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Bundesrat beschließt Riester-Reform: Kosten reduzieren Förderung massiv
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Pressemitteilung
Bundesrat beschließt Riester-Reform: Kosten reduzieren Förderung massiv
Berlin, 08.05.2026 – Der Bundesrat hat am Freitag, 8. Mai, der Reform der privaten Altersvorsorge zugestimmt. Doch hohe Kosten können einen erheblichen Teil des Fördervorteils aufzehren. Das zeigen Musterrechnungen des unabhängigen Geldratgebers Finanztip: Ein halber Prozentpunkt höhere Gebühren kann über die Laufzeit rund 28.000 Euro Vermögen kosten.
Das Gesetz zur Riester-Reform sieht einen Kostendeckel von einem Prozent jährlich für Standarddepots vor. Bei einem Prozent Kosten und einer monatlichen Sparrate von 150 Euro ergibt sich in einer Modellrechnung (s. Anhang) nach 40 Jahren ein Endvermögen im Altersvorsorgedepot von rund 217.000 Euro. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher ETF-Sparplan würde wegen niedriger Effektivkosten besser abschneiden und rund 224.700 Euro bringen – ohne jegliche Förderung. Anders sieht es aus, wenn die Effektivkosten des Altersvorsorgedepots, wie von Finanztip gefordert, bei 0,5 Prozent liegen. Das Ergebnis hier: rund 244.600 Euro. Der Finanztip-Vergleich macht deutlich, wie stark laufende Kosten langfristig das Endvermögen beeinflussen können.
„Am Ende muss sich die Riester-Reform daran messen lassen, was nach Förderung, Kosten und Steuern bei den Menschen ankommt“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. „Unsere Berechnungen zeigen: Wenn die Gebühren zu hoch sind, bleibt für Sparer deutlich weniger für die Altersvorsorge übrig als möglich.“
Familien profitieren zusätzlich von einer Kinderzulage von maximal 300 Euro jährlich pro Kind. Mit einem förderberechtigten Kind steigt das Endvermögen in der Musterrechnung auf rund 263.800 Euro, mit zweien auf rund 283.400 Euro. Allerdings verlieren Sparer davon jeweils über 30.000 Euro Vermögen, wenn die Effektivkosten bei einem statt bei 0,5 Prozent liegen.
Verbraucherschützer fordern 0,5-Prozent-Kostendeckel für alle Produkte
Kritisch sieht Finanztip zudem, dass der Kostendeckel nur für die sogenannten Standarddepots gelten soll. „Solange Anbieter weiterhin auch teurere Produkte vertreiben können, besteht die Gefahr, dass viele Sparer am Ende nicht im günstigsten Angebot landen“, sagt Sulilatu.
Beteiligung muss sichergestellt sein
Zudem fehle ein zentraler Mechanismus, um eine breite Nutzung sicherzustellen: „Ohne eine Opt-out-Lösung werden viele Menschen das neue Altersvorsorgedepot gar nicht nutzen. Andere Länder zeigen, wie das funktioniert”, sagt Sulilatu.
Finanztip stellt Verbraucherinnen und Verbrauchern einen kostenfreien Online-Rechner für das Altersvorsorgedepot zur Verfügung, mit dem sich die Auswirkungen von Kosten, Förderung und Rendite individuell simulieren und mit einem herkömmlichen ETF-Sparplan vergleichen lassen.
Finanztip hatte bereits im September 2025 ein Positionspapier mit fünf zentralen Forderungen zur Reform der privaten Altersvorsorge vorgelegt und setzt sich weiterhin für einen Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent ein. Mehr als 255.000 Menschen unterstützen diese Forderung mit ihrer Unterschrift unter einer Online-Petition. Nach Kritik von Finanztip und anderen Verbraucherorganisationen hat der Deutsche Bundestag die Effektivkosten für sogenannte Standarddepots auf ein Prozent begrenzt. In einem früheren Gesetzesentwurf lag die Kosten-Obergrenze noch bei 1,5 Prozent.
So hat Finanztip gerechnet
Die Modellrechnungen basieren auf einer monatlichen Sparrate von 150 Euro, einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr sowie einer Laufzeit bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren. Der Sparer verdient 52.000 Euro Bruttojahresgehalt. Berücksichtigt wurden staatliche Zulagen sowie eine nachgelagerte Besteuerung. Die dargestellten Szenarien vergleichen unterschiedliche Kostenannahmen von 0,5 und 1,0 Prozent pro Jahr sowie einen ETF-Sparplan mit 0,2 Prozent Kosten pro Jahr ohne Förderung als Referenz. Die Förderung wird als jährliche Zulage berücksichtigt, ihre Wirkung auf das Endvermögen ist im Gesamtergebnis enthalten, wird jedoch nicht separat ausgewiesen.
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