Universitätsklinikum Essen AöR
Mobile Learning im Medizinstudium: Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
Mobile Learning im Medizinstudium: Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
Die Digitalisierung verändert das Medizinstudium grundlegend. Digital unterstütztes mobiles Lernen (mLearning) bietet die Möglichkeit, flexibel und praxisnah auf Wissen in klinischer Umgebung zugreifen zu können. Eine kürzlich in „Medical Teacher“ erschienene Übersichtsarbeit analysiert die Erfolgsfaktoren und Hürden bei der Einführung von mLearning in der medizinischen Ausbildung und liefert einen praxisorientierten Leitfaden für Hochschulen, Lehrende und Entscheidungsträger:innen. Ermöglicht wurde die Studie durch das Erasmus+ 4D-Projekt, an dem Forschende der Medizinischen Fakultäten in Duisburg-Essen, Mataro in Spanien und Lublin in Polen beteiligt sind.
Die Analyse von 76 internationalen Studien zeigt sechs zentrale Erfolgsfaktoren für den Einsatz digital unterstützten mobilen Lernens. Dazu zählen unter anderem eine verbesserte Organisation der Ausbildung, gesteigerte Lernqualität, positive Effekte auf die Versorgung von Patient:innen sowie eine intensivierte Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden.
Hürden und Herausforderungen
Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass der erfolgreiche Einsatz von mLearning mit Herausforderungen verbunden ist. Zu den identifizierten Hürden zählen fehlende institutionelle Richtlinien, technische Einschränkungen, Datenschutz- und Sicherheitsbedenken sowie mangelnde digitale Kompetenzen bei Studierenden und Lehrenden. Darüber hinaus zeigen sich zusätzliche Barrieren wie generationsbedingte Unterschiede im Umgang mit digitalen Technologien und institutionelle Widerstände, die auf traditionelle Lehr- und Organisationskulturen zurückzuführen sind.
Großes Potenzial – wenn die Rahmenbedingungen stimmen
„Digital unterstütztes mobiles Lernen hat das Potenzial, die Ausbildung in klinischen Umgebungen nachhaltig zu verbessern. Sie ermöglichen Zugang zu Wissen in Echtzeit, Flexibilität im klinischen Lernkontext und verstärkte Zusammenarbeit im Team, was die Qualität des Studiums nachhaltig unterstützen kann“, erklärt Prof. Stephanie Herbstreit. „Gleichzeitig müssen technische, organisatorische und ethische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, damit mLearning langfristig erfolgreich eingesetzt werden kann.“
Dreistufiger Implementierungsansatz
Als zentrales Ergebnis schlagen die Autor:innen einen dreistufigen Implementierungsansatz vor, der von der sorgfältigen Gestaltung digitaler Innovationen über deren strukturierte Einführung bis hin zur nachhaltigen Nutzung und kontinuierlichen Weiterentwicklung reicht. Die Implementierungsprozesse sollten inklusiv und partizipativ gestaltet werden, indem Studierende, Lehrende und Entscheidungsträger:innen gemeinsam Strategien entwickeln. Neben technologischen Investitionen gehören dazu vor allem Schulungen, Coaching-Programme und eine unterstützende Infrastruktur, um die Akzeptanz und effektive Nutzung von mLearning dauerhaft zu sichern.
mLearning:
Mit mLearning wird ein lernortunabhängiges, kontextbezogenes Lernen bezeichnet, das soziale Interaktionen, den aktiven Austausch von Inhalten und die Nutzung persönlicher elektronischer Geräte als zentrales Medium für den Fernunterricht integriert. Dabei setzen Studierende – sogenannte mLearner – Bildungstechnologien über mobile Endgeräte nach eigenem Ermessen ein.
Über das 4D-Projekt:
Im Erasmus+ 4D-Projekt haben die Lehrforschenden einen dreiphasigen Mixed-Methods-Ansatz verfolgt. In einer ersten Phase wurden mittels Fokusgruppen und Literaturanalysen Bedarfe, Kontextfaktoren sowie Barrieren und förderliche Bedingungen identifiziert. Darauf aufbauend werden in einem ko-kreativen Prozess gemeinsam mit der Zielgruppe passgenaue mobile Anwendungen entwickelt. In einer dritten Phase wurden diese Anwendungen in Praxisumgebungen pilotiert und hinsichtlich Usability, Lernergebnissen, Kommunikationsprozessen, Nutzerverhalten und regulatorischer Anforderungen evaluiert. So konnte die Kommunikation zwischen den beteiligten Akteur:innen verbessert, Lernprozesse transparenter gestaltet und die Verbindung zwischen Hochschule und klinischer Praxis nachhaltig gestärkt werden.
Link zur Originalveröffentlichung:
Pressekontakt Dr. Milena Hänisch Dekanat, Referat für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen E-Mail: milena.haenisch@uk-essen.de Telefon: 0201/723-1615 News-Seite: www.uni-due.de/med Social Media: www.facebook.com/medessen | https://www.instagram.com/medizinischefakultaet/
Über die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen Wissenschaft und Forschung auf höchstem internationalem Niveau und eine herausragende, exzellente Ausbildung zukünftiger Ärzt:innen: Diese Ziele hat sich die Medizinische Fakultät gesteckt und verfolgt sie mit Nachdruck. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Fakultät mit ihrer klaren Schwerpunktsetzung in Herz- und Kreislauferkrankungen, Immunologie und Infektiologie, Onkologie, Translationaler Neuro- und Verhaltenswissenschaften sowie Transplantation. Der 2014 bezogene Neubau des Lehr- und Lernzentrums bietet den Studierenden der Medizinischen Fakultät exzellente Ausbildungsmöglichkeiten.
Über die Essener Universitätsmedizin Die Essener Universitätsmedizin umfasst das Universitätsklinikum Essen sowie 15 Tochterunternehmen, darunter die Ruhrlandklinik, das St. Josef Krankenhaus Werden, die Herzchirurgie Huttrop und das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen. Die Essener Universitätsmedizin ist mit etwa 1.700 Betten das führende Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets und seit 2015 auf dem Weg zum Smart Hospital. 2020 behandelten unsere rund 10.000 Beschäftigten etwa 64.000 stationäre und 300.000 ambulante Patient:innen. Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, einem der größten Tumorzentren Deutschlands, dem Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation, einem international führenden Zentrum für Transplantation, in dem unsere Spezialist:innen mit Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe verpflanzen, sowie dem Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum, einem überregionalen Zentrum der kardiovaskulären Maximalversorgung, hat die Universitätsmedizin Essen eine weit über die Region reichende Bedeutung für die Versorgung von Patient:innen. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen mit ihrer Schwerpunktsetzung in Herz- und Kreislauferkrankungen, Immunologie und Infektiologie, Onkologie, Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften sowie Transplantation.