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Mittelbayerische Zeitung: Stagnation in der Bildung Der aktuelle Vergleich zeigt kaum Fortschritte - dabei wären Verbesserungen in vielen Bereichen nötig. Von Louisa Knobloch

Regensburg (ots)

Die Ergebnisse der gestern vorgestellten IGLU- und TIMMS-Studie klingen erst einmal positiv: Im internationalen Vergleich schneiden deutsche Grundschüler im Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften gut ab. In allen drei Fächern liegen sie im oberen Drittel und damit über dem Durchschnitt der EU- und OECD-Staaten. Im Vergleich zu den Vorgänger-Studien 2001 und 2006 hat sich damit aber kaum etwas verändert - dabei wären im Bildungsbereich Verbesserungen dringend nötig. Thema Föderalismus: Ein Anfang Oktober veröffentlichter innerdeutscher Vergleich unter Viertklässlern in Deutsch und Mathematik hatte große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern aufgezeigt. Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen lagen hier vorne, Schlusslichter waren die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Statt bildungspolitischer Kleinstaaterei sind hier einheitliche Konzepte gefragt - ob es nun um Lehrpläne, die Ausstattung der Schulen oder Ganztagsangebote geht. Als Maßstab muss dabei das Land gelten, das in diesem Bereich erfolgreich ist - und nicht der kleinste gemeinsame Nenner. Auch die aktuelle Studie gibt trotz der scheinbar überdurchschnittlichen Ergebnisse Anlass zur Sorge: So schafften es in allen drei untersuchten Fächern nur relativ wenige Grundschüler in die höchste Kompetenzstufe V. Fortgeschrittene Leseleistungen erzielte nur rund jedes zehnte deutsche Kind (9,5 Prozent). In Mathematik erreichte sogar nur jeder zwanzigste Schüler fortgeschrittene Leistungen (5,2 Prozent), in den Naturwissenschaften sank die Zahl von 9,6 Prozent auf 7,1 Prozent. Andere Länder erreichten hier wesentlich höhere Quoten. Noch erschreckender sind die Zahlen der Schüler, die unter der Kompetenzstufe III bleiben. Das Erreichen dieser Stufe stellt die Minimalanforderung dar. Beim Lesen erreicht mehr als jedes sechste Kind (15,4 Prozent) kein ausreichendes Kompetenzniveau, in Mathematik sind es sogar 19,3 Prozent, in den Naturwissenschaften 22 Prozent. In der Sekundarstufe I, also ab der 5. Klasse, werden diese Kinder in den jeweiligen Fächern erhebliche Schwierigkeiten haben, schreiben die Experten des Instituts für Schulentwicklungsforschung zu der Studie. Hier muss dringend gegengesteuert werden - und das kostet Geld, etwa für zusätzliche Förderlehrer und den Ausbau der Ganztagsschulen. Die deutschen Bildungsausgaben liegen - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - allerdings schon seit Jahren unter dem OECD-Durchschnitt. Und noch etwas hat sich nicht geändert: Noch immer entscheidet die soziale Herkunft in Deutschland über Bildungschancen. Dass Arbeiter- und Migrantenkinder benachteiligt werden ist schon lange bekannt - doch bislang ist viel zu wenig passiert, um diese Ungerechtigkeit zu ändern. Die aktuelle Studie zeigt, dass Kinder aus Arbeiterfamilien in den drei untersuchten Fächern wesentlich höhere Leistungen erzielen müssen, damit Lehrer und Eltern für sie eine Gymnasiallaufbahn in Betracht ziehen, als Kinder aus bessergestellten Familien. Neben einer gezielten Förderung von Schülern aus sozial benachteiligten Familien und Schülern mit Migrationshintergrund ist auch ein Umdenken nötig. In der Aus- und Fortbildung sollten Lehrer für dieses Thema sensibilisiert werden. Wenn tatsächlich in Bayern die Studiengebühren fallen, wäre ein weiteres Zugangshindernis ausgeräumt. Das ist wichtig, denn Deutschland ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Doch nicht nur Politiker und Lehrer sind in der Pflicht, sondern auch die Eltern. Sie können im Alltag aktiv Vorbild sein - etwa wenn es um das Lesen geht, eine grundlegende Fähigkeit für den schulischen Erfolg. Klar: Wenn zu Hause ein volles Bücherregal lockt, die Eltern selbst gerne lesen und ihre Kinder mit in die Bücherei nehmen, dann ist der erste Schritt getan.

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