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Mertesdorf prüft Nahwärmeversorgung aus Abwasser – regionale Wärme für die Zukunft

Mertesdorf prüft Nahwärmeversorgung aus Abwasser – regionale Wärme für die Zukunft
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Die Ortsgemeinde Mertesdorf treibt die Entwicklung einer klimafreundlichen und langfristig tragfähigen Wärmeversorgung voran. Aufbauend auf den Ergebnissen der kommunalen Wärmeplanung der Verbandsgemeinde Ruwer wird derzeit untersucht, ob die im Abwasser des zentralen Klärwerks Ruwer enthaltene Wärme als Wärmequelle für ein Nahwärmenetz genutzt werden kann. Ziel ist es, vorhandene lokale Wärmepotenziale zu erschließen und für die Versorgung von Wohn- und Gewerbegebäuden in Mertesdorf nutzbar zu machen.

Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung wurde das Potenzial der Abwasserwärmenutzung frühzeitig identifiziert. Um die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit des Vorhabens genauer zu bewerten, hat die Ortsgemeinde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie soll unter anderem klären, welche Wärmemengen aus dem Abwasser nutzbar sind, wie das Wärmenetz technisch ausgelegt werden kann und unter welchen Voraussetzungen ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist. Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz begleitet die Gemeinde beratend.

„Die kommunale Wärmeplanung zeigt uns, welche Chancen direkt vor Ort liegen. Jetzt wollen wir diese Chancen gemeinsam nutzen und daraus konkrete Lösungen für die Menschen in Mertesdorf entwickeln. Mit der Abwasserwärme machen wir uns auf den Weg von der Planung in die Umsetzung“, erklärt Michael Reuter, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Ruwer.

Schrittweise und flexibel erweiterbar

In einer ersten Ausbaustufe soll die Versorgung von weniger als 18 Gebäuden in unmittelbarer Nähe der vorgesehenen Heizzentrale untersucht werden. Zu den potenziellen Anschlussnehmern gehört auch ein größerer Wärmeabnehmer aus dem Hotelbereich.

Das Konzept soll so entwickelt werden, dass das Nahwärmenetz bei entsprechender technischer und wirtschaftlicher Eignung in weiteren Bauabschnitten schrittweise auf zusätzliche Bereiche der Ortsgemeinde erweitert werden kann. Perspektivisch könnte damit ein größerer Teil von Mertesdorf von der örtlich verfügbaren Wärmequelle profitieren.

Die Verbandsgemeindewerke beabsichtigen, das Wärmenetz künftig zu bauen und selbst zu betreiben. Damit könnten wichtige Entscheidungen über die weitere Entwicklung der Wärmeversorgung vor Ort getroffen und ein Teil der damit verbundenen Wertschöpfung in der Region gehalten werden.

„Ein kommunal getragenes Nahwärmenetz bietet uns die Chance, die Wärmeversorgung nicht nur klimafreundlicher, sondern auch regionaler zu gestalten. Statt fossile Energieträger von außerhalb einzukaufen, wollen wir eine Wärmequelle nutzen, die direkt vor unserer Haustür vorhanden ist. Gleichzeitig bleiben Entscheidungen über Betrieb, Investitionen und die weitere Entwicklung des Netzes stärker vor Ort. So kann aus der Wärmewende auch regionale Wertschöpfung entstehen“, erklärt Sebastian Schmitz, Werkleiter der Verbandsgemeinde Ruwer.

Wärme aus Abwasser: vorhandene Energie sinnvoll nutzen

„Das Prinzip ist ebenso einfach wie effizient: Abwasser steht ganzjährig zur Verfügung und weist ein vergleichsweise konstantes Temperaturniveau auf. Über einen Wärmetauscher wird dem Abwasser Wärme entzogen. Eine Wärmepumpe hebt diese Wärme anschließend auf das für Heizung und Warmwasser erforderliche Temperaturniveau an. Die so erzeugte Wärme kann anschließend über ein Nahwärmenetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt werden“, erläutert Paul Ngahan von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz.

Ein wesentlicher Vorteil der Abwasserwärme liegt in ihrer kontinuierlichen Verfügbarkeit. Anders als beispielsweise Solarenergie ist sie nur in geringem Maße von Wetter und Tageszeit abhängig. Für die Auslegung des Gesamtsystems sind jedoch unter anderem die tatsächlich verfügbare Wärmemenge, das Temperaturniveau des Abwassers, der Strombedarf der Wärmepumpe und der Wärmebedarf der angeschlossenen Gebäude entscheidend. Diese Faktoren werden im Rahmen der Machbarkeitsstudie näher untersucht.

Regionale Wärme statt fossiler Einzelheizungen

Für potenzielle Wärmekunden kann ein Nahwärmenetz mehrere Vorteile bieten. Die Wärme wird zentral erzeugt und über das Netz bis zu den angeschlossenen Gebäuden geliefert. Damit entfallen dort die eigene Wärmeerzeugung mit einem individuellen Heizkessel sowie die Beschaffung und Lagerung fossiler Brennstoffe.

Je nach Ausgestaltung des Betreibermodells können zudem Aufgaben wie Betrieb, Wartung, Instandhaltung und Störungsmanagement zentral organisiert werden. Für die Kunden kann dies den Aufwand für die eigene Wärmeversorgung deutlich reduzieren.

Die Nutzung von Abwasserwärme kann zudem die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und deren Preisentwicklung verringern. Eine Garantie für dauerhaft gleichbleibende Wärmepreise lässt sich daraus jedoch nicht ableiten: Auch bei einem solchen Wärmenetz wirken sich beispielsweise Stromkosten, Finanzierung, Betriebskosten und die Auslastung des Netzes auf den späteren Wärmepreis aus.

Wärmenetze bleiben eine wichtige Option der Gebäudemodernisierung

Mit dem seit Ende Juli 2026 geltenden Gebäudemodernisierungsgesetz setzt der Bund stärker auf Technologieoffenheit bei der Wahl des Heizsystems. Der Anschluss an ein Wärmenetz bleibt dabei eine mögliche Lösung für die zukünftige Wärmeversorgung von Gebäuden.

Darüber hinaus bestehen weiterhin Fördermöglichkeiten für den Anschluss an ein Gebäude- oder Wärmenetz. Welche Förderung im konkreten Fall in Anspruch genommen werden kann, hängt unter anderem von der Art des Gebäudes, den Eigentumsverhältnissen und den jeweils geltenden Förderbedingungen ab.

Wirtschaftlichkeit hängt von mehreren Faktoren ab

Ob das geplante Nahwärmenetz wirtschaftlich umgesetzt und betrieben werden kann, wird im Rahmen der laufenden Machbarkeitsstudie untersucht.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die Zahl der Gebäude, die sich tatsächlich an das Netz anschließen. Je mehr Wärme entlang einer möglichst kompakten Netztrasse abgenommen wird, desto besser können die Investitionen in Wärmeerzeugung und Leitungsinfrastruktur ausgelastet werden.

Weitere wichtige Faktoren sind unter anderem die Länge des Wärmenetzes, der Wärmebedarf und die Lastprofile der angeschlossenen Gebäude, die nutzbare Wärmeleistung des Abwassers, die Effizienz und der Strombedarf der Wärmepumpe, die Investitions- und Tiefbaukosten, die Finanzierung sowie mögliche Fördermittel.

Die Ortsgemeinde setzt deshalb bewusst auf eine schrittweise Projektentwicklung. Erst auf Grundlage der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen die nächsten Entscheidungen über Ausgestaltung, Ausbau und wirtschaftliche Umsetzung getroffen werden.

Chance für Mertesdorf und die Region

Mit der Untersuchung der Abwasserwärmenutzung beschreitet Mertesdorf einen zukunftsorientierten Weg der kommunalen Wärmeversorgung. Statt eine bislang ungenutzte Wärmeressource ungenutzt abzuführen, soll geprüft werden, ob sie vor Ort für die Versorgung von Gebäuden eingesetzt werden kann.

Gelingt es, technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und eine ausreichende Anschlussbereitschaft miteinander zu verbinden, kann aus dem Projekt eine klimafreundliche und regional verankerte Wärmeversorgung entstehen. Gleichzeitig könnte Mertesdorf damit wichtige Erfahrungen sammeln, von denen auch andere Kommunen mit vergleichbaren Voraussetzungen profitieren können.

Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
Ansprechpartnerin:
Sabine Werle / Pressereferentin
Tel.: 0631 - 34371-173
sabine.werle@energieagentur.rlp.de

Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz im Internet:
 www.energieagentur.rlp.de
 www.earlp.de/linkedin
 www.facebook.com/energie.rlp
Amtsgericht Kaiserslautern HRB 31374 | USt-IdNr. DE284314949
Geschäftsführung: Johannes Kletting | Prokuristin: Christina Kaltenegger-Braun | Vorsitzender AR: Daniel Stich, Staatssekretär
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