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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Kritische Rohstoffe aus Hessen - Bohrkern-Analysen zeigen vielversprechende Ergebnisse für Kupfervorkommen

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PRESSEMITTEILUNG

Kritische Rohstoffe aus Hessen

Bohrkern-Analysen zeigen vielversprechende Ergebnisse für Kupfervorkommen

Ohne sie steht die Wirtschaft still – und unser Alltag auch: Kupfer für Stromnetze, E-Autos und Handys, Lithium für Akkus und erneuerbare Energien. Solche so genannten „kritischen Rohstoffe“ sind unverzichtbar für die Energiewende, die Digitalisierung und die Mobilität von morgen. Noch ist Europa fast vollständig von Importen abhängig – mit allen Risiken für Versorgungssicherheit und Preise. Daher ist Hessen aktiv geworden: In einem einzigartigen Projekt wurden hessische Bohrkerne in Schweden analysiert, um Vorkommen von Kupfer im Untergrund zu erkunden. Dafür hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) dem Unternehmen GreenX Metals Bohrkerne aus dem Richelsdorfer Gebirge zur Verfügung gestellt. Die Untersuchungen sollten Aufschluss darüber geben, ob dieser Standort zur einer unabhängigeren Versorgung Europas mit wichtigen Rohstoffen wie Kupfer beitragen kann.

Nun gibt es erste vielversprechende Ergebnisse: Wie die Analysen der ausgeliehenen Bohrkerne zeigen, liegen die Kupfergehalte über dem für einen wirtschaftlichen Abbau erforderlichen Mindestgehalt von einem Prozent. Dies bestätigt das Potenzial Hessens als Standort für die Gewinnung von Kupfer und unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Behörden und Wirtschaft.

Neubewertung historischer Daten

Neben der Neuauswertung vorhandener Probenmaterialien führt GreenX Metals umfangreiche Archivrecherchen durch – unter anderem in den USA – um auf Basis historischer Gewinnungsdaten ein präziseres Bild des bereits erschlossenen Vorkommens zu erhalten. Die systematische Aufbewahrung der Kupferschiefer-Bohrkerne durch das HLNUG wurde von GreenX Metals dabei als „besonders vorausschauend“ gewürdigt. Die Bereitstellung dieser Kerne für die Neubewertung stößt auf große Anerkennung: „Eine so gute Zusammenarbeit haben wir in keinem anderen Land erlebt“, betont das Unternehmen. Die Proben stammen aus 46 Bohrungen, die in den 1970er und 1980er Jahren bis in 500 Meter Tiefe niedergebracht wurden, um das Kupfervorkommen in der Region zu erkunden. „Bereits damals haben unsere Vorgänger die Bedeutung dieser Proben erkannt“, erklärt Dr. Gabriele Aderhold, Leiterin der Abteilung Geologie beim HLNUG. „Deshalb wurden die Bohrkerne sorgfältig archiviert, um sie für spätere Forschungen verfügbar zu halten.“ Nun, mehr als 40 Jahre später, kommen sie für moderne Analyseverfahren wieder zum Einsatz. Die Kosten zur Gewinnung eines vergleichbaren Probenumfangs würden sich Schätzungen zufolge heute auf rund 25 Millionen Euro belaufen.

Wissenschaftlicher Austausch und nächste Schritte

Die Ausleihe der Bohrkerne mit einer Gesamtlänge von mehr als vier Kilometern und einem Gewicht von rund 50 Tonnen wurde vom HLNUG mit großer Sorgfalt über drei Monate lang vorbereitet und vertraglich abgesichert. Die gewonnenen Daten fließen vollständig an das HLNUG zurück und verbessern die Beratungskompetenz in Bezug auf eines der bedeutendsten Kupferschiefer-Vorkommen Deutschlands.

Im Rahmen des wissenschaftlichen Austauschs zwischen Behörde und Unternehmen wurde auch die Genese des Kupferschiefer-Vorkommens diskutiert: Erste Hypothesen deuten darauf hin, dass das Vorkommen im Bereich der mitteldeutschen Kristallinschwelle mit dem Auftreten ehemaliger Thermalwässer in Verbindung stehen könnte. Diese Erkenntnisse tragen zu einem neuen Verständnis der Geologie und der Lagerstättenbildung in der Region bei.

In den kommenden Wochen wird GreenX Metals die restlichen Bohrkerne an das HLNUG zurückgeben und zusätzlich neue Probenstücke im Bohrkernlager sichten. Zudem werden dem HLNUG sämtliche analysierte Daten zur Verfügung gestellt, um die weitere Forschung zu unterstützen. Ein besonderer Höhepunkt steht bereits fest: Ein Vertreter des Unternehmens wird auf der Ressourcenkonferenz des HLNUG im Herbst einen Vortrag halten – mit dem Schwerpunkt Kupfer als kritischer Rohstoff für die Zukunft.

Win-Win-Situation für Hessen

Für das HLNUG sind die Ausleihe der Bohrkerne und der intensive Austausch mit dem Unternehmen von großem Nutzen: „Wir erhalten nicht nur neue Daten, sondern auch ein vertieftes Verständnis der Proben und der regionalen Geologie“, sagt Sven Rumohr, Leiter des HLNUG-Dezernats Rohstoffe und Geoenergien. Die Zusammenarbeit zeige, wie durch die Kombination von historischer Datengrundlage, moderner Analysetechnik und internationaler Expertise neue Perspektiven für die Rohstoffgewinnung in Hessen entstehen.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass Hessen als Standort für die nachhaltige und wirtschaftliche Gewinnung von Kupfer an Bedeutung gewinnt. Die weiteren Schritte werden zeigen, inwieweit das identifizierte Potenzial in konkrete Projekte münden kann.

Hintergrund: Warum Kupfer aus Hessen?

Kupfer ist ein Schlüsselrohstoff für die Energiewende und Zukunftstechnologien. Der Bedarf an Kupfer steigt stetig, und um die Abhängigkeit Europas von Drittstaaten wie China zu verringern, hat die Europäische Union im Jahr 2024 eine Verordnung zur Versorgung Europas mit kritischen Rohstoffen (englisch: Critical Raw Materials Act, CRMA) verabschiedet. In Folge dieser Verordnung beginnen europaweit und auch in Deutschland Explorationskampagnen auf verschiedene Rohstoffe. In Deutschland konzentrieren sich die Bemühungen derzeit auf Kupferschiefer und Lithium.

Der CRMA und seine Bedeutung für Hessen

Der Critical Raw Materials Act (CRMA) der EU ist ein zentrales Gesetz, das die Versorgung Europas mit kritischen Rohstoffen sichern soll. Er definiert, welche Rohstoffe – wie Kupfer, Lithium oder Seltene Erden – für die europäische Wirtschaft und die Energiewende unverzichtbar sind. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Importen zu verringern, indem der Abbau, das Recycling und die Verarbeitung dieser Rohstoffe innerhalb der EU gestärkt werden. Für Hessen bedeutet das: Neue Chancen, um eigene Vorkommen zu erschließen, Wertschöpfungsketten aufzubauen und sich als Standort für nachhaltige Rohstoffgewinnung zu positionieren – und damit Arbeitsplätze und Innovationen zu fördern.

Weitere Informationen:

hlnug.de/themen/geologie/rohstoffe

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie
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