Historiker Dan Diner übernimmt die Kasseler Rosenzweig-Professur 2026
Historiker Dan Diner übernimmt die Kasseler Rosenzweig-Professur 2026
Die Universität Kassel beruft zum Sommersemester 2026 den Historiker Prof. Dr. Dan Diner auf die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur. Diner zählt zu den profiliertesten Zeithistorikern im Bereich der jüdischen Geschichte in globalhistorischer Perspektive sowie der allgemeinen Geschichte. Seine öffentliche Antrittsvorlesung zum Thema „Ein jüdischer Wertekonflikt 1948: Zwischen nationaler Territorialität und internationalem Rechtsschutz“ hält er am 27. Mai um 18 Uhr im Gießhaus der Universität Kassel.
„Mit Professor Diner gewinnt die Rosenzweig-Gastprofessur eine Persönlichkeit, die die intellektuelle Weite und dialogische Haltung verkörpert, für die Franz Rosenzweig stand“, so die Vorsitzende der Findungskommission, Prof. Dr. Martina Sitt. „Sein Werk bietet essenzielle Impulse für ein historisches Denken, das die Gegenwart versteht, ohne die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts aus dem Blick zu verlieren.“
Im Rahmen der Rosenzweig-Gastprofessur macht Diner deutlich, wie die jüdische Erfahrungsgeschichte zentrale historische Fragen erhellt – und warum sich die Geschichte der Juden als Seismograph der Moderne lesen lässt. Zudem wird er an der Universität Kassel Seminare zu Themen wie „Schütterzonen: Imperien in Nationalstaaten – Vom östlichen Europa nach Westasien“ und „Zwei Prozesse (1921/1927): Zur Frühgeschichte der UN-Genozid-Konvention 1948“ halten.
Biografisch verbindet Diner einiges mit Hessen: So erlangte er das Abitur in Schlüchtern und studierte Rechts- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität zu Frankfurt a.M., wo er auch promoviert wurde und sich habilitierte. In den späten 1970er-Jahren nahm er eine Gastprofessur in den frühen Jahren der Universität Kassel wahr.
Diners Werk verbindet Ereignisgeschichte mit gedächtnisgeschichtlichen Zugängen und konzentriert sich auf Bruchlinien der Moderne, wobei deutsche und europäische Geschichte sowie die Geschichte des Vorderen Orients zu seinen zentralen Forschungsbereichen gehören. Unter seinen vielfältigen Publikationen ragt die Herausgeberschaft der siebenbändigen „Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur“ heraus. Der emeritierte Professor für Moderne Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem war von 1999 bis 2014 Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur und Professor am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Zuvor lehrte er an den Universitäten Essen und Tel Aviv und nahm Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte unter anderem in Oxford, Princeton, Stanford, Chicago, Uppsala und Luzern wahr. Er ist Ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Indem Diner den Holocaust als „Zivilisationsbruch“ bestimmte, prägte er einen zentralen Begriff der deutschen Erinnerungskultur.
Hintergrund:
Mit der Gastprofessur erinnert die Universität Kassel an das Werk und Vermächtnis des aus Kassel stammenden jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886-1929). Die Gastprofessur wird seit 1987 jeweils zum Sommersemester verliehen und dient der Vergegenwärtigung der durch den Nationalsozialismus weitgehend zerstörten Kultur des europäischen Judentums sowie der Auseinandersetzung mit der jüdischen Gegenwart.
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