World Vision Deutschland e. V.

Noch keine Einigung über Einsatz von Kindersoldaten
Genfer Verhandlungen über Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention vor dem Scheitern?

    Genf/Friedrichsdorf (ots) -
    
    
    * Mehrheit der Staaten sprechen sich strikt gegen jeden Einsatz
        von Unter-18jährigen in bewaffneten Konflikten aus
    * USA gegen Altersbegrenzung von 18 Jahren
    * Einigung erzielt über weltweites Verbot von Zwangsrekrutierung
        von unter 18-Jährigen
    * Regierungen auch uneins bei Rekrutierung von Freiwilligen
    
    Die UN-Verhandlungen über ein Zusatzprotokoll zur
Kinderrechtskonvention in Genf sind an ihrem kritischen Punkt
angelangt. In der Frage des Mindestalters für den Einsatz von
Personen bei bewaffneten Konflikten kommt es in den nächsten Tagen
entweder zu einem entscheidenden Durchbruch oder zum Scheitern der
Verhandlungen.  Auch beim Mindestalter für die Rekrutierung von
Freiwilligen ist die Arbeitsgruppe von einer Einigung weit entfernt.
    
    Eine überwältigende Mehrheit der Regierungen hat sich in Genf
nachdrücklich und uneingeschränkt für eine Heraufsetzung des
Mindestalters von Soldaten in bewaffneten Konflikten von 15 auf 18
Jahre ausgesprochen. Die USA dagegen wandten sich gegen das Alter 18
als Eintrittsalter für den Kampfeinsatz. Die amerikanische Position
wurde nur von Kuwait, Ägypten und Singapur unterstützt. Die
Vertreterin der Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten, Jo
Becker, zum Stand der Diskussion: "Ohne eine Heraufsetzung auf 18
Jahre ist es besser, kein Zusatzprotokoll zu verabschieden." Auch in
der Frage der Rekrutierung von Freiwilligen für den Wehrdienst konnte
noch keine Einigung erzielt werden.
    
    Dagegen verständigten sich die Regierungsvertreter darauf, die
Zwangsrekrutierung von Unter-18jährigen weltweit zu ächten und von
den Regierungen zu verlangen, jegliche Rekrutierung und jeden
Kampfeinsatz von Kindern unter 18 Jahren durch Rebellengruppen unter
Strafe zu stellen.

    Die Altersgrenze von 18 Jahren gilt allgemein als das Alter der
Mündigkeit. Die vor zehn Jahren verabschiedete
Kinderrechts-konvention definiert ein Kind als eine Person unter 18
Jahren, setzt aber die Altersgrenze für den Militäreinsatz auf
unver-ständliche 15 Jahren, weshalb zahlreiche Regierungen
einschließlich der deutschen seit Jahren ein Zusatzprotokoll fordern.
"Alle Regierungen haben 18 als die Grenze zwischen Kindheit und
Erwachsensein anerkannt," so Becker, "was also könnte den
Kriegseinsatz von Kindern rechtfertigen?"
    
    Teilnehmer der UN-Arbeitsgruppe hatten sich alarmiert gezeigt über
die wachsende Zahl von derzeit 300.000 Kindersoldaten in der Welt,
von denen die meisten für Rebellengruppen in Afrika kämpfen.
Kindersoldaten gibt es aber auch in Europa, die jüngsten bei der
Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zur Zeit werden Kinder in 30
bewaffneten Konflikten als Kämpfer, Lastenträger und Spione
eingesetzt. "Es gilt, den Gebrauch von Kindersoldaten weltweit zu
ächten und all denen das Handwerk zu legen, die sich an Kindern und
Jugendlichen schuldig machen", sagte Kurt Bangert, Pressesprecher von
World Vision Deutschland.
    
    Mehrere Regierungen hatten im Vorfeld zu den Verhandlungen das
Rekrutierungsalter im eigenen Land gesetzlich auf 18 heraufgesetzt.
Diese Altersgrenze für den Einsatz von Soldaten wurde u.a. von
folgenden Regierungen befürwortet: Äthiopien, Australien,
Argentinien, Belgien, Chile, China, Deutschland, Finnland,
Frankreich, Georgien, Indien, Iran, Israel, Italien, Japan, Kanada,
Korea, Kuba, Malaysia, Mexiko, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen,
Polen, Portugal, Österreich, Schweden, die Schweiz, Slowakei,
Slowenien, Sri Lanka, Südafrika, Tschechien, Türkei, Uruguay und der
Vatikan.
    
    World Vision, das Entwicklungshilfe und Katastrophenhilfe leistet,
ist Mitglied der Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Für
weitere Informationen steht Ihnen Kurt Bangert zur Verfügung.
    
    Mobilfunknummer: 0172 - 212 77 38
    
    
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