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Neue OZ: Kommentar zu EU
Erweiterung
Island

Osnabrück (ots) - Zweckehe statt Liebesheirat

Lange hat sich Island in Sachen EU vornehm zurückgehalten - erst die Finanzkrise und der Beinahe-Bankrott des Inselstaates machten Europa und seine stabile Währung attraktiv genug für einen Beitritt. Vor diesem Hintergrund erscheint das Aufnahmegesuch Islands nicht wie der Wunsch nach einer Liebesheirat, sondern wie der Antrag für eine Zweckehe.

Das zeigen auch die ersten Gespräche, in denen sich gleich die unterschiedlichen Vorstellungen offenbaren: Island will sich bei der Fischerei nicht von der EU mit ihren Fangquoten hineinreden lassen. Der Inselstaat beharrt auf dem Walfang. Und zusätzlich mahnt Außenminister Skarphédinsson präventiv an, dass sich gefälligst alle Beteiligten an die Regeln halten und Entschädigungsforderungen gegen Island aus Zeiten der Finanzkrise ausblenden sollen. Große Töne für ein Land, das vor einem Jahr noch kurz vor der Pleite stand.

Vielleicht hatte Skarphédinsson im Hinterkopf, dass die Isländer dem EU-Beitritt noch zustimmen müssen: Gegenüber seinen Landsleuten kann er jedes minimale Zugeständnis der EU gut gebrauchen. Wer wollte es ihm da verdenken, mit Maximalforderungen in die Verhandlungen zu gehen? Klar ist aber auch: Die Europäer werden Island nicht reihenweise mit Sonderregelungen beglücken.

Zwei bis drei Jahre sind für die Verhandlungen angesetzt - Zeit genug, damit Skarphédinsson sich bewusst macht, dass Island die Staatengemeinschaft bittet und nicht umgekehrt und im Zweifelsfall derjenige sein muss, der nachgibt.

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