Zwischen Stärke und Zweifel
Sozialstudie der Bepanthen®-Kinderförderung zeigt Paradox der Generation Alpha
Leverkusen/Berlin (ots)
- Selbstbewusst, aber unter Druck: Die Studie zeigt eine Generation, die nach außen stark wirkt, innerlich aber extrem von Leistungs- und Perfektionsdruck geprägt ist.
- Eltern statt Influencer - aber nicht für alle: Vorbilder im privaten Umfeld spielen eine zentrale Rolle für den Selbstwert - doch gerade Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status[1] haben seltener reale Vorbilder.
- Selbstwert ist (auch) eine soziale Frage: Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status berichten häufiger von Sorgen, Fehlerangst und dem Wunsch nach mehr Selbstrespekt.
Die Generation Alpha, also die Kinder und Jugendlichen, die etwa ab 2010 bis Mitte der 2020er-Jahre geboren wurden bzw. werden, hat grundsätzlich ein positives Bild von sich selbst. Doch hinter dieser Stärke zeigt sich ein hoher innerer Druck: Viele haben Angst vor Fehlern, zweifeln an sich oder fühlen sich von Erwartungen überfordert. Das dokumentieren die Ergebnisse der aktuellen repräsentativen Sozialstudie der Bepanthen®-Kinderförderung, durchgeführt von der Universität Bielefeld, bei der Kinder (6 bis 11 Jahre) und Jugendliche (12 bis 16 Jahre) deutschlandweit befragt wurden. Die Studie zeigt auch, wer die wichtigsten Vorbilder der jungen Generation sind und was den Selbstwert unserer Kinder stärken kann.
Starkes Selbstbild, fragiler Selbstwert?
Die Generation Alpha wirkt auf den ersten Blick selbstbewusst: 96 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, gute Eigenschaften zu besitzen, 95 Prozent betrachten sich als genauso wertvoll wie andere Menschen und 88 Prozent meinen, vieles mindestens so gut zu können wie andere. Auch Kinder zeigen ein positives Kompetenzgefühl: 94 Prozent glauben, vieles genauso gut oder besser zu können als andere Kinder.
Gleichzeitig steht ein großer Teil der Jugendlichen jedoch unter Leistungs-, Anpassungs- und Perfektionsdruck. Jeder zweite Jugendliche hat häufig Angst, etwas falsch zu machen. 54 Prozent der Befragten fühlen sich manchmal davon überfordert, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen. Fast die Hälfte wünscht sich mehr Selbstrespekt. Jeweils ein Viertel berichtet, Schwierigkeiten zu haben, Probleme lösen zu können oder neue Situationen zu meistern, sowie sich zeitweise sogar nutzlos zu fühlen.
"Die Studienergebnisse zeigen eine Generation, die sich selbst nicht prinzipiell negativ sieht. Gleichzeitig wird aber deutlich, wie stark viele junge Menschen heutzutage unter Druck stehen. Selbstwert muss im Alltag immer wieder gestützt werden - durch Anerkennung, Beziehungen und die Erfahrung, auch mit Fehlern angenommen zu sein", sagt Studienleiter Prof. Dr. Holger Ziegler von der Universität Bielefeld.
Soziale Ungleichheit wirkt auch auf das Selbstbild
Deutlich wird der innere Druck bei Jugendlichen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status: 28 Prozent dieser Jugendlichen geben an, Sorgen zu haben - bei Jugendlichen mit hohem Status sind es 13 Prozent. 62 Prozent der Jugendlichen mit niedrigem Status haben Angst, Fehler zu machen, im Vergleich zu 40 Prozent bei hohem Status. Auch der Wunsch nach mehr Selbstrespekt ist hier stärker ausgeprägt: 57 Prozent gegenüber 44 Prozent bei Jugendlichen mit hohem Status. "Besonders deutlich wird, dass soziale Ungleichheit nicht nur materielle Chancen beeinflusst. Sie wirkt auch auf das Selbstbild junger Menschen, auf ihren Mut, ihre Frustrationstoleranz und ihre Vorstellung davon, was für sie erreichbar ist", ergänzt Ziegler.
Auch die Erfahrungen des Kinder- und Jugendwerks "Die Arche" zeigen, wie wichtig verlässliche Bezugspersonen sind. "Wir erleben es tagtäglich bei unserer Arbeit: Gerade dort, wo Familien unter Druck stehen, können stabile Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und die zusätzliche Stärkung durch Ermutigung der Kinder einen enormen Unterschied machen. Viele Kinder brauchen Menschen, die ihnen etwas zutrauen, zuhören und ihnen zeigen, dass sie wertvoll sind", so Bernd Siggelkow, Gründer des Kinderhilfswerks "Die Arche". "Denn ein Kind, das gesehen wird, hört auf, sich zu verstecken. Ein Kind, dem etwas zugetraut wird, traut sich selbst mehr zu. Das klingt einfach - aber für viele Kinder ist genau das der Schlüssel zu mehr Selbstvertrauen."
Zwischen Gerechtigkeit, Aussehen und Anerkennung
Neben Selbstwert und Vorbildern blickt die Studie auf die Wertewelt junger Menschen. Dabei zeigt sich: Kindern und Jugendlichen sind vor allem Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft und Chancengleichheit wichtig. Allerdings spielen für sie auch Aussehen, Anerkennung und Zugehörigkeit eine große Rolle. Über 60 Prozent der Kinder finden es wichtig, wie ein Kind aussieht und wie es angezogen ist. Bei Jugendlichen zeigt sich: Soziale Werte und Selbstbestimmung sind wichtig, zugleich wirken Statusfragen, Vergleich und Rollenbilder fort.
Social Media verstärkt den Vergleichsdruck
Auch Social Media steht im Zusammenhang mit dem Selbstwert junger Menschen und kann hier wie ein Katalysator wirken. Bei Jugendlichen mit sechs oder mehr Stunden Social-Media-Nutzung pro Schultag ist der Anteil mit unterdurchschnittlichem Selbstwert fast dreimal so hoch wie bei Jugendlichen mit weniger als zwei Stunden Nutzung. Soziale Medien können den Vergleich mit anderen, Sichtbarkeit und den Selbstoptimierungsdruck verstärken. Entscheidend sind reale Gegenpole im Alltag, um dies zu entkräften.
Die wichtigsten Influencer sitzen oft am Küchentisch
Für das Gros der Kinder und Jugendlichen zählt bei Vorbildern nicht Ruhm, Status oder Schönheit, sondern Menschen, die da sind, helfen, zuhören und verstehen. 76 Prozent der Kinder und 64 Prozent der Jugendlichen haben im privaten Umfeld ein Vorbild. Von diesen nennen 82 Prozent der Kinder und 77 Prozent der Jugendlichen ihre Eltern als Vorbild.
Allerdings haben nur 55 Prozent der Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischem Status reale Vorbilder aus dem privaten Umfeld. Bei Jugendlichen mit hohem Status sind es 77 Prozent. Gleichzeitig orientieren sich Jugendliche mit niedrigem Status häufiger an medialen Vorbildern: 59 Prozent nennen Vorbilder aus Medien oder dem öffentlichen Leben, bei Jugendlichen mit hohem Status sind es mit 47 Prozent deutlich weniger.
Bei den Eigenschaften, die Jugendliche an ihren Vorbildern bewundern, stehen soziale Qualitäten im Vordergrund: Fürsorge, Unterstützung, Hilfsbereitschaft sowie ein liebevoller, netter und verständnisvoller Umgang. Reichtum, Besitz oder Schönheit spielen hingegen kaum eine Rolle. Das trifft zum Teil auch auf die medialen Vorbilder der Kinder und Jugendlichen zu. Darunter sind oft Personen, die für Gleichbehandlung einstehen, hilfsbereit sind und selbstbestimmt handeln. Bei den befragten Jugendlichen fallen hier Namen, wie die Fußballer Toni Kroos oder Lionel Messi, die Sängerinnen Billie Eilish und Taylor Swift oder YouTuber MrBeast. Bei den Kindern werden neben Fußballern wie Ronaldo und Manuel Neuer, den Sängerinnen Nina Chuba und Taylor Swift, YouTube-Gamer Paluten oder Kinderreporter Checker Tobi genannt. Aber auch fiktive Figuren wie Superman, Spiderman, Ladybug, Harry Potter oder Bibi Blocksberg beeinflussen und transportieren Werte.
Kümmern statt Kohle
Damit verdichtet sich ein zentraler Befund: Selbstwert entsteht nicht durch permanente Selbstoptimierung oder den Vergleich mit vermeintlich perfekten Vorbildern. Er wächst dort, wo Kinder und Jugendliche Zugewandtheit, Ermutigung und Verlässlichkeit erleben - durch Menschen, die ihnen zeigen: Du bist wertvoll, so wie du bist. Und du kannst Vieles erreichen, denn ich glaube an dich und bin für dich da.
Über die Bepanthen®-Kinderförderung
Die Bepanthen®-Kinderförderung setzt sich seit 2008 für Kinder und Jugendliche in Deutschland ein. Im zweijährlichen Rhythmus führt sie gemeinsam mit der Universität Bielefeld Sozialstudien durch, um aktuelle Problemfelder in der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren - beispielsweise zu den Themen Gerechtigkeit, Achtsamkeit, Gewalt, Kinderarmut, Gemeinschaftssinn oder Vertrauen. Die aus den Studien gewonnenen Erkenntnisse fließen in die praktische Kinderförderung des Kinderhilfswerks "Die Arche" ein.
Während der Corona-Pandemie widmete sich die Bepanthen®-Kinderförderung 2021 der mentalen und physischen Gesundheit von Familien und entwickelte mit der Arche das digitale Fitnessprogramm "Mach Dich fit - Für Kids!", das Kinder dazu anregt, sich auch zu Hause ausreichend zu bewegen und auf die inneren Stärken zu konzentrieren. 2022 startete sie gemeinsam mit der Arche das Bildungsprojekt "Clever & Fit - Gehirnjogging für Kids", um auf die Bildungsdefizite von Kindern aufmerksam zu machen und sie zu mehr Eigenengagement zu ermuntern. 2024 wurde das Kinderförderungsprogramm "Kinder an die Macht" (reloaded) umgesetzt, das auf Basis der Erkenntnisse der Sozialstudie "Gerechtigkeit" erarbeitet wurde. Bei diesem Songprojekt wurde den Kindern und Jugendlichen eine Stimme gegeben, um sich lautstark Gehör zu verschaffen. 2025 setzte die Bepanthen®-Kinderförderung mit dem Kunstprojekt "Zeich(n)en für Fairness" die Ergebnisse der Sozialstudie "Gerechtigkeit" kreativ fort. An elf Arche-Standorten brachten Kinder und Jugendliche ihre Sicht auf Fairness, Chancen und Ungleichheit künstlerisch zum Ausdruck. Entstanden sind Gemälde, Skulpturen und Collagen, die sichtbar machen, was junge Menschen bewegt, aber im Alltag häufig unausgesprochen bleibt.
Weitere Informationen zu den Schwerpunkten der Bepanthen®-Kinderförderung und zur Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk "Die Arche" finden Sie unter bepanthen.de/kinderfoerderung. Dort sind auch sämtliche Sozialstudien mit der Universität Bielefeld hinterlegt unter bepanthen.de/kinderfoerderung/sozialforschung
Über Bepanthen®
Bepanthen® begleitet Menschen seit vielen Jahren mit Produkten zur Pflege, zum Schutz und zur Regeneration empfindlicher Haut. Über das Produktportfolio hinaus übernimmt die Marke mit der Bepanthen®-Kinderförderung gesellschaftliche Verantwortung und setzt sich für Themen ein, die das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland betreffen. Dazu zählen insbesondere Fragen von Selbstwert, Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Unterstützung im Alltag.
Über Bayer
Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen in den Life-Science-Bereichen Gesundheit und Ernährung. Getreu seiner Mission "Health for all, Hunger for none" möchte das Unternehmen mit seinen Produkten und Dienstleistungen Menschen nützen und die Umwelt schonen - indem es zur Lösung grundlegender Herausforderungen einer stetig wachsenden und alternden Weltbevölkerung beiträgt. Bayer verpflichtet sich dazu, mit seinen Geschäften einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Gleichzeitig will der Konzern seine Ertragskraft steigern sowie Werte durch Innovation und Wachstum schaffen. Die Marke Bayer steht weltweit für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Qualität. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern mit rund 89.000 Beschäftigten einen Umsatz von 45,6 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung beliefen sich auf 5,8 Milliarden Euro. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.com/de
Die Bayer Vital GmbH vertreibt die Arzneimittel der Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals in Deutschland. Mehr Informationen zur Bayer Vital GmbH finden Sie unter: www.gesundheit.bayer.de
[1] Der sozioökonomische Status (SOES oder SES) zeigt unter welchen Lebensbedingungen Menschen aufwachsen oder lebenund welche Chancen ihnen dadurch offenstehen (u.a. Bildung, Einkommen, Gesundheitsversorgung, Förderung). Häufig wird dabei zwischen einem niedrigen, mittleren und hohen sozioökonomischen Status unterschieden.
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