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Gelöschte Google-Bewertungen hinterlassen Spuren

Seit April 2026 zeigt Google in Deutschland bei bestimmten Firmenprofilen an, wenn Rezensionen nach Beschwerden wegen Diffamierung entfernt wurden.

Google nennt weder den Inhalt der verschwundenen Bewertung noch den konkreten Grund für die Entfernung. Auch die genaue Anzahl bleibt offen. Stattdessen erscheinen Bereiche wie „zwei bis fünf“ oder „elf bis zwanzig“ entfernte Rezensionen. Gezählt werden nur Bewertungen, die in den vergangenen 365 Tagen aufgrund einer Beschwerde wegen Diffamierung nach deutschem Recht entfernt wurden.

Damit wird ein Vorgang sichtbar, der früher meist im Hintergrund ablief. Für Firmen entsteht daraus ein neues Reputationsrisiko. Selbst eine berechtigte Löschung kann bei potenziellen Kunden Misstrauen wecken. Das kleine Banner über den Rezensionen ist kein Schuldspruch. So wird das aber allerdings oft verstanden.

Transparenz sieht normalerweise anders aus. Der Nutzer erfährt, dass etwas entfernt wurde, aber nicht, was passiert ist. Genau diese Lücke lädt zu Spekulationen ein.

Das Bewertungssystem ist anfällig für Angriffe und Schönheitsoperationen

Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur unter rund 3.700 deutschen Hotels und Gaststätten zeigt, dass je nach Ort bei elf bis 30 Prozent der untersuchten Profile Bewertungen nach Beschwerden entfernt wurden. In großen Städten war der Anteil teilweise höher als in kleineren Orten. Was steckt dahinter? Wurden dort besonders viele falsche Bewertungen veröffentlicht oder gehen Unternehmen in Großstädten häufiger gegen Kritik vor?

Die Zahlen geben darauf keine Antwort. Sie lassen auch keine einfache Geschichte von Unternehmen zu, die massenhaft berechtigte Kritik verschwinden lassen. Hinter einem Löschantrag kann eine frei erfundene Kundenerfahrung stehen. Manche Rezensionen stammen von Personen, die nachweislich nie Kunde waren.

Andere enthalten Beleidigungen, falsche Tatsachenbehauptungen oder werden als Druckmittel eingesetzt. Auch die Drohung mit einem Stern, um einen Preisnachlass zu bekommen, ist in manchen Branchen kein exotischer Einzelfall. Wie soll eine Firma mit einer solchen Bewertung umgehen? Einfachstehen lassen, weil eine Löschung später sichtbar werden könnte?

Rund um das Entfernen negativer Rezensionen ist allerdings auch ein eigener Dienstleistungsmarkt entstanden. Wird jede schlechte Bewertung routinemäßig rechtlich beanstandet, können sachliche Erfahrungsberichte verschwinden. Für Verbraucher wird der Sterne-Durchschnitt dadurch weniger aussagekräftig. Wo endet der Schutz vor falschen Behauptungen und wo beginnt die Reinigung des eigenen Images?

Erst sachlich prüfen und dann reagieren

Für die goodRanking Online Marketing Agentur ist der neue Hinweis vor allem ein öffentlich sichtbares Reputationssignal. Laut Google verändert er nicht die Position eines Unternehmens in den lokalen Suchergebnissen. Auf Menschen kann er trotzdem wirken, bevor sie anrufen, reservieren oder ein Angebot anfordern.

Unternehmen sollten deshalb nicht reflexartig auf den Löschknopf zielen, sobald Kritik unangenehm wird, sondern zuerst diese Fragen klären:

  • Enthält die Rezension konkrete Tatsachenbehauptungen oder lediglich eine harte persönliche Meinung?
  • Konnte der geschilderte Vorgang überhaupt stattgefunden haben, stimmen Zeit, Ort und Ablauf?
  • Gibt es Unterlagen, die diese Behauptungen stützen oder widerlegen, etwa eine Bestellung, eine Reservierung, einen Termin oder einen dokumentierten Kontakt?

Bei klaren Falschbehauptungen, erfundenen Kundenkontakten oder persönlichen Angriffen ist eine Meldung nachvollziehbar. Dafür braucht es Unterlagen. Screenshots, Zeitpunkte, interne Vorgänge und die bisherige Kommunikation sollten festgehalten werden. Bei schwerwiegenden Vorwürfen kann eine rechtliche Prüfung sinnvoll sein.

Was geschieht aber, wenn die Löschung berechtigt war und der sichtbare Hinweis trotzdem Misstrauen erzeugt? Soll ein Unternehmen einen falschen Vorwurf stehen lassen, nur um keinen Löschvermerk zu riskieren? Google überlässt diese Abwägung den Betroffenen, zeigt später aber öffentlich, dass eine Entscheidung gefallen ist.

Gute Bewertungen lassen sich nicht herbeizaubern

Ein belastbares Bewertungsprofil entsteht über eine lange Zeit. Zufriedene Kunden dürfen um ehrliches Feedback gebeten werden. Google stellt dafür unter anderem Bewertungslinks und QR-Codes bereit.

Eine breitere Basis aktueller und echter Rezensionen hilft, einzelne Ausreißer einzuordnen. Ein Profil mit nachvollziehbarer Kritik, vernünftigen Antworten und unterschiedlichen Erfahrungen kann glaubwürdiger wirken als eine makellose Sammlung austauschbarer Lobeshymnen.

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