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VW-Betriebsratschef: Management muss eigene Fehler beheben

Berlin (ots) - +++ Osterloh: "Die Vertriebsplanung spottet häufig jeder Beschreibung" +++

Bei seinem Vorstoß, den Fokus auf die Rendite zu legen, erfährt Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sowohl Unterstützung als auch Kritik von Seiten des mächtigen Betriebsrats. "Angesichts der Herausforderungen vor denen wir auf Märkten wie Brasilien, Russland und Indien stehen, angesichts von Herausforderungen bei den Währungsparitäten und den ambitionierten CO2-Vorgaben ist es richtig, dass Dr. Winterkorn die Mannschaft darauf einschwört, unsere Renditeziele nicht aus dem Auge zu verlieren", schrieb Betriebsratschef Bernd Osterloh in der Mitarbeiter-Zeitung "Mitbestimm", berichtet das Hamburger Wirtschaftsmagazin BILANZ.

Wie von BILANZ bereits berichtet, greift Winterkorn bei der Marke Volkswagen durch und schreckt dabei auch vor schmerzhaften Einschnitten und Selbstkritik nicht zurück. Die im Branchenvergleich wenig rentable Marke soll durch radikale Schritte endlich eine wettbewerbsfähige Rendite erzielen. "Das ist zwingend, denn heute ist die Ertragskraft unserer Marke noch zu gering", sagte Winterkorn BILANZ zufolge am Montagabend vor VW-Managern.

Um das Ziel zu erreichen, ergreift der Autoboss jetzt Maßnahmen, die "deutlich, wirksam und auch schmerzhaft" sind, teilte er seinen Führungskräften mit. Auf diese Weise will der Autobauer die angepeilte Zielrendite von mindestens sechs Prozent bis zum Jahr 2018 schaffen. Erreichen muss die Automarke dazu einen nachhaltigen Ergebniseffekt von rund fünf Milliarden Euro jährlich. Der soll durch verbesserte Effizienz, geringere Komplexität, optimierten Einkauf, geringere Fabrik- und Fixkosten bis 2017 zustande kommen.

Doch Osterloh zieht dem Vorhaben auch Grenzen: "Einschnitte bei tarifvertraglichen Leistungen wird es mit uns nicht geben", schrieb er den Mitarbeitern. "Mit den Arbeitskosten liegen wir auf Wettbewerbsniveau. Aber bei der Produktivität müssen Vorstand und Management endlich ihren Job machen." Es sei deshalb richtig, dass Winterkorn endlich klar mache, dass das Management an dieser stelle die eigenen Fehler beheben müsse. "Denn unsere Kollegen zahlen die fehlerhafte Aufstellung und mangelnde Verfügbarkeit der Produktionsanlagen mit Mehrarbeit und Sonderschichten. Das muss ein ende haben, weil jeder Cent, den wir dort verlieren, unseren Kollegen beim Bonus fehlt und dem Unternehmen bei Investitionen in neue Produkte", so Osterloh. BILANZ hatte in der Juli-Ausgabe von teuren Produktionsengpässen in der Golf-Fertigung berichtet.

Mit deutlichen Worten kritisiert Osterloh BILANZ zufolge auch den Vertrieb: "Die Vertriebsplanung spottet häufig jeder Beschreibung. Der Vertrieb soll uns nicht erzählen, wo wir gerade Schwierigkeiten beim Autoverkauf haben. Der Vertrieb muss seine Planungen realistisch und Vertriebsprogramme stringent auf die Märkte mit ihren Herausforderungen ausrichten. Die UsA haben beispielsweise kein Produkt- oder Qualitätsproblem. Da hatten wir zu lange das falsche Vertriebsmanagement."

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