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ARD-Magazin GLOBUS: Schacht Konrad statt Gorleben?

    Köln (ots)- Der renommierte Geologe und Endlagerforscher Prof.
Klaus Duphorn spricht sich im ARD-Magazin "GLOBUS - Aus Forschung und
Umwelt" (Das Erste, 25. April, 21.45 Uhr) dafür aus, den in der Nähe
von Salzgitter liegenden 'Schacht Konrad' künftig auch als Endlager
für hochradioaktiven Müll zu nutzen. Nach Abwägung aller weltweit
bislang diskutierten Endlageroptionen empfiehlt er, den Standort
Gorleben endgültig aufzugeben und stattdessen auf Schacht Konrad zu
setzen.
    
    14.000 Tonnen hochradioaktiver Müll werden bis zum Ende des
Atomausstiegs etwa im Jahr 2022 in Deutschland angefallen sein. Und
der muß dann für gut hunderttausend Jahre sicher aufbewahrt werden.
Es fragt sich nur wo: Als die rot/grüne Bundesregierung vor knapp
zwei Jahren die Erkundung des Salzstocks Gorleben stoppte, wurden
Gorleben-Befürworter ausdrücklich beruhigt: Es lägen keine konkreten
Anhaltspunkte dafür vor, daß der Standort nicht für das geplante
Endlager geeignet sei. Tatsächlich aber ist Deutschland der einzige
Staat weltweit, der noch an Salzgestein  als Lagerstätte  für
Atommüll festhält. Allerdings derzeit auch nur noch auf dem Papier:
Ein von der Bundesregierung eingesetzter 'Arbeitskreis
Auswahlverfahren Endlager' soll im Lauf der kommenden Jahre noch
einmal alle Forschungsarbeiten sichten und dann ein Kriterienkatalog
erarbeiten, nach dem das künftige Endlager auszusuchen sei.  Neben
verschiedenen Vertretern der Atomwirtschaft sind in diesem Gremien
auch kritische Stimmen vertreten, neben Michael Sailer vom
Öko-Institut zum Beispiel auch Prof. Klaus Duphorn, der seit
Jahrzehnten überwiegend im Auftrag der niedersächsischen
Landesregierung als Gutachter zu Gorleben tätig war.
    
    Er hält Gorleben prinzipiell für ungeeignet: "Unglücklicherweise,
das haben unsere Bohrungen ergeben, ist die Tondecke über dem
Salzstock auf einer Fläche von viereinhalb Quadratkilometern, einer
großen Fläche also, von einem Gletscher des nordischen Inlandeises,
abgehobelt worden. Das heißt, das dort grundwasserführende Sande und
Kiese direkt auf der Oberfläche des Salzstockes liegen."
    
    Ein an der Decke von Wasser angenagter Salzstock ist schon nach
offiziellen Kriterien bestenfalls weniger geeignet. Doch es gibt auch
prinzipielle Einwände gegen Salz. Das Natriumchlorid kann sich unter
radioaktiver Bestrahlung in Natrium und Chlor trennen, bei Wärme-
oder Wasserzufuhr ist das entstehende Gemisch dann ausgesprochen
explosiv. Außerdem sind Salzstöcke nicht so homogen, wie deren
Befürworter das oft darstellen, so schildert etwa Professor Duphorn
eine Explosion im nicht unweit von Gorleben gelegenen Schaft
Glückauf, bei der 1954 zwölf Bergleute getötet wurden, nachdem durch
eine Spalte im Steinsalz Methan eingedrungen war. Daran wird laut
Duphorn deutlich, daß auch in Salz jederzeit Wasser eindringen kann,
was für ein Endlager katastrophale Folgen hätte.
    
    In anderen Ländern wurde lange Granit intensiver erforscht. Es ist
hart, wasserundurchlässig und schirmt Strahlung gut ab. Gerade durch
seine Härte bricht es jedoch bei tektonischen Spannungen
ausgesprochen leicht, so daß in der Praxis fast alle harten Gesteine
von Rissen durchzogen sind, durch die schließlich doch Grundwasser
eindringen kann. Die Schweiz hat deshalb ihre fast 20 Jahren
dauernden Versuche im Felslabor Grimsel mittlerweile ad acta gelegt.
    
    Zumindest im europäischen Rahmen wird mittlerweile eindeutig
Tongestein bevorzugt. Es ist absolut wasserdicht. Eventuell
vorhandene Risse werden vom Ton selbsttätig wieder geschlossen - und
das Gestein kann in gewissem Ausmaß sogar langfristig Teile des
Atommülls chemisch binden, mineralisieren. Professor Duphorn teilt
die Vorliebe der Schweizer für dieses Gestein: "Wir haben das
Schweizer Labor im Tongestein mit dem Arbeitskreis Auswahlverfahren
Endlager in der letzten Woche des März besichtigt und das war
überzeugend". Während die Schweiz nun in der Nähe des Bodensees, am
Wellenberg und in Benken je ein Lager für mittel- und hochaktiven
Müll im Tongestein plant,  haben auch die Deutschen bereits intensive
Erfahrungen mit Tongestein sammeln können: im Schacht Konrad bei
Salzgitter, der in den vergangenen Jahren zum potentiellen Lager für
mittelaktiven Müll ausgebaut wurde. Professor Klaus Duphorn würde dem
Standort auch hochaktiven Müll anvertrauen: 'Die Schweitzer
Tonformation hat eine Mächtigkeit von einhundert Metern. Die Ton- und
Tonmergelschichten in denen der Schacht Konrad steht, haben eine
Mächtigkeit von 400 Metern. So eine gute geologische Gesamtsituation
habe ich noch an keiner anderen Stelle der Welt gesehen'
    
    Redaktion      Gabriele Conze
    
    
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