Neue Osnabrücker Zeitung

Neue OZ: Kommentar zu Prozesse
Kriegsverbrechen
Demjanjuk

    Osnabrück (ots) - Besser spät als überhaupt nicht

    Ob John Demjanjuk tatsächlich der brutale KZ-Wärter war, als den ihn die Anklage sieht, wird sich zeigen. In jedem Fall ist der Prozess in München wichtig und notwendig. Denn die Justiz darf kein Verbrechen dieses Kalibers einfach auf sich beruhen lassen. Das ist sie den Opfern und ihren Angehörigen schuldig. Und für einen Rechtsstaat wie Deutschland wäre es ein Skandal und Verlust an Selbstachtung, wenn mutmaßliche Killer trotz möglicher Strafverfolgung ihren Lebensabend in Ruhe genießen könnten.

    Gewiss, viel zu viele Nazi-Täter sind nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt davongekommen. Manche machten sogar in ihren angestammten Berufen Karriere - ein Armutszeugnis für Politik und Justiz vor allem der Fünfziger- und Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Aber das ist kein Grund, weiterhin ähnlich zu verfahren. Besser spät ein Prozess als überhaupt nicht - so lautet die richtige Devise im Fall John Demjanjuk.

    Egal wie die Sache ausgeht: Hier erfolgt ein Lehrstück in Sachen Umgang mit Unmenschlichkeit und auch Terror. Jeder potenzielle Politmörder - und davon gibt es weltweit leider immer noch reichlich - sollte durch den Münchner Prozess erkennen, dass ihm bis ins hohe Alter Haft wegen Mordes drohen kann. Das könnte zumindest auf den einen oder anderen abschreckend wirken.

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