GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.
SPIEGEL-Bestsellerautor über Projektmanagement: Regeln brechen, aber intelligent!
Nürnberg (ots)
Projektmanagement lebt von Standards, Prozessen und bewährten Methoden. Sie schaffen Orientierung, sorgen für Transparenz und machen Projekte steuerbar. Doch was passiert, wenn genau diese Regeln beginnen, Innovation, Eigenverantwortung und Initiative auszubremsen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Peter Kreuz auf dem PM Forum 2026 in seiner Highlight-Präsentation " Rebel Mind - Regelbruch als Kompetenz".
Organisationen investieren erhebliche Ressourcen in Prozesse, Governance-Strukturen und standardisierte Abläufe. Was ursprünglich Effizienz schaffen sollte, kann jedoch mit der Zeit neue Grenzen erzeugen. Entscheidungen dauern länger, Verantwortung wird auf Gremien verteilt und Mitarbeitende orientieren sich stärker an bestehenden Regeln als an den eigentlichen Zielen. Für Projektmanager entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Einerseits sollen sie Standards einhalten, andererseits Innovation ermöglichen und Veränderungen vorantreiben.
In seinem Vortrag plädiert Dr. Peter Kreuz dafür, eingefahrene Denkgewohnheiten bewusst zu hinterfragen. Nicht jeder Regelbruch sei sinnvoll - wohl aber jener, der den Blick auf bessere Lösungen eröffnet. Entscheidend sei die Fähigkeit, zwischen Regeln zu unterscheiden, die Orientierung geben, und solchen, die ihren ursprünglichen Zweck längst verloren haben. Ziel sei nicht mehr Beliebigkeit, sondern mehr Gestaltungsfreiheit, Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken.
Dabei richtet sich der Blick vor allem auf die Haltung von Führungskräften und Projektverantwortlichen. Wer komplexe Herausforderungen bewältigen will, brauche mehr als funktionierende Prozesse. Gefragt seien Menschen, die Routinen kritisch hinterfragen, Prioritäten konsequent setzen und bereit sind, gewohnte Denkmuster zu verlassen. Bewusste Vereinfachung und intelligenter Regelbruch könnten dazu beitragen, Handlungsspielräume zurückzugewinnen und Organisationen wieder beweglicher zu machen.
Die Präsentation verbindet provokante Denkanstöße mit Beispielen aus der Managementpraxis und lädt die Teilnehmenden ein, eigene Überzeugungen kritisch zu reflektieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Organisationen tatsächlich das richtige Spiel spielen - oder lediglich immer effizienter Regeln befolgen, die längst nicht mehr zum angestrebten Ziel führen.
" Rebel Mind - Regelbruch als Kompetenz" gehört zu den Highlight-Präsentationen des PM Forum 2026. Europas führender Fachkongress für Projektmanagement bringt am 8. und 9. Oktober 2026 in München Projektverantwortliche, Führungskräfte, PMO-Experten und Entscheider aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammen. Das Programm umfasst Keynotes, Fachvorträge, Praxisberichte und Diskussionsformate zu den aktuellen Herausforderungen und Zukunftsthemen des Projektmanagements.
Sie werben für den "intelligenten Regelbruch". Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen notwendiger Ordnung und einer Regelkultur, die Menschen und Organisationen lähmt?
Die Grenze ist eine einzige Frage: "Weiß noch jemand, warum wir das tun?" Eine Regel, deren Ursprung niemand mehr erklären kann, ist keine Ordnung. Sie ist Aberglaube mit Aktenzeichen. Ordnung gibt Orientierung. Lähmung beruft sich nur noch auf sich selbst.
Viele Unternehmen sprechen von Innovation, gleichzeitig belohnen sie oft Anpassung und Risikovermeidung. Warum fällt es Organisationen so schwer, echtes Querdenken zuzulassen?
Weil Organisationen ehrlicher sind, als sie zugeben: Sie sagen "Innovation", organisieren aber Absicherung. Für ein gescheitertes Experiment werden Sie zur Rechenschaft gezogen. Für eine nie verfolgte Idee nie. Solange mittelmäßiger Erfolg sicherer ist als großartiges Scheitern, optimieren kluge Menschen Richtung Mittelmaß.
In Ihrem Buch "Rebel Mind" beschreiben Sie Menschen, die etwas bewegen wollen, statt nur bestehende Abläufe zu verwalten. Was unterscheidet solche Menschen von anderen - und lässt sich diese Haltung erlernen?
Rebel Minds fragen nicht zuerst: "Darf ich das?" Sie fragen: "Ist das sinnvoll?" Das ist ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung. Und ja, diese Haltung lässt sich trainieren. Durch bewusstes Hinterfragen, kleine Regelbrüche und die Erfahrung, dass Verantwortung mehr Energie freisetzt als bloße Absicherung.
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Führung und Veränderung. Welche Denkgewohnheit beobachten Sie derzeit am häufigsten bei Führungskräften, obwohl sie längst überholt ist?
Der Glaube, Führung heiße, die Antwort zu haben. In einer komplexen Welt ist die Führungskraft, die immer die Antwort hat, manchmal der gefährlichste Mensch im Raum. Weil das ganze System dann aufhört, selbst zu denken.
Projektmanagement lebt von Strukturen, Prozessen und Standards. Ihr Ansatz stellt etablierte Regeln bewusst infrage. Ist das ein Widerspruch oder gerade eine notwendige Ergänzung?
Es ist eine notwendige Ergänzung und eine Frage der Rangordnung: Struktur soll dienen, nicht herrschen. Und das sage ich ausdrücklich als Außenstehender: Sie können ein Projekt makellos steuern, im Plan, im Budget und trotzdem mit voller Geschwindigkeit das Falsche bauen. Methoden fragen oft: "Machen wir das Ding richtig?" Zu selten fragt jemand: "Bauen wir überhaupt das richtige Ding?"
Viele Projekte scheitern nicht an fehlendem Fachwissen, sondern an politischen Interessen, Silodenken und Absicherungsmechanismen. Wo würden Sie dort als Erstes ansetzen?
Ich würde bei der Frage anfangen, wer bestraft wird, wenn er die Wahrheit ausspricht. Viele Projektkatastrophen sind lange bekannt, bevor sie offiziell zugegeben werden. Bloss wer es zuerst laut sagt, gilt als Bremser. Silos und Absicherung sind oft nur Symptome. Die Krankheit heißt: Ehrlichkeit ist karrieregefährdend. Dann wird Projektmanagement zur Diplomatie mit Gantt-Chart.
Projektteams stehen häufig unter dem Druck, Risiken zu minimieren. Gleichzeitig entstehen Innovationen meist dort, wo Menschen Neues ausprobieren dürfen. Wie gelingt dieser Balanceakt?
Indem Sie aufhören, es als Balanceakt zu sehen. Die eigentliche Kompetenz ist Unterscheidung: Welche Entscheidung ist umkehrbar und welche nicht? Organisationen machen es oft falsch herum: Sie zerreden kleine, umkehrbare Entscheidungen in Gremien zu Tode und treffen große, kaum umkehrbare im Vorbeigehen. Sparen Sie Ihre Vorsicht für das auf, was sich wirklich nicht zurückdrehen lässt.
In großen Organisationen entstehen oft immer neue Prozesse, Freigaben und Abstimmungsschleifen. Ab wann wird Governance aus Ihrer Sicht zum Innovationshemmnis?
Wenn mehr Energie in die Legitimation einer Entscheidung fließt als in ihre Qualität. Wenn Menschen nicht mehr überlegen, was richtig wäre, sondern wie sie es durch die Gremien bekommen. Governance wird giftig, sobald sie aufhört, die Organisation vor echten Risiken zu schützen und anfängt, sie vor den eigenen Leuten zu schützen. Dann haben Sie kein Steuerungssystem mehr, sondern ein Misstrauenssystem mit Formularen.
Welche Rolle spielen Projektleiter bei der Förderung einer Kultur, in der Menschen Verantwortung übernehmen und auch unbequeme Fragen stellen dürfen?
Projektleitende haben eine größere und unbequemere Rolle, als ihnen manchmal lieb ist. Eine Kultur, in der man unbequeme Fragen stellen darf, entsteht nicht in der Ankündigung. Sie entsteht in den zwei Sekunden, nachdem der Erste tatsächlich eine gestellt hat. Alle schauen dann darauf, was mit dem Mutigen passiert: Wird er ernst genommen oder höflich abgeräumt? Diese eine Reaktion schreibt die wahren Spielregeln, nicht das Leitbild an der Wand.
Worauf dürfen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ihres Vortrags freuen, ohne dass Sie bereits zu viel verraten?
Auf einen Blick von außen auf ihre Welt. Keine Methodenschlacht, kein Framework-Feuerwerk, keine Motivationsdusche. Sondern ein paar Gedanken, die hoffentlich hängen bleiben - und vielleicht beim nächsten Lenkungsausschuss leise stören. Im besten Sinne.
Über den Referenten: Dr. Peter Kreuz ist SPIEGEL-Bestsellerautor und Vordenker für Zukunftsgestaltung. Mit seinem Ansatz "Rebel Mind" setzt er sich für klugen Regelbruch, bewusste Vereinfachung und den Mut ein, historisch gewachsene Erfolgsmuster kritisch zu hinterfragen. Seine Vorträge verbinden provokante Denkanstöße mit konkreten Impulsen für Führung, Innovation und Organisationsentwicklung.
Der Vortrag von Dr. Peter Kreuz unter dem Titel "Komplexität als Stärke - Wenn Planung mehr Chaos erzeugt" findet am 08.10.2026 von 14:00 - 14:45 Uhr im Raum Nymphenburg 1-3 (EG) statt.
Mehr über den Vortrag und das PM Forum erfahren Sie hier.
Mehr über den Autor: www.peterkreuz.com
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