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Westfalen-Blatt: Die Tat von Orlando: Restrisiko - Preis der Freiheit

Bielefeld (ots) - Der Terror von Orlando richtete sich nicht nur gegen einen Schwulen-Club in Florida. Der Attentäter zielte auf das Herz der freien Gesellschaften, die Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstehen. Das friedliche Mitein-ander von Menschen verschiedener ethnischer, kultureller und religiöser Herkunft, die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen, kurz der Pluralismus der Lebensweisen ist die Essenz westlicher Werte. Omar Saddiqui Mateen nahm mit seinem Hass uns alle ins Visier. Der 911-Notruf, bei dem Mateen dem Islamischen Staat die Treue schwor, sollte Weckruf sein, uns auf gemeinsame Werte zu besinnen. Wer versucht, eine solche Tragödie politisch auszuschlachten, betreibt das Geschäft des Täters. Nichts hilft den hasserfüllten Extremisten mehr als innere Verwerfungen, Überreaktionen und Uneinigkeit. Deshalb ist es so verwerflich, wenn Donald Trump wenige Stunden nach dem Massaker damit beginnt, Schuld zuzuweisen. Zumal inzwischen klar scheint, dass Mateen auf eigene Faust als sogenannter »einsamer Wolf« handelte und keine Hintermänner des IS hatte. Die von Trump und anderen Rechtspopulisten suggerierte Idee, in offenen Gesellschaften lasse sich so etwas wie totale Sicherheit herstellen, grenzt an magisches Denken. Wer das für erstrebenswert hält, dürfte sich in einem Polizeistaat wie Nordkorea wohlfühlen. Zum Preis der Freiheit gehört es, mit einem Restrisiko leben zu müssen. Allerdings gibt es sinnvolle Schritte, die unternommen werden können, Massaker wie das in Florida zu verhindern. Allen voran gehört eine Reform der Waffengesetze. Dass ein Terrorist ohne Probleme in ein Waffengeschäft gehen kann, um eine Kriegswaffe zu kaufen, bleibt unverständlich. Wichtig ist aber auch, Ross und Reiter zu benennen. Omar Mateen war ein Extremist, der den Namen des Islam benutzte, einen von Hass gegen Schwule und Lesben getriebenen Terrorakt zu verüben. Das lässt sich weder beschönigen noch verschweigen. Die schlimmste Terroranschlag auf amerikanischen Boden seit dem 11. September zeigt, dass die Auseinandersetzung mit IS und anderen Fanatikern noch nicht vorüber ist. Deren Extremismus bleibt eine tödliche Bedrohung - von Paris über Brüssel bis nach Orlando. Leider ist dies auch die Stunde der Rattenfänger, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Trumps Forderung, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren gefährdet die Sicherheit. Den Verlockungen des plumpen Populismus nicht zu erliegen, muss das Gebot der Stunde sein. Nicht Angst, sondern die mutige Verteidigung unserer gemeinsamen Werte machen Gesellschaften stark, dem Terror zu widerstehen. Das war so richtig nach dem 11. September, wie es heute richtig bleibt nach dem Anschlag in Orlando.

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