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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Katia Meyer-Tien zum Muttertag

Regensburg (ots) - Ja, es nervt, wenn der letzte Papposterhase im Supermarkt übergangslos durch das blinkende Muttertagsherz ersetzt wird. Und es ist mindestens fragwürdig, wenn Familienarbeit und Kindererziehung noch immer hauptsächlich der Frau zugeschrieben werden. Den Muttertag deswegen aber als Tag des Kommerzes oder als Mittel zur Zementierung von Rollenklischees zu verteufeln, das hieße, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Rolle und Bild der Mutter haben sich enorm gewandelt. Noch vor wenigen Jahren galt das Hausfrau-und-Muttersein selbstverständlich als Vollzeitbeschäftigung. Heute stehen "Nur-Mütter" unter Rechtfertigungsdruck, wer nicht spätestens nach drei Jahren Elternzeit wieder in den Beruf einsteigt, wird schräg angesehen. Trotzdem sind es noch immer in vielen Fällen die Mütter, die - ob berufstätig oder nicht - für Essen, Wäsche und nächtliches Monstervertreiben zuständig sind. Nur heute eben als Nebenjob, unbezahlt natürlich. Sehr viele tun das gerne. Andere aber bereuen es durchaus, Karrierechancen, Selbstbestimmung und nächtliches Durchschlafen für das Muttersein aufgegeben zu haben - die aktuelle Regretting-Motherhood-Diskussion zeigt das deutlich. Man kann sich wünschen und daran arbeiten, dass sich die gesellschaftlichen Realitäten ändern. Bis dahin aber anzuerkennen, was Mütter tagtäglich leisten, sollte unabhängig von Rollenklischees und Kommerz möglich sein. Wenigstens an einem Tag im Jahr.

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