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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Karneval

Bielefeld (ots) - Wenn sich schon die Wetterfrösche nicht einig sind, wie sollen dann die Verantwortlichen der Karnevalsumzüge zu einem einheitlichen Urteil kommen? Hinterher ist man sowieso schlauer. In Köln schien die Sonne, in Düsseldorf bestand angeblich Tornadogefahr. In Rietberg fiel der Umzug aus, in Delbrück nicht. Daran gibt es nichts zu kritisieren. Die Sicherheit geht natürlich vor. Immer. Die Tragödie bei der Duisburger Loveparade hat Vereine und Veranstalter in Sachen Großveranstaltungen sensibler werden lassen. Dieses Fingerspitzengefühl ist angemessen, solange sie in Zukunft nicht in übertriebene Angst übergreift. Denn eine hundertprozentige Sicherheit kann es nie geben. Zugegeben: Für viele Jecken zwischen Rhein und Weser war der diesjährige Rosenmontag ein trauriger Tag. Ein Jammer für die Narrenfreunde, die so viel Zeit, Arbeit und Leidenschaft in den Wagenbau investiert hatten. Doch in den Orten, in denen der Umzug abgesagt wurde, ging die Post trotzdem ab. Gut so! Wie solch eine Euphorie ins Gegenteil umschlagen kann, gab es am Wochenende auch einige Beispiele. Mit Spaß hatten einige Karnevalswagen, wie im oberbayerischen Steinkirchen und im südthüringischen Wasungen, fast gar nichts zu tun. Dort waren Wagen zu sehen, die in einem möglichen Wettbewerb um Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten sind. So rollte ein »Panzer« mit der Aufschrift »Ilmtaler Asylabwehr« durch die Straßen. Soll etwa mit einer Kanone auf Flüchtlinge geschossen werden? Das nennen die sogenannten Spaßvögel auch noch »Asylpaket III«. Die Not der Menschen in Syrien und im Irak sind ganz real. Wer sich darüber lustig macht, kann ein Narr sein. Mit Karneval hat das herzlich wenig zu tun. Ähnlich sieht es in Südthürigen aus, als auf einer »Dampflok« »Die Ploach kömmt« (»Die Plage kommt«) zu lesen war. Zur Tradition des Karnevals gehört, dass die Narren die politische Obrigkeit auf die Schippe nimmt. Schon in den vergangenen Jahren hat es immer wieder Mottowagen gegeben, die knapp daneben waren. Aber so ist das mit der Kunst- und Meinungsfreiheit: Sie darf fast alles. Bisweilen ist sie nur schwer zu ertragen. Aber was wären wir ohne sie? Saudi-Arabien und der Iran sind hier ein unrühmliches Beispiel. Narrenfreiheit besteht aus Narren und Freiheit. Auf nichts wollen wir verzichten.

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