Neue Osnabrücker Zeitung

Neue OZ: Kommentar zu Kriminalität
Statistik

    Osnabrück (ots) - Genau hinschauen

    Das Zahlenwerk des Innenministers ist mit Vorsicht zu lesen. Denn auf den zweiten Blick schmilzt der zweistellige Zuwachs bei den rechten Straftaten deutlich zusammen. Der Anstieg geht maßgeblich auf eine Änderung der Statistik zurück. Fielen Propagandadelikte unbekannter Täter bisher zum Teil unter die Rubrik "Sonstiges", schlagen Hakenkreuz-Schmierereien und Ähnliches seit 2008 grundsätzlich bei der rechten Polit-Kriminalität zu Buche. Weil sieben von zehn erfassten rechten Straftaten aber Propagandadelikte sind, verfälscht die neue Lesart in diesem Bereich auch das Gesamtbild.

    Wenngleich die Statistik die Lage hier und da also zu schwarz malt, gibt es keinen Grund zur Entwarnung: Die Zahl der Polit-Straftaten liegt weiterhin auf hohem Niveau, erstmals seit 2004 gab es nach rechten Übergriffen wieder Tote. Beunruhigen muss zudem, dass die rechtsextreme Szene immer jünger wird, weil Jugendliche über das Internet mit rechter Musik oder von vermeintlichen Biedermännern geschickt rekrutiert werden.

    Für die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern kann das nur heißen: Jugendzentren ausbauen, Bürger-Initiativen stärken, die Aufklärung in Schulen verbessern und junge Menschen aus bildungsfernen Schichten fördern statt abhängen. Das ist mühsamer und teurer als der billige Ruf nach einem NPD-Verbot. Aber es hilft.

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