Hochschule Fulda

Den Pflegeberuf attraktiver machen
Gesundheitsökonom Prof. Greß im Bundestagsausschuss

Prof. Dr. Stefan Greß hat sich im Gesundheitsausschuss des Bundestags für mehr Pflegepersonal sowie eine Aufwertung des Pflegeberufs aus qualifikatorischer und finanzieller Sicht ausgesprochen.

Gesundheitsökonom Prof. Dr. Stefan Greß von der Hochschule Fulda hat am Mittwoch dieser Woche im Gesundheitsausschuss des Bundestags eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, eine bessere Bezahlung sowie eine qualifikatorische Aufwertung des Pflegeberufs gefordert. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung sei es notwendig, die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern, sagte er. Aus seiner Sicht könne das nur gelingen, wenn die Arbeitsbedingungen, die qualifikatorischen Rahmenbedingungen sowie die finanzielle Kompensation der Pflegekräfte verbessert würden.

Greß war als Einzelsachverständiger von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingeladen worden, um Stellung zu deren Antrag "Eine Lobby für die Pflege" zu nehmen. Ziel des Antrags ist, die Arbeitsbedingungen und Mitspracherechte von Pflegekräften zu verbessern und so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Der Fuldaer Gesundheitswissenschaftler argumentierte, dass sich die Anforderungen an die Pflegekräfte insbesondere in der Langzeitpflege in der jüngeren Vergangenheit massiv verschärft hätten, und zwar nicht nur aufgrund der gestiegenen Zahl an Pflegebedürftigen. In den Pflegeheimen seien auch immer mehr Menschen zu versorgen, die nur noch über eine eingeschränkte Alltagskompetenz verfügten. "In der Vergangenheit konnte ein bescheidener Personalaufwuchs den gestiegenen Pflegebedarf nur weilweise kompensieren. Die verschlechterten Betreuungsrelationen und die moderat gesunkenen Fachkraftquoten weisen auf steigende Belastungen für die Beschäftigten hin", betonte Greß. Studien aus dem Ausland zeigten, dass eine verbesserte Personalausstattung zudem die Qualität der Pflege erhöhe, etwa Pflegefehler reduziere.

Vor allem durch die Neueinstellung von Pflegekräften, so Greß, lasse sich daher die Pflegequalität verbessern. Ein System zur Personalbemessung werde nach derzeitigem Stand jedoch erst Mitte 2020 vorliegen. Das sei vor dem Hintergrund der Personalsituation in den Pflegeeinrichtungen, der damit verbundenen Belastungen für die Pflegekräfte und der resultierenden Gefährdung der Pflegequalität nicht akzeptabel. "Daher unterstütze ich nachdrücklich das Ansinnen des Antrags, dass schnellstmöglich bundesweit verbindliche Personalbemessungsregelungen auch für die Langzeitpflege umgesetzt werden", sagte Greß vor dem Ausschuss.

Um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, sprach er sich zudem für die Einrichtung eines Pflegepersonalfonds aus. Dieser würde ein deutliches Signal senden, dass der Finanzierung einer hinreichenden Personalausstattung in Pflegeheimen eine hohe gesellschaftliche Priorität zukomme. Auch die Akademisierung der Pflege führe zu einer verbesserten Anerkennung durch andere Berufsgruppen und zu einer höheren Identifikation der Pflegenden mit ihrem Beruf. Um den Fachkräftemangel zu überwinden, müsse sich zwingend auch die generelle Vergütung in der Altenpflege verbessern, Zusatzqualifikationen müssten finanziell berücksichtigt werden. "Sämtliche Konzepte zur qualifikatorischen Aufwertung von Pflegeberufen sind zum Scheitern verurteilt, wenn sich diese zusätzlichen Qualifikationen nicht durch eine erhöhte Vergütung bemerkbar machen", betonte Greß. Insofern sei die Forderung des Antrags, eine Pflege-Bürgerversicherung zur solidarischen und nachhaltigen Finanzierung dieser Ausgaben nachdrücklich zu unterstützen.

Dr. Antje Mohr
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