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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Neues Schul- und Kita-Jahr Es wird schwer Carsten Heil

Bielefeld (ots) - Die Sommerferien sind vorbei. Die kleinen Kinder besuchen wieder ihre Kitas, die etwas älteren sitzen als Schülerinnen und Schüler wie die Lehrerinnen und Lehrer wieder in der Schule. Für manche war es ein harter Aufprall im Alltag. Und es gehört keine prophetische Gabe dazu, vorherzusagen, dass es für die meisten in den kommenden Wochen nicht einfacher werden wird. Denn zu den schon vor den Ferien vorhandenen alltäglichen Problemen sind weitere gekommen. Erst zu Wochenbeginn hat der Landesrechnungshof (LRH) den weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen bescheinigt, dass sie deutlich zu wenig Unterricht anbieten. Wohlgemerkt, er hat nicht Unterrichtsausfall beklagt. Das wäre nicht neu. Der LRH hat bemängelt, dass von vornherein zu wenig Unterricht angeboten wird. Der Ausfall von Zigtausenden Stunden kommt noch hinzu. Die Schulen kommen hier ihrer Schulpflicht nicht nach - die schließlich nicht nur die Schüler trifft. Der Rechnungshof ist kein Interessenverband wie eine Gewerkschaft oder eine Lehrervertretung. Das Schulministerium sollte die Hinweise deshalb ernst nehmen und nicht mit angeblich unsauberen Vergleichszahlen abwiegeln, wie es so oft im Haus von Ministerin Sylvia Löhrmann versucht wird. Ausstattung, Organisation und Kontrolle scheinen in den Schulen im Argen zu liegen. Zusätzlich belastet werden sie von Bürokratie. Demotivation ganzer Lehrkörper ist die Folge. Auf dieses schon im Normalbetrieb am Rande der Erschöpfung arbeitende System kommt nun vielerorts die Aufgabe zu, neben der noch nicht bewältigten Inklusion von Schülern mit Handicap auch Flüchtlingskinder zu beschulen. Vorbereitung: Fehlanzeige. Hilfestellung: null. Information: mangelhaft. Wie sollen Lehrer mit eventuell traumatisierten Kindern aus Syrien oder dem Irak umgehen, deren Sprache sie nicht verstehen, von denen sie nicht viel mehr wissen, als dass sie da sind? Man habe das nicht vorhersehen und planen können, so die Entschuldigung von Schulministerin Löhrmann. Stimmt auf der einen Seite, ist auf der anderen für die Schulen aber zu wenig. Nicht viel besser ist es in den Kitas des Landes. Auch dort können demnächst Flüchtlingskinder vor der Tür stehen. Da sorgt die gescheiterte Tarifverhandlung mit neuen Streiks nicht für Entspannung. Schon planen Kommunen wie Bielefeld, nur noch Räumlichkeiten bereitzustellen. Die Betreuung der Kleinen könnten dann ja die Eltern übernehmen, so der Plan. Kita-Gebühren sollen sie dafür bestimmt auch noch entrichten. Das führt zu viel Frust auf allen Seiten. Bei Lehrern und Erzieherinnen, bei Eltern und schließlich auch den Kindern. Daraus entsteht schnell eine Spirale nach unten. Mangelverwaltung herrscht ausgerechnet dort, wo es um die Zukunft des Landes geht. Wenn eine Landesregierung nicht mehr tut als unbedingt notwendig und sogar noch weniger, wie der LRH nachgewiesen hat, besteht die Gefahr einer Krise, wenn Sonderlagen entstehen wie derzeit. Ohne eine Offensive von Bund, Ländern und Kommunen wird sich der Notstand festfressen. Es ist nicht zu verstehen, dass ein reiches Land für Bildung, Ausbildung und Betreuung der künftigen Generation kein Geld hat. Das neue Schul- und Kita-Jahr beginnt sehr schwierig.

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