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Warum boomt Fantasy- und Science-Fiction-Literatur in China?

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Warum boomt Fantasy- und Science-Fiction-Literatur in China?

  • Fantasy- und Science-Fiction zählen derzeit zu den wichtigsten populären Unterhaltungsmedien in China. Digitale Plattformen und Fangemeinden treiben den Boom ebenso voran wie die enorme Kommerzialisierung des Genres.
  • Die Genres eröffnen neue Denk- und Interpretationsräume in einem stark zensierten Mediensystem und ermöglichen es, gesellschaftliche Tabus und alternative Geschichtsbilder indirekt zu verhandeln.
  • Seit 2024 arbeitet Juniorprofessorin Dr. Jessica Imbach am Institut für Sinologie der Universität Freiburg. Zu ihrer Forschung an chinesischer Fantasy- und Science-Fiction-Literatur steht sie für Medienanfragen gerne zur Verfügung.

Jun.-Prof. Dr. Jessica Imbach erforscht, warum Fantasy- und Science-Fiction-Literatur in China derzeit so beliebt ist. In ihrem Projekt „SINOFANTASY“, das seit 2025 vom Europäischen Forschungsrat mit einem Starting Grant gefördert wird, untersucht sie mit ihrem Team, wie die Begeisterung für diese Genres in einem wirtschaftlich liberalen, politisch aber autoritären Umfeld entstehen und wachsen konnte. Neben der Analyse ausgewählter Romane nimmt die Sinologin dabei die Digitalisierung des Literaturmarkts, die Rolle von Online-Communitys und neue Formen von Autorschaft in den Blick.

Frau Imbach, was macht die Forschung zu Fantasy- und Science-Fiction-Literatur aus China gerade so spannend?

In China bewegt sich rund um Fantasy und Science-Fiction derzeit enorm viel – nicht nur literarisch, sondern auch kulturindustriell und medienpolitisch. Die Genres haben sich zu einer der wichtigsten populären Unterhaltungsformen entwickelt.

Gleichzeitig sind die beiden Genres sehr divers. Es gibt bereits unzählige Subgenres, die ideologisch weit auseinanderliegen. Neben sehr konservativen, auch misogynen Erzählformen existieren zum Beispiel auch queer-feministische Texte.

Kann die Analyse chinesischer Fantasy- und Science-Fiction-Literatur das Verständnis des autoritären Regimes in China unterstützen?

Man muss hier zunächst vorsichtig sein: Chinesische Fantasy- und Science-Fiction-Literatur ist kein direkter Spiegel der Wirklichkeit. Das Feld ist extrem divers – wenn wir wirklich alles lesen würden, würden wir vermutlich nicht ein China kennenlernen, sondern tausend unterschiedliche Chinas.

Trotzdem kann Fantasy- und Science-Fiction-Literatur, gerade angesichts der im Land stark ausgeprägten Medienzensur, sehr aufschlussreich sein. Die Texte eröffnen wichtige Diskurs- und Denkräume, um alternative Geschichtsentwürfe zu entfalten oder Tabuthemen allegorisch zu verhandeln. Werke können zum Beispiel Fragen von Macht, Geschichte, Geschlechterrollen oder sozialer Normierung in verfremdeten Formen reflektieren – und so zum Beispiel Zukünfte entwerfen, in denen keine kommunistische Partei existiert oder Frauen nicht heiraten und Kinder bekommen. Diese textliche Vielfalt ermöglicht es, den Blick auf China jenseits gängiger politischer Schlagzeilen zu erweitern.

Wie werden diese Genres heute vor allem rezipiert – als klassisches Buch oder digital?

Die meisten Romane werden tatsächlich digital gelesen. Außerdem haben sich viele Online-Foren herausgebildet, über die sich Leser*innen zu ihren Lieblingsautor*innen oder Subgenres austauschen können. Was wir im Westen in Form von BookTok kennen, gibt es in China schon seit mehreren Jahren. Los ging es damit, dass vereinzelte Personen begonnen haben, ihre selbst geschriebenen Texte im Internet zu veröffentlichen.

Das hat sich bis heute bestimmt verändert…

Ja, heute gibt es einen großen Markt für beide Genres, die zudem auch stark kommerzialisiert werden. Ein Beispiel dafür ist, dass Fantasy-Autor*innen pro Kapitel bezahlt werden und so auf Literaturplattformen unendlich lange Texte entstehen.

Der überwiegend digitalisierte Buchmarkt öffnet zudem neue Formen von Autor*innenschaft – gerade in Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Auch diese Aspekte werden wir im Rahmen unseres Projekts untersuchen.

Jessica Imbach steht für Medienanfragen gerne zur Verfügung.

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