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21.10.2012 – 21:33

Schwäbische Zeitung

Schwäbische Zeitung: Kuhns Sieg überrascht nicht - Leitartikel

Leutkirch (ots)

Auch das noch! Der Verlust des Stuttgarter OB-Postens konfrontiert die CDU in Baden-Württemberg aufs Neue mit einer für die Partei schmerzhaften Erkenntnis: Sie kann mit ihren Konzepten und Köpfen nicht mehr in gewohnter Manier ankommen. Das ist bitter für eine Partei, die jahrzehntelang die Macht im Land hatte. Schon der Ausgang der vergangenen Landtagswahl hat den Stolz der Christdemokraten verletzt. Gestern ging ihnen der nächste Prestigeposten verloren - wieder an einen Grünen. Doch eine Sensation ist das nicht mehr.

Warum hat sich Fritz Kuhn durchgesetzt? Bestimmt nicht wegen seiner kühnen Visionen oder wegen seiner großen Ausstrahlung. In Stuttgart an die Macht kommt ein Grüner, der nicht mehr zur politischen Avantgarde seiner Partei gehört. Kuhn hat längst die Nische der Anti-Atomkraft-Bewegung hinter sich gelassen. Und er steht auch für das bürgerliche Milieu, in dem sich die Grünen - vor allem zulasten der CDU - ausgebreitet haben.

Aber auch das hat eine Mehrheit der Stuttgarter gestern klargemacht: Sie haben genug von der wegen Stuttgart21 gereizten Grundstimmung in der Stadt. Sie wünschen sich mehr Ruhe und Sachlichkeit in dieser Debatte. Das ist eine klare Absage an die aggressiven Töne, die Sebastian Turner in der Endphase des Wahlkampfes angeschlagen hat.

Turner hat sich aber nicht nur in dieser Frage verschätzt. Er hat auch seine Startvorteile nicht genutzt: ein breites Bündnis an Unterstützern und das Plus, gebürtiger Stuttgarter zu sein. Das war ihm aber nicht anzumerken, er schien zu fremdeln. Die "Brezel-Kampagne" des früheren Werbefachmanns wirkte zudem eher anbiedernd als kreativ.

Doch allein trägt er nicht die Schuld an der Niederlage. Die Tatsache, dass die CDU in diesem so wichtigen Wahlkampf einen parteilosen Kandidaten ins Rennen geschickt hat, belegt deren Dilemma. Kluge, attraktive Köpfe sind Mangelware. Seiteneinsteiger wie Turner bringen zu wenig Stimmen hinter sich, wenn der Hauptkonkurrent einen Namen hat - und ein versierter Wahlkämpfer ist.

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