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Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI)

Forschung erklärt die Faszination des Feuerwerks
Warum berührt Feuerwerk Menschen eigentlich so tief? Antworten darauf liefern Emotionsforschung, Wahrnehmungspsychologie und Ritualforschung.

Ratingen (ots)

Warum berührt Feuerwerk Menschen eigentlich so tief? Antworten darauf liefern Emotionsforschung, Wahrnehmungspsychologie und Ritualforschung. Sie zeigen: Feuerwerk ist weit mehr als ein optischer Effekt. Es ist ein multisensorisches, ästhetisches und kollektives Erlebnis, das Staunen auslöst und Gemeinschaft stiftet.

Feuerwerk spricht mehrere Sinne zugleich an: Licht und Farbe, Klang und Rhythmus, Geruch, Atmosphäre und sogar körperlich spürbare Druck- und Schwingungseffekte. Gerade dieses Zusammenspiel macht seine besondere Wirkung aus.

Aus Sicht der Emotionsforschung lässt sich diese Faszination gut mit dem Konzept des "Awe" beschreiben. Das versteht sich als wissenschaftliche Beschreibung von Phänomenen wie Staunen, Ehrfurcht und tiefer Beeindruckung.

Der Psychologe Dacher Keltner zählt zu den prägenden Forschern auf diesem Gebiet. In seiner grundlegenden Arbeit mit Jonathan Haidt wird "Awe" (also tief beeindrucktes, ehrfürchtiges Staunen) durch zwei Kernelemente beschrieben: wahrgenommene Größe und das Gefühl, dass ein Erlebnis den gewohnten Deutungsrahmen übersteigt. Genau das geschieht bei Feuerwerk: Der Himmel wird zur Bühne, der Moment ist größer als der Alltag, und Menschen erleben etwas, das sie für Augenblicke aus dem Gewöhnlichen heraushebt. "Feuerwerk ist ein Feuerwerk für die Sinne - und genau darin liegt seine emotionale Kraft", erklärt VPI-Vorsitzender Thomas Schreiber. "Wer Feuerwerk erlebt, sieht nicht nur Lichteffekte. Er hört, riecht und spürt es - und erlebt es gemeinsam mit anderen."

Neuere Forschungen zum Staunen stützen diese Einordnung. Arbeiten aus dem Umfeld von Virginia Sturm an der University of California, San Francisco, beschreiben das "ehrfürchtige Staunen" als positive Emotion, die Selbstfokussierung verringern, soziale Verbindung stärken und prosoziale Gefühle fördern kann. Gerade für Silvester ist das relevant: Feuerwerk wird selten nur individuell erlebt, sondern meist als geteilter Moment - in Familien, Nachbarschaften oder auf öffentlichen Plätzen.

Ausnahmeerlebnis mit vielen Facetten

Dass Feuerwerk so intensiv wirkt, lässt sich auch mit Erkenntnissen der Wahrnehmungsforschung erklären. Der Oxford-Forscher Charles Spence untersucht seit Jahren, wie das Gehirn Reize aus Sehen, Hören, Tasten, Riechen und anderen Sinneskanälen zu dichten Gesamteindrücken verbindet. Genau deshalb ist Feuerwerk nicht bloß Licht und Klang, sondern ein räumliches Erlebnis. "Feuerwerk ist kein zweidimensionales Bild, sondern ein Gesamterlebnis in Raum und Zeit", so Richard Eickel, VPI-Vorstand. "Es spricht Auge, Ohr, Atmosphäre und Körperwahrnehmung gleichzeitig an. Das erklärt, warum es emotional so dicht wirkt, und warum es mit Drohnen- oder Lichtshows nicht einfach gleichgesetzt werden kann."

Die Forschung zu ästhetischen Emotionen, etwa bei Winfried Menninghaus, beschreibt Erleben wie Faszination, Ergriffenheit und Gefühle von Transzendenz als emotional wertvoll in sich selbst. Genau darin liegt ein Teil der besonderen Qualität des Feuerwerks: Es wird nicht nur betrachtet, sondern als intensiver Moment erlebt.

Hinzu kommt seine soziale Bedeutung. Der Anthropologe Dimitris Xygalatas forscht zu Ritual, Kooperation und sozialem Zusammenhalt. Seine Arbeiten zeigen, dass Rituale Gemeinschaft stiften und Emotionen synchronisieren können. Silvester ist ein solcher ritualisierter Übergang: Menschen zählen gemeinsam herunter, richten ihren Blick auf denselben Moment und markieren zusammen den Wechsel vom alten ins neue Jahr.

Darauf weist inzwischen selbst die kulturvergleichende Emotionsforschung hin: In einer Berkeley-Meldung zu kulturübergreifenden Gefühlsausdrücken wird Feuerwerk ausdrücklich als typischer Auslöser von "Awe" genannt; in der Veröffentlichung heißt es, dass Ausdrücke von "Awe" in allen untersuchten Weltregionen häufiger bei Videos mit Feuerwerk auftraten. Das ist ein bemerkenswerter Hinweis darauf, dass Feuerwerk kulturübergreifend mit Staunen und Beeindruckung verbunden ist. "Die Wissenschaft zeigt: Feuerwerk ist nicht nur Tradition, sondern ein menschlich sehr gut erklärbares Ausnahmeerlebnis", sagt Michael Kandler, VPI-Vorstand. "Es verbindet multisensorische Wahrnehmung, ästhetische Intensität und gemeinschaftliches Erleben zu einem Moment, der Menschen aus gutem Grund berührt."

Weiterführende Informationen / Quellen:

Sturm, V. E. et al. (2022): Big smile, small self: Awe walks promote prosocial positive emotions in older adults.

Cowen, A. S. et al. (2021): Sixteen facial expressions occur in similar contexts worldwide.

Menninghaus, W. et al. (2019): What Are Aesthetic Emotions?

Xygalatas, D. (2019): Do rituals promote social cohesion? A Methodological Introduction to Key Empirical Studies.

Keltner, D.; Haidt, J. (2003): Approaching awe, a moral, spiritual, and aesthetic emotion.

Spence, C.: Forschung des Crossmodal Research Laboratory, University of Oxford, (übergreifender Forschungsbezug zur multisensorischen Wahrnehmung)

Zum Verband IDer Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist der Zusammenschluss von 23 (teils assoziierten) Mitgliedsunternehmen aus Deutschland. Der VPI betreut Hersteller von Silvester-, Groß- und Bühnenfeuerwerken sowie Hersteller von pyrotechnischer Munition aus dem gesamten Bundesgebiet.

Pressekontakt:

Klaus Gotzen - Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) - An der Pönt 48, 40885 Ratingen - Telefon: 02102 / 186 200, E-Mail: info@feuerwerk-vpi.de

Original-Content von: Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), übermittelt durch news aktuell

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