Greenpeace e.V.

Greenpeace findet giftige Chemikalien in Europas Parlamenten
EU versagt beim Schutz vor gefährlichen Stoffen

Brüssel/Hamburg (ots) - Im Hausstaub von acht Parlamentsgebäuden in der Europäischen Union hat Greenpeace zum Teil erhebliche Konzentrationen giftiger Chemikalien gefunden. Als Quellen für diese Belastung kommen unter anderem Computer oder Bodenbeläge aus PVC oder Textilien in Frage. Im Berliner Reichstag wurden mit 3,5 Milligramm pro Kilogramm Staub die höchsten Konzentrationen von Organozinnverbindungen wie dem Hormongift TBT (Tributylzinn) gefunden. Für Umweltgifte wie TBT gibt es keine unbedenklichen Werte, da es sich um hormonell wirksame Substanzen handelt, die schon in kleinsten Mengen Beeinträchtigungen hervorrufen können. In den Parlamenten von Dänemark, Finnland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich und Schweden wies Greenpeace außerdem deutliche Belastungen mit bromierten Flammschutzmitteln nach. Beide Stoffgruppen können das Immun- und Hormonsystem schädigen und Krebs auslösen. "Wir haben bewußt Proben in Parlamenten genommen. Die Politiker, die über Chemikalien-Gesetze debattieren und zu wenig unternehmen, sind selbst dauernd von diesen Stoffen umgeben," so Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. "Die von uns gefundenen Mengen wirken zwar nicht akut giftig, aber Langzeitschäden sind nicht auszuschließen. Daher muss die Reichstagsverwaltung schnell die Quellen finden und beseitigen." Moderne Chemieschadstoffe werden immer mehr zu Alltagsbelastungen, ob im Hausstaub, in Textilien oder in Nahrungsmitteln. Verantwortlich dafür ist ihr offener Einsatz durch die Chemieindustrie und das Versagen der bisherigen EU-Chemikalienpolitik. Die EU hatte sich schon 1998 verpflichtet, die Umweltbelastung durch Chemikalien zu vermindern. Trotzdem dürfen Giftstoffe wie Organozinnverbindungen, Phthalate (Weichmacher in PVC-Produkten) oder bromierte Flammschutzmittel in der EU bislang in Konsumprodukten eingesetzt werden. Die meisten der rund 30.000 Chemikalien am EU-Markt wurden bisher noch nicht näher auf giftige Eigenschaften untersucht - vermarktet werden sie dennoch. Gleichzeitig nehmen Allergieerkrankungen, zu deren Entstehung Umweltchemikalien beitragen, in Europa dramatisch zu. Die dadurch entstehenden Kosten werden von der EU-Kommission bereits auf 29 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Die bisher geplante Reform des EU-Chemikalienrechts reicht nicht aus, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Die EU-Kommission hatte am 13. Februar ihr "Weißbuch ,Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik'" vorgelegt. Dieser Entwurf enthält zwar begrüßenswerte Verbesserungsansätze wie eine Zulassungspflicht für gefährliche Chemikalien. "Aber die Bundesregierung muss sich noch für eine deutliche Verschärfung der Weißbuch-Vorschläge einsetzen," fordert Manfred Krautter. "Chemikalien, die auch nur im Verdacht stehen, Umwelt und Gesundheit zu schädigen, müssen sofort vom Markt genommen werden." ots Originaltext: Greenpeace Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Manfred Krautter, Tel. 040-30618-358 oder Pressesprecherin Svenja Koch, Tel. 040-30618-383. Den Greenpeace-Report zur Giftbelastung der Parlamente und eine Stellungnahme zum EU-Weißbuch (auf englisch) senden wir Ihnen gerne zu. Internet-Info: www.greenpeace.de Original-Content von: Greenpeace e.V., übermittelt durch news aktuell

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