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Raus vor dem Börsen-Crash? Warum Market Timing meist keine gute Idee ist
Pressemitteilung
Raus vor dem Börsen-Crash? Warum Market Timing meist keine gute Idee ist
Finanztip-Auswertung: Einige der stärksten Börsentage der vergangenen Jahrzehnte lagen mitten in großen Krisen
Berlin, 27.09.2026 – Vor dem Crash verkaufen, zum Tiefpunkt wieder einsteigen: Was einfach klingt, verlangt in der Praxis zwei richtige Entscheidungen. Eine Finanztip-Auswertung zeigt, warum vor allem der Wiedereinstieg schwierig ist: Einige der stärksten Handelstage der vergangenen 30 Jahre lagen mitten in großen Krisen. Wer dann noch an der Seitenlinie steht, kann einen erheblichen Teil der Erholung verpassen – und über Jahrzehnte Zehntausende Euro weniger Vermögen aufbauen.
„Market Timing klingt in Zeiten großer Unsicherheit verlockend – verlangt von Anlegern aber gleich zwei richtige Entscheidungen: Sie müssen rechtzeitig raus – und vor allem rechtzeitig wieder rein“, sagt Timo Halbe, Experte für Geldanlage bei Finanztip. „Und der Wiedereinstieg muss oft zu einer Zeit erfolgen, in der die Lage alles andere als sicher erscheint.“
Die Börse wartet nicht auf Entwarnung
Besonders starke Börsentage können mitten in Phasen großer Unsicherheit liegen. So war der 13. Oktober 2008 mit einem Plus von 8,6 Prozent der stärkste Handelstag im untersuchten Zeitraum – mitten in der globalen Finanzkrise. Regierungen und Notenbanken hatten über das Wochenende massive Stützungsmaßnahmen angekündigt.
Auch Corona zeigt das Problem: Mitten in Lockdowns und großer wirtschaftlicher Unsicherheit legte der Markt am 24. März 2020 um 7,8 Prozent zu – der drittbeste Handelstag des untersuchten Zeitraums. Zuvor hatte die US-Regierung ein zwei Billionen Dollar schweres Stützungspaket in Aussicht gestellt. Ende April 2020 hatte der globale Aktienmarkt die Hälfte seines Einbruchs wieder aufgeholt, noch mitten im ersten Corona-Lockdown. „Natürlich wäre es optimal, vor einem Crash auszusteigen und am Tiefpunkt wieder einzusteigen“, sagt Halbe. „Den Tiefpunkt erkennt man aber erst im Rückspiegel. Wer auf Entwarnung wartet, kann einen erheblichen Teil der Erholung verpassen.“
Fast 50.000 Euro: Was wenige verpasste Tage ausmachen können
Wie groß der Effekt weniger verpasster starker Börsentage sein kann, zeigt eine Modellrechnung des unabhängigen Geldratgebers Finanztip: Wer von Anfang 1997 bis Anfang August 2026 durchgehend investiert blieb, machte aus 10.000 Euro rund 105.000 Euro. Ohne die fünf besten Handelstage waren es 73.000 Euro, ohne die zehn besten Tage 56.000 Euro. Die Rendite sank dadurch von durchschnittlich 8,3 auf 6 Prozent pro Jahr – ein Unterschied von 49.000 Euro.
Die Rechnung ist kein Beleg dafür, dass jede Market-Timing-Strategie schlechter abschneidet als Buy-and-Hold: Wer zeitweise nicht investiert ist, kann neben besonders guten auch besonders schlechte Tage verpassen. Doch wer ausgestiegen ist, muss womöglich wieder kaufen, obwohl die Nachrichten schlecht sind und weitere Kursverluste möglich erscheinen. Deshalb rät Finanztip langfristigen Anlegern davon ab, auf die Vorhersage von Hoch- und Tiefpunkten zu setzen.
Für langfristige Anleger: Die Strategie sollte einen Crash aushalten
Anleger sollten ihre Finanzen so aufstellen, dass ein Crash sie nicht zum Verkauf zwingt. Kurzfristig benötigtes Geld gehört nicht an den Aktienmarkt, die Aktienquote sollte zur eigenen Risikotragfähigkeit passen. „Wer breit gestreut investiert und das Geld langfristig nicht benötigt, sollte sich von Börsenturbulenzen nicht aus der Strategie drängen lassen“, sagt Halbe. „Unsere Empfehlung: nicht versuchen, den nächsten Crash und den perfekten Wiedereinstieg vorherzusagen, sondern langfristig investiert bleiben.“
Zur Methodik
Finanztip hat den MSCI All Country Investable Market Index (MSCI ACWI IMI) von Anfang 1997 bis zum 3. August 2026 untersucht. Der weltweite Aktienindex umfasst rund 8.200 Unternehmen aus 47 Ländern. Berechnet wurde die Entwicklung einer einmaligen Anlage von 10.000 Euro mit allen Handelstagen beziehungsweise ohne die stärksten Handelstage. Die Berechnung simuliert keine konkrete Market-Timing-Strategie, sondern zeigt, welchen Einfluss das Verpassen einzelner Handelstage auf das langfristige Ergebnis haben kann.
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