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Neue OZ: Kommentar zu Afghanistan

    Osnabrück (ots) - Praxisfern

    Man darf die Taliban als Bande von Mördern und religiösen Fanatikern bezeichnen. Eines sind sie jedoch nicht: korrupt. Grundsätzlich ist das von Außenminister Westerwelle unterstützte Aussteigerprogramm zwar in der Theorie keine schlechte Idee, um Mitläufer auf die Seite der afghanischen Regierung zu ziehen. Nur: In der Praxis wird nicht viel herumkommen.

    Denn erstens gibt es bereits seit Jahren solche Bemühungen vonseiten der schwachen Regierung in Kabul und der UNO - mit kläglichem Erfolg. Zweitens erwiesen sich auch alle Versuche von Briten und Amerikanern als deprimierend, mit Taliban-nahen Stammesführern tragfähige und verlässliche Vereinbarungen zu treffen. Afghanen, so sagt eben ein altes Sprichwort, kann man für eine Zeit anheuern, aber nicht kaufen.

    Wichtiger und effektiver für die Befriedung des Krisenherdes wäre es, dem Heer perspektivloser junger Afghanen vernünftige Zukunftschancen zu bieten.

    Ein bitteres Beispiel bietet seit Jahren die sogenannte afghanische Polizei. Für deren Aufbau war Deutschland zuständig - eine Blamage sondergleichen. Tatsächlich laufen gerade frisch ausgebildete Rekruten noch heute in großer Zahl zum Feind über - weil der in der Regel doppelt so viel bezahlt wie die gewählte Regierung, sprich 140 Euro statt 70 Euro im Monat. Wer den Taliban den Zulauf erschweren will, muss nicht zuletzt in die Gehälter der Polizisten investieren.

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