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Mittelbayerische Zeitung: Riskantes Bohren - Die Bundesregierung will das umstrittene Fracking nicht verbieten. Der Kompromissvorschlag ist sinnvoll. Von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) - Fracken bedeutet so viel wie aufbrechen. In den USA spricht man inzwischen sogar von einer Fracking-Revolution. Dort wird aus Tausenden Bohrlöchern aus tiefem Gestein unter hohem Druck mit einem Wasser-Chemikalien-Cocktail Gas und Öl gewonnen. Das Gestein, das die konventionelle Erschließung dieser Energiequellen bis dahin verhinderte, wird aufgesprengt, aufgebrochen. Seit in Nordamerika diese, allerdings nicht billige, sondern aufwendige Fördertechnologie angewandt wird, verschieben sich sogar geostrategisch einige Gewichte. Onkel Sam vertraut auf die neuen, eigenen Rohstoffquellen und schaut nicht mehr ganz so gebannt darauf, was in den klassischen Öl- und Gasförderstaaten des Nahen und Mittleren Ostens geschieht. In der Folge kamen zuletzt auch der Öl- und Gaspreis unter Druck. Russland etwa, dessen Staatshaushalt auf einem hohen Ölpreis aufbaut, bekommt große Probleme. Und was hat das Fracking mit Deutschland zu tun, das selbst kaum Öl und Gas fördert? Eine ganze Menge. Erstens können wir uns von den globalen Entwicklungen nicht abkoppeln, so oder so nicht. Die zurzeit relativ niedrigen Weltmarktpreise stützen die Konjunktur. Wenn die Menschen weniger fürs Tanken und fürs Heizen ausgeben müssen, bleibt Geld für andere Ausgaben übrig. Zweitens jedoch eröffnet die Technologie des sogenannten unkonventionellen Frackings auch hierzulande neue fossile Energiequellen. Und die stellen sich Janus-köpfig dar. Will heißen, sie sind mit Chancen, aber auch einer Reihe von Risiken verbunden. Die Kunst besteht nun darin, die richtige Balance zwischen beiden zu finden. Mit einem "Im Prinzip nein, aber" will die Bundesregierung für das bislang weithin ungeregelte unkonventionelle Fracking nun einen verlässlichen Gesetzesrahmen schaffen. Umweltschützer und Bürgerinitiativen vor Ort dürften diesen Kompromiss für eine gefährliche Hintertür für das Fracking halten. Doch das Gesetzespaket ist gleichwohl sinnvoll, denn es setzt einerseits strikte Grenzen und ermöglicht es andererseits, weiter zu forschen. Ob es in Deutschland wirklich zum Fracking kommt, wonach es derzeit nicht aussieht, ist eine Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz. Anders als beim konsequenten Atomausstieg, der nach der Fukushima-Katastrophe in Windeseile vollzogen wurde, nimmt man sich bei der Fracking-Technologie nun Zeit. Anders als bei der Kernkraft, die seit Jahrzehnten genutzt wurde und deren Risiken und Entsorgungsprobleme wir ziemlich genau kennen, ist das unkonventionelle Fracken hierzulande noch weithin unbekannt. Deshalb ist es auch verständlich, dass die Fragen, Sorgen, Ängste, Zweifel überwiegen und viele Menschen gegen Fracking auf die Straße gehen. Niemand möchte sein Trinkwasser durch eine fragwürdige Fördertechnologie, mit der einige Unternehmen kräftig Geld verdienen wollen, gefährden, ja sogar vergiften lassen. Flüsse, Seen, Trinkwasser- und Naturschutzgebiete und ganz selbstverständlich auch die Brunnen von Brauereien dürfen keinesfalls negativ beeinflusst werden. Genau diese weitgehenden Ausnahmen für das Fracking macht jedoch das Gesetzespaket der Umweltministerin. Ganz wichtig ist auch, dass nicht ein irgendwie zusammengesetztes Expertengremium am grünen Tisch über Genehmigungen zu Probebohrungen entscheiden wird, sondern die Behörden in den Ländern. Heute gilt zwar ein politisches Moratorium fürs Fracken, zugleich aber ist nahezu alles erlaubt. Das Risiko, dass sich jetzt ein Förderunternehmen das Recht auf Fracking vor Gericht einklagt - und zwar ohne Prüfung der Umweltauswirkungen - muss endlich beseitigt werden.

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