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Otto-Friedrich-Universität Bamberg

PM: Studie zur Trinkbrunnen-Nutzung

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Studie: Warum öffentliche Trinkbrunnen ungenutzt bleiben

Forschende der Universität Bamberg zeigen zum Hitzeaktionstag 2026, wie sich die Nutzung öffentlicher Trinkwasserangebote steigern lässt

Deutschland hat in der vergangenen Woche die ersten Hitzetage des Jahres erlebt: In vielen Städten kletterten die Temperaturen zuletzt auf 30 Grad und mehr. Wer unterwegs ist, sucht Schatten, Abkühlung – und Trinkwasser. Öffentliche Trinkbrunnen können dabei helfen, Menschen mit Wasser zu versorgen. Doch viele bleiben ungenutzt. Zum bundesweiten Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 weisen Forschende der Otto-Friedrich-Universität Bamberg auf dieses oft unterschätzte Problem hin. Ob Trinkbrunnen tatsächlich genutzt werden, hängt nämlich nicht allein von ihrer Verfügbarkeit ab. Die Forschenden haben untersucht, welche psychologischen Faktoren mit der Nutzung zusammenhängen, und ob sich diese erhöhen lässt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Water erschienen.

Die Studie setzt an einem psychologischen Schutzmechanismus an, der potenzielle Krankheitserreger früh erkennen und meiden soll. „Unser Schutzsystem ist darauf ausgelegt, Erkrankungsrisiken in wechselnden Umgebungen schnell einzustufen. Es ist im Alltag überlebenswichtig und schützt vor unbekannten Risiken, weil es uneindeutige Situationen als mögliche Gefahr einstuft. Der Preis dafür ist, dass es manchmal auch sichere Quellen meidet, wenn sie nicht eindeutig als sicher erkennbar sind", erklärt Robert Bruckmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie. In einer quotenrepräsentativen Befragung mit 1.095 Personen gaben rund 60 Prozent der Teilnehmenden an, in Deutschland noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen genutzt zu haben. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang mit Bedenken wegen möglicher Verunreinigungen.

Feldexperiment in Bamberg: Hinweisschilder erhöhen die Nutzung

Die Studie untersuchte auch, ob Hinweisschilder Uneindeutigkeit auflösen können, indem sie die Sicherheit des Brunnens explizit kommunizieren. Für ein Feldexperiment beobachteten die Forschenden vier Trinkbrunnen in Bamberg unter Realbedingungen in insgesamt 14.128 Nutzungssituationen. Jeder Brunnen wurde dabei mit und ohne Schild beobachtet und diente so als eigene Vergleichsgrundlage, während Wetter und Umgebungstemperatur konstant gehalten wurden. War ein Schild angebracht, das über die Sauberkeit informierte und den Brunnen klar erkennbar als sicher auszeichnete, war die Chance auf direktes Trinken um 82 Prozent und auf Abkühlverhalten um 37 Prozent höher.

Zeitreihenanalysen deuten zudem darauf hin, dass Hinweisschilder eine unabhängigere und stärker selbstinitiierte Nutzung fördern. Menschen müssen sich dann seltener darauf verlassen, dass andere Personen durch ihre eigene Nutzung die Unbedenklichkeit der Trinkwasserquelle signalisieren. „Trinkbrunnen können technisch einwandfrei sein und trotzdem ungenutzt bleiben, wenn man ihnen die Sicherheit nicht ansieht. Städte und Kommunen investieren Zeit und Geld in die öffentliche Trinkwasserinfrastruktur – wichtig ist jedoch nicht nur, mehr Brunnen zu bauen, sondern auch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sicherzustellen", sagt Prof. Dr. Philipp Sprengholz, Mitautor der Studie und Inhaber der Juniorprofessur für Gesundheitspsychologie.

Bedeutung für Gesundheitsschutz und Stadtplanung

Niedrigschwelliger Zugang zu öffentlichem Trinkwasser gilt als wichtige Anpassung an Hitzebelastung und ist zugleich durch die EU-Trinkwasserrichtlinie (2020/2184) vorgegeben. Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass das Vorhandensein technisch sicherer Brunnen allein nicht genügt: Menschen müssen sichere und kontrollierte Wasserquellen ohne große Umstände als solche erkennen können. Die Forschenden empfehlen, psychologische Faktoren bereits in der Planung zu berücksichtigen; etwa durch kontaktlose Nutzungsmodi, Hinweise auf Wartung und Hygiene sowie eine klar erkennbare Kennzeichnung als Trinkwasserquelle.

Publikation: Bruckmann, R.W., Sprengholz, P. Understanding and addressing contamination aversion in the use of drinking fountains. Nat Water 4, 36–43 (2026). https://doi.org/10.1038/s44221-025-00540-6

Weitere Informationen für Medienvertreterinnen und -vertreter:

Kontakt für inhaltliche Rückfragen:
Prof. Dr. Philipp Sprengholz
Juniorprofessor für Gesundheitspsychologie
Tel.: 0951/863-1857philipp.sprengholz@uni-bamberg.de"/>
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Medienkontakt:
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