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(Pressemitteilung) Europäischer Rechnungshof: Agrarförderung für Übersee-Regionen der EU muss auf den Prüfstand

(Pressemitteilung) Europäischer Rechnungshof: Agrarförderung für Übersee-Regionen der EU muss auf den Prüfstand
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Pressemitteilung

Luxemburg, 26. Januar 2026

Europäischer Rechnungshof: Agrarförderung für Übersee-Regionen der EU muss auf den Prüfstand

  • Nur in einigen Bereichen wie der Bananen- oder Milcherzeugung halfen die EU-Gelder den Landwirten, wettbewerbsfähig zu bleiben.
  • Die Diversifizierung bei Ackerbau und Viehhaltung ist kaum vorangekommen.
  • Ökologische Herausforderungen und die Überalterung der Bauern gefährden die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft.

EU-Mittel sind nach wie vor wichtig, um die Landwirtschaft in den entlegensten Gebieten Europas zu erhalten. Inwiefern diese Gelder zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Diversifizierung führen, hängt jedoch von der Region und dem Agrarbereich ab. Dies geht aus einem neuen Bericht des Europäischen Rechnungshofs hervor. Die EU stellt durch ihr sogenanntes POSEI-Programm jährlich bis zu 653 Millionen Euro bereit, um den besonderen Bedürfnissen ihrer "Gebiete in äußerster Randlage" gerecht zu werden. Das POSEI wird dabei durch Finanzhilfen aus Töpfen außerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ergänzt, etwa aus den Bereichen Kohäsion, staatliche Beihilfen oder Handelspolitik.

Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, mit denen die EU-Gebiete in äußerster Randlage konfrontiert sind – vor allem ihre Abgelegenheit, ihre Insellage und ihre Abhängigkeit von Einfuhren –, wurde Anfang der 1990er-Jahre das Finanzierungsinstrument POSEI eingeführt, um die lokale Landwirtschaft zu unterstützen und die Versorgung dieser Gebiete mit lebenswichtigen Agrarprodukten sicherzustellen. Das Instrument kommt in drei EU-Ländern zur Anwendung: in Frankreich (Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion, St. Martin und Mayotte), Spanien (Kanarische Inseln) und Portugal (Azoren und Madeira). Die wichtigsten traditionellen Agrarzweige in diesen Regionen sind Bananen, Zucker und Zuckerrohr, Milch- und Fleischerzeugung sowie Tomaten.

"Das POSEI-Programm der EU für ihre Gebiete in äußerster Randlage hat wichtige Unterstützung geleistet und einigen Bereichen der Landwirtschaft geholfen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Nachhaltigkeit wurde dabei aber vernachlässigt", so Klaus-Heiner Lehne, das für die Prüfung zuständige Mitglied des Rechnungshofs. "Die EU-Hilfe für die traditionelle Landwirtschaft muss neu bewertet, die Diversifizierung der Ackerkulturen und des Viehbestands verstärkt und der Nutzen für Endverbraucher von mit EU-Geldern unterstützten Importen eingehender untersucht werden."

Der Großteil der POSEI-Unterstützung komme den traditionellen Sektoren zugute, damit diese sich weiterentwickeln und bei Erzeugung, Qualität und Preis wettbewerbsfähiger werden können. So habe das POSEI zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Bananenanbaus im Allgemeinen und der Milchproduktion auf den Azoren beigetragen. Allerdings sei es mit dem Programm nicht gelungen, Tomaten von den Kanarischen Inseln oder Zucker aus den französischen Gebieten in äußerster Randlage wettbewerbsfähig zu halten. Beide hätten aufgrund starker Konkurrenz aus Nicht-EU-Ländern Marktanteile verloren.

Im Bananengeschäft, in das mit 42 % (277 Millionen Euro im Jahr 2023) die meisten POSEI-Gelder fließen würden, konzentrierten sich die EU-Mittel auf einige wenige große Erzeuger in den französischen Überseegebieten. In einigen Regionen in äußerster Randlage der EU würden bei der Förderung sogar Produktionsverluste oder vom Markt genommene Mengen berücksichtigt.

Obwohl auf dem EU-Markt für in der EU erzeugte Bananen höhere Einzelhandelspreise als für Bananen aus Drittländern erzielt werden könnten, kämen die meisten Gewinne im Einzelhandel den Zwischenhändlern und nicht den Erzeugern zugute, deren Einnahmen häufig nicht kostendeckend seien.

Im Zucker- und Zuckerrohrsektor – ein Schlüsselbereich für die Wirtschaft der französischen Überseegebiete – würden zwar Aspekte der Sozial- und Kreislaufwirtschaft berücksichtigt, doch seien die finanzielle Tragfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche weiterhin schwach. Bei Tomaten – einst ein wichtiger traditioneller Agrarzweig auf den Kanarischen Inseln – sei trotz der EU-Hilfen ein starker Rückgang der Produktion und der Ausfuhren zu verzeichnen. Hingegen habe das POSEI dazu beigetragen, den Milchsektor der Azoren wettbewerbsfähig zu halten und eine stabile Erzeugung sicherzustellen.

Dennoch sei die langfristige Zukunft dieser Bereiche durch die ökologischen, klimatischen und demografischen Herausforderungen der isolierten Gebiete bedroht. Große landwirtschaftliche Flächen mit Dauerkulturen stellten aufgrund mangelnder Anbaudiversifizierung und Fruchtfolge eine Belastung für die Bodenqualität dar. Die Prüfer stellen fest, dass die POSEI-Programme der Anpassung an den Klimawandel nicht ausreichend Rechnung tragen, obwohl die Gefahr extremer Wetterereignisse wie Wirbelstürme und lang anhaltende Dürren zunehme. Diese Probleme würden durch die Überalterung der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung noch verstärkt.

Die Prüfer fordern die EU-Kommission auf, die finanziellen Hilfen für die traditionelle Landwirtschaft in den Gebieten in äußerster Randlage zu überprüfen, die Diversifizierung der Anbaukulturen und des Viehbestands zu erhöhen und besser zu bewerten, ob die Unterstützung für Einfuhren tatsächlich den Endverbrauchern zugutekommt.

Hintergrundinformationen

Seit der letzten Wirtschaftlichkeitsprüfung des Rechnungshofs zum POSEI, deren Ergebnisse im Sonderbericht 10/2010 "Sondermaßnahmen zugunsten der Landwirtschaft der Regionen in äußerster Randlage und der kleineren Inseln des Ägäischen Meeres" veröffentlicht wurden, sind mehr als 15 Jahre vergangen. In dem Bericht hatte der Rechnungshof anerkannt, dass Sondermaßnahmen wirksam und äußerst wichtig für die Landwirtschaft sind, hatte jedoch auch Schwachstellen bei ihrer Verwaltung festgestellt.

Die neue Prüfung des Rechnungshofs konzentriert sich auf POSEI-Programme in Frankreich, Spanien und Portugal im Zeitraum 2019–2023. Die Prüfungsergebnisse sollen der Europäischen Kommission und den betreffenden EU-Ländern dabei helfen, ihren Ansatz zu optimieren und sicherzustellen, dass mit den EU-Mitteln konkrete Ergebnisse erzielt werden, nämlich dass die lokale Landwirtschaft gestärkt und die Ernährungssicherheit in den entlegensten Gebieten der EU gewährleistet wird.

Der Sonderbericht 03/2026 "Sondermaßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft in den Gebieten in äußerster Randlage der EU: Tragen dazu bei, dass die Landwirtschaft wettbewerbsfähig bleibt, doch ist die langfristige Entwicklung unsicher" sowie ein Kurztext mit den wichtigsten Fakten und Feststellungen stehen auf der Website des Europäischen Rechnungshofs zur Verfügung.

Contact:

ECA press office: press@eca.europa.eu

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