigen Drang nach Unabhängigkeit. 1957 nahm er eine nebenberufliche Tätigkeit als selbstständiger Aufsteller von Musikautomaten auf, die 1964 in die vollständige Selbstständigkeit auch als Aufsteller von Geldspielgeräten in der Gastronomie mündete. Das gewerbliche Automatenspiel führte damals ein Schattendasein, abseits der breiten Öffentlichkeit. Das wollte er ändern: 1974 eröffnete der 40-Jährige nach den Standards eines Vier-Sterne-Hotels seine erste eigene Spielothek im niedersächsischen Delmenhorst. Sein erstes selbst entwickeltes Geldspielgerät, der "Merkur B", eroberte 1977 den deutschen Markt und war die Initialzündung für das stürmische Wachstum der Unternehmensgruppe. Es folgten unzählige weitere Eigenentwicklungen, hunderte Patente und der konsequente Sprung ins internationale Geschäft. Heute ist das von ihm erdachte Markenzeichen - die lachende Merkur Sonne - weltweit als Spiel- und Glücksspielsymbol beliebt. Reines Glück war sein Aufstieg jedoch nicht: "Ansonsten halte ich vom Glück nicht viel. Ich halte allerdings von Zufällen etwas, bei denen man zugreifen kann oder auch nicht", war stets sein Credo. Und das tat er, arbeitete hart, bewies Durchhaltevermögen und Willensstärke.

Neben dem eigenen Unternehmenserfolg hatte Paul Gauselmann stets das Wohlergehen der Automatenbranche insgesamt im Blick. Bereits in den 1960er-Jahren gestaltete er die Branchenpolitik in den Verbänden entscheidend mit und scheute dabei keine Konflikte. Er suchte die direkten Gespräche, wollte miteinander reden, statt übereinander - eine Strategie, die ihm Respekt verschaffte. Über 38 Jahre prägte er die Branche - 28 davon als Vorstandsvorsitzender des Verbands der Deutschen Automatenindustrie e.V. - und trug entscheidend zu ihrer Entwicklung zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig bei. Kollegen wie Mitbewerber erkennen neidlos an: "Ohne Paul Gauselmann wären wir nicht so weit gekommen."

Von den derzeit rund 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Merkur Group sind über 2.000 in Espelkamp und Lübbecke beschäftigt. Damit zählt das Unternehmen in der Wirtschaftsregion Minden-Lübbecke zu den bedeutendsten Arbeitgebern. Um den Fortbestand der Gruppe über viele Generationen zu sichern, wurden die Firmenanteile der gesamten Gauselmann-Familie 2016 in die Gauselmann-Familienstiftung eingebracht, die alleinige Eigentümerin der Merkur Group ist. Bis 2024 blieb Paul Gauselmann Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Er legte das Amt dann in die Hände seines Sohnes Michael Gauselmann, um damit ein deutliches Zeichen für den Fortbestand der Gruppe als Unternehmen mit familiären Wurzeln zu setzen.

"Ich habe zwei Pauls", sagte seine Ehefrau Karin Gauselmann einmal, denn er war mehr als "nur" ein Unternehmer: Er war Vater, Großvater, Urgroßvater und Ehemann. "Meine Familie ist privat und beruflich die wichtigste Säule in meinem Leben", wurde er nie müde zu betonen. Seine Ehefrau Karin lernte er 1967 im Winterurlaub kennen. Schon bald folgte ihm die gebürtige Berlinerin ins beschauliche Espelkamp, wurde seine wichtigste Vertraute und füllte die Lücke im Leben seiner drei Söhne Peter, Michael und Armin, die durch den Tod ihrer leiblichen Mutter entstanden war. 1969 wurde der gemeinsame Sohn Karsten geboren. Bis zuletzt lebte Paul mit Karin Gauselmann im gemeinsamen Haus auf dem Espelkamper Land, umgeben von der Natur, die er so sehr liebte. In der Kleinstadt zuhause, sah Paul Gauselmann auf unzähligen Kreuzfahrten die ganze Welt - und die ganze Welt sah ihn.

Wo immer er in seinem typischen dreiteiligen Anzug auftauchte, zog er Freunde und Bewunderer an, aber auch Kritiker und Neider. Paul Gauselmann selbst kannte keinen Neid. Von seinem Erfolg gab er immer etwas zurück und unterstützte zahlreiche Projekte aus den Bereichen Soziales, Kultur, Sport und Gesundheit. Zudem gründete er die gemeinnützige Paul Gauselmann-Stiftung, aus der später gemeinsam mit seiner Frau Karin die Paul und Karin Gauselmann-Stiftung wurde - in die sein gesamtes Privatvermögen und das seiner Frau Karin eingebracht wird. Sie wird sein Engagement über seinen Tod hinaus fortführen und damit einen Teil seiner großen Persönlichkeit unsterblich machen. Für seinen sozialen Einsatz wurde er 2004 von den Städten Espelkamp und Lübbecke mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet, 2003 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse durch den damaligen Bundespräsidenten.

Mit dem Erwerb des 500 Jahre alten, maroden Schlosses Benkhausen 2010, nur wenige Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt, setzte er sich in Espelkamp selbst ein Denkmal. Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten entstand hier ein modernes Schulungszentrum mit Hotelbetrieb; in einer alten Scheune auf dem Anwesen befindet sich das "Deutsche Automatenmuseum - Sammlung Gauselmann". Mit besonderem Engagement unterstützte er zudem Projekte der Gesundheitsvorsorge und Notfallversorgung im Kreis Minden-Lübbecke sowie Amateur- und Profivereine in verschiedenen Sportarten. Sein Herz schlug besonders für den Tennissport: Im heimischen Tennisverein Espelkamp-Mittwald e.V. engagierte er sich als Sponsor und Ehrenvorsitzender und war selbst als Mannschaftssportler aktiv. Ob auf dem Tennisfeld, in der Automatenbranche oder den zerstörten Straßen Münsters der Nachkriegszeit - in seinem bewegten Leben hat Paul Gauselmann viele Kämpfe geführt und blieb bis zum Schluss ungeschlagen.

Auch im hohen Alter zeigte sich der Vater von vier Söhnen, zu dessen Familie mittlerweile siebenUrenkel gehören, in seinem sozialen Engagement unermüdlich. So finanzierte er der Stadt Espelkamp nicht nur den Bau von zwei Kindergärten für rund sechs Millionen Euro, sondern spendete ihr, als sie unverschuldet in eine Haushaltsnotlage geriet, auch 8,7 Millionen Euro. Um die Nachbarstadt Lübbecke, in der das Produktionswerk der Merkur Group steht, nicht zu benachteiligen, bedachte er sie mit fünf Millionen Euro. Innerhalb weniger Monate hatte Paul Gauselmann der Allgemeinheit mit rund 20 Millionen Euro ausgeholfen. Als Unternehmer alter Schule hatte er stets sparsam gelebt; materieller Reichtum war nie die primäre Triebfeder seines Tuns. Er freute sich, wenn er Menschen helfen und die Region lebenswerter machen konnte - ob mit neuen Kindergärten, Feuerwehrfahrzeugen oder besserer medizinischer Versorgung.

Für alle, die ihn kannten, ist der Verlust noch nicht zu begreifen. Doch der Blick, das hätte Paul Gauselmann gewollt, ist zur Merkur Sonne gerichtet: "Wo meine Sonne scheint und wo meine Sterne stehen, da kann man der Hoffnung Glanz und der Freiheit Licht in der Ferne sehen", so heißt es in einem Lied von Caterina Valente, das ihn vom Anfang seiner Karriere als junger Musikboxenaufsteller bis zuletzt begleitet hat.

Nun heißt es, von Paul Gauselmann Abschied zu nehmen. Die Merkur Group mit all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verneigt sich respektvoll vor einer außergewöhnlichen Persönlichkeit in Demut und großer Dankbarkeit.

Pressekontakt:

Mario Hoffmeister M.A., Leiter Kommunikation
Tel.: 05772 / 49-281; Fax: -289
E-Mail: MHoffmeister@merkur.com
Mobil: 0171 / 9745712
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