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Universität Hohenheim

Digitale Lehre: Zufriedenheit der Studierenden hängt von Lehrperson ab

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PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄT HOHENHEIM

Corona-Umfrage:

Zufriedenheit mit digitaler Lehre steht und fällt mit Lehrenden

Bundesweite empirische Studie von Studierenden der Uni Hohenheim zu digital na(t)iver Lehre in Corona-Zeiten zeigt: Lehrperson ist entscheidend für Zufriedenheit

Weitere Ergebnisse und Experten zum Thema Corona-Krise und ihren Folgen unter www.uni-hohenheim.de/expertenliste-corona-krise

Die größte Rolle bei der Zufriedenheit von Studierenden an deutschen Hochschulen mit der digitalen Lehre zu Corona-Zeiten spielt die Lehrperson, erst danach kommt die Technik. So das Fazit einer deutschlandweiten Online Umfrage unter knapp 1.800 Studierenden, die zehn Bachelor-Studierende der Universität Hohenheim in Stuttgart im Rahmen eines Humboldt reloaded-Projektes durchgeführt haben. Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung der Lehre zweifellos beschleunigt, aber die Befragten sehen noch einiges an Verbesserungspotenzial. Jedoch sind nicht überall umfassende Investitionen in die Digitalisierung der Lehre an deutschen Hochschulen notwendig, um mit den „digital Nativen“, den ingenieurswissenschaftlichen Fakultäten, mithalten zu können. Wichtiger für die Zufriedenheit der Studierenden ist das Menschliche: dass die Lehrpersonen ihnen mit mehr Empathie begegnen und die Erreichbarkeit in Corona-Zeiten verbessern.

Aufgrund der Corona-Pandemie findet Lehre an deutschen Hochschulen seit dem Sommersemester 2020 nahezu ausschließlich digital statt. Dafür mussten Hochschulen, meist schneller als geplant, auf vielfältige Art digital aktiv werden. Doch wie steht die ohnehin sehr digitalaffine Zielgruppe der Studierenden zu diesen Entwicklungen?

Wie gut ist die Digitalisierung der Lehre unterschiedlicher Fachbereiche aus Sicht der Studierenden ‒ der Konsumenten des digitalen Angebots ‒ gelungen? Gibt es vielleicht Unterschiede zwischen einzelnen Fachbereichen? So könnte es sein, dass in den Ingenieurswissenschaften die Digitalisierung der Lehre „nativ“, also eine ständig gelebte Selbstverständlichkeit ist, während andere Fachbereiche an das Thema eher „naiv“, also relativ unerfahren, herangegangen sind.

Das alles sind wichtige Fragen, denn insbesondere die Erfahrungen der Studierenden sind entscheidend, um das Lehrangebot in Zukunft zu gestalten. Deswegen führten zehn Studierende eines Humboldt reloaded-Projektseminars des Lehrstuhls für Marketing & Business Development im Dezember letzten Jahres eine eigene Online-Befragung durch. Gemeinsam mit Projektbetreuerin und Seminarleiterin Dr. Iris Pöschl und ihrer Kollegin Joana Roth konzipierten sie den Fragebogen, rekrutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Mail und über Social Media und werteten die Antworten mit der entsprechenden Statistik- und Analysesoftware aus.

Befragung der „Konsumenten“ des digitales Angebots ihrer Hochschule

Für die Datenanalyse passten sie unter anderem ein validiertes erprobtes Verfahren zur Messung von Kundenzufriedenheit auf die Belange von Studierenden an. „Die Messung der Zufriedenheit von Kunden mit den Angeboten eines Unternehmens lässt sich gut auf die Messung der Zufriedenheit von Studierenden übertragen“, weiß Dr. Pöschl. „Letztendlich verstehen wir Studierende als Konsumenten, die das Lehrangebot als Service nutzen.“

Bei dem genutzten methodischen Ansatz wird die Qualität des digitalen Lehrangebots durch den Vergleich zwischen erwarteter und wahrgenommener Leistung der Studierenden anhand von fünf Kriterien (Zuverlässigkeit, Leistungskompetenz, Rahmenbedingungen, Empathie, Erreichbarkeit) bewertet. Je kleiner die Differenz zwischen Soll- und Ist-Zustand, desto größer die Zufriedenheit.

Die Unterschiede in der Studierendenzufriedenheit wurden fachbereichsspezifisch untersucht, was vor allem für den Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Markus Voeth einen echten Mehrwert der durchgeführten Studie darstellt. „Oftmals wird sehr stark pauschalisiert, wenn es um die Umsetzung der digitalen Lehre an Hochschulen geht. Wir wollten daher die Sichtweisen von Studierenden unterschiedlicher Fakultäten einfangen, um die Digitalisierungsaktivitäten differenzierter nachvollziehen und bewerten zu können.“

An der Umfrage beteiligten sich bundesweit knapp 1.800 Studierende. Davon studierten über 80 Prozent an Fachhochschulen oder Universitäten, die restlichen Teilnehmenden kamen von Pädagogischen und Theologischen Hochschulen oder Technischen Universitäten. Der überwiegende Teil der Befragten, nämlich 71 Prozent, waren zum Zeitpunkt der Befragung in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben.

Die harten Faktoren sind zufriedenstellend, die weichen Faktoren ausbaufähig

Insgesamt sind die Studierenden mit den harten Faktoren, wie Ausstattung sowie Qualität und Zuverlässigkeit der Technik im Durchschnitt eher zufrieden. Jedoch empfinden sie weiche Faktoren, wie studierendenfreundliche Ausrichtung und Erreichbarkeit der Lehrenden fachbereichsübergreifend als ausbaufähig.

Die Zufriedenheit der Studierenden mit den Rahmenbedingungen der digitalen Lehre hängt von diversen technischen Ausstattungsmerkmalen ab. Vor allem Geisteswissenschaftler sind mit der technischen Ausstattung ihrer Hochschule unzufrieden, während Wirtschaftswissenschaftler sowie Agrarwissenschaftler hinsichtlich der von den Lehrenden genutzten Technik zufrieden sind. Allerdings ist für sie vor allem die Ton- und Bildqualität verbesserungsfähig, insbesondere bei Live-Übertragungen von Lehrveranstaltungen.

Für die interaktive Einbindung von Studierenden nutzen die Lehrenden vielfältige Umfrage- bzw. Abstimmungstools. Bei der professionellen Anwendung dieser digitalen Hilfsmittel nehmen einige Studierende jedoch Defizite wahr. Doch sowohl in den ingenieurswissenschaftlichen Fakultäten als auch in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften werden digitale Tools überdurchschnittlich professionell eingesetzt.

Die Betreuung der Studierenden hingegen erfolgt eher über herkömmliche Kommunikationsmittel wie Telefon und E-Mails. Diese beiden Kommunikationswege sind zusammen mit einem Messenger-Dienst die gängigsten Kommunikationskanäle, die über die Lehrveranstaltung hinaus auch für Absprachen untereinander genutzt werden.

Lehrende sollten insbesondere in der digitalen Lehre mehr Einfühlungsvermögen zeigen

Bei der Zuverlässigkeit des Lehrangebots kritisierten die Befragten unter anderem die Bereitstellung der Unterlagen und die Verlässlichkeit der Terminankündigungen. In den geisteswissenschaftlichen Studiengängen gelang die pünktliche Bereitstellung der Unterlagen jedoch auch im Corona-Semester offenbar überdurchschnittlich gut.

Gerade in Zeiten digitaler Lehre sollten Lehrende stets gut erreichbar sein, um auf Anfragen der Studierenden reagieren zu können. Für Dr. Pöschl ist dieser Punkt besonders wichtig: „In Zeiten von Präsenzlehre kann ich bei Bedarf direkt auf die Lehrperson zugehen, um offene Fragen zu klären. Momentan sind Studierende darauf angewiesen, dass entsprechende digitale Kommunikationskanäle geschaffen und gepflegt werden, die den direkten Kontakt zur Lehrperson ermöglichen.“

Wichtig für die Studierenden ist es auch, dass Lehrende insbesondere in der digitalen Lehre Einfühlungsvermögen zeigen. Regelmäßige Pausen in den Lehrveranstaltungen, aber auch ein angemessener Umfang der Lehrinhalte sind entscheidende Kriterien, damit Studierende Lehrende empathischer wahrnehmen.

Defizite beklagen die Teilnehmenden der Umfrage oft auch bei der Motivation der Lehrenden, auch wenn vor allem im Fachbereich Mathematik / Naturwissenschaften die Lehrenden als überdurchschnittlich motiviert bewertet wurden.

HINTERGRUND: Humboldt reloaded

Das Reformprojekt „Humboldt reloaded“ will Studierende von Beginn an für die Wissenschaft begeistern. Die Studierenden arbeiten in kleinen Forschungsgruppen mit optimaler Betreuung, wobei die Projekte im Block oder über ein bis zwei Semester durchgeführt werden. Der Startschuss zu „Humboldt reloaded“ fiel im Jahr 2011. 2014 zeichneten der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und die Hochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Martin Blum als Initiator von „Humboldt reloaded“ mit dem Ars legendi-Preis für Exzellenz in der Lehre aus.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte „Humboldt reloaded“ durch den „Qualitätspakt Lehre“ in zwei Förderperioden von 2011-2020 mit insgesamt rund 15 Mio. Euro. Mit Ende der maximal möglichen Förderzeit durch das Bund-Länder-Programm führt die Universität Hohenheim Humboldt reloaded ab 1. April aus eigenen Mitteln weiter.

Infos: https://humboldt-reloaded.uni-hohenheim.de

Expertenliste: Corona-Krise und ihre Folgen

Die weltweite Corona-Pandemie hat einschneidende Folgen: der Bildungssektor, die Wirtschaft, die Arbeitswelt allgemein, aber auch das menschliche Miteinander werden voraussichtlich auch nach der Krise anders sein als vorher. Um damit sinnvoll umgehen zu können, sind sowohl in der Krise selbst als auch für die Zeit danach wissenschaftliche Fakten wichtiger denn je. Expertinnen und Experten der Universität Hohenheim informieren über die verschiedenen Aspekte der Corona-Krise und ihre Folgen. Ergebnisse und Experten: www.uni-hohenheim.de/expertenliste-corona-krise.

Kontakt für Medien:

Dr. Iris Pöschl, Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing & Business Development

T +49 (0)711 459-23414, E iris.poeschl@uni-hohenheim.de

Zu den Pressemitteilungen der Universität Hohenheim

Text: Stuhlemmer

Universität Hohenheim
Pressestelle
70593 Stuttgart
Tel.: 0711 459-22003
Fax: 0711 459-23289
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