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Neue OZ: Kommentar zu Loveparade
Sauerland

Osnabrück (ots) - Makabre Zahlenbiegerei

Wären die Umstände nicht so tragisch, ginge das als schlechter Witz durch: Da will Duisburgs sesselklebender Oberbürgermeister Adolf Sauerland den Eindruck zerstreuen, er habe die Loveparade gegen allen guten Rat in seiner Stadt durchgedrückt; im selben Interview aber offenbart er sich als williges Rädchen in der Marketing-Maschinerie des windigen Veranstalters. Nach Vorrang der Politik sieht es jedenfalls nicht aus, wenn das gewählte Stadtoberhaupt nur für 250 000 Loveparade-Besucher planen lässt, aber "mehrere Millionen" ankündigt - ausdrücklich, weil es der Veranstalter so wollte.

Das wirft die Frage auf, was Sauerland mit dieser Ungeheuerlichkeit erklären oder gar beschönigen möchte. Dass hier der Schwanz mit dem Hund gewedelt hat? Dass es keinen Grund gab, mit solchen Zahlen verantwortungsbewusster umzugehen? Die gehören immerhin zu den Schlüsselgrößen von Sicherheitskonzepten für eine Großveranstaltung.

Sauerlands Zahlenbiegerei wirkt so makaber, nachdem 21 Raver im Gedränge gestorben und Hunderte verletzt worden sind. Jetzt erst damit hinterm Berg vorzukommen verstärkt den Eindruck, dass hier jemand Fehler an Fehler reiht, ohne je Einsicht in seine Mitschuld an der Katastrophe zu entwickeln.

Was zu weiteren Fragen führt: Wie lange will die Mehrheit im Stadtrat Sauerland noch stützen? Und aufgrund welcher Zahlen hat sie sich ihr Bild von der Loveparade gemacht?

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