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WAZ: Das Revier ist kein Leisetreter. Kommentar von Michael Kohlstadt zur Lärmstudie

Essen (ots) - Das hat ja mal Seltenheitswert: Eine Studie kommt zum Ergebnis, dass das Leben nicht ganz so lebensgefährlich ist wie befürchtet. Krach macht weniger krank als bislang gedacht, sagen Wissenschaftler. Ein Effekt auf den Blutdruck sei nicht nachzuweisen. Nach jahrelangen Testreihen, Fragebögen für Tausende Betroffene und der Auswertung von Millionen Krankenkassendaten muss man dem Studienergebnis wohl eine gewisse Aussagekraft unterstellen, auch wenn zu den Geldgebern ausgerechnet der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa gehören. Viel Lärm um nichts also? Das wäre dann doch die falsche Schlussfolgerung. Denn die Forscher sagen ja auch: Wer an verkehrsreichen Straßen wohnt oder in der Einflugschneise eines Flughafens, für den gibt es ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten und Depression. Nur sind die Zusammenhänge eben nicht so stark wie angenommen. Für die vielen lärmgeplagten Menschen in unserer Region ist die Nachricht ohnehin nur ein schwacher Trost. Das Ruhrgebiet gehört zu den verkehrsreichsten Gebieten Europas. Ein dichtes Netz an Straßen, Autobahnen und Bahnstrecken zerklüftet diese einmalige Stadtlandschaft. Hinzu kommen die Einflugschneisen der Flughäfen in Düsseldorf und Dortmund. Und seit das Revier sich als Logistik-Drehscheibe neu erfunden hat, donnern über unsere Straßen so viele Brummis wie noch nie. Ein Leisetreter ist das Ruhrgebiet also wahrlich nicht. Wer nicht über das nötige Einkommen verfügt, in ruhigere und damit meist teurere Stadtviertel zu ziehen, der kann dem Lärm kaum entkommen.

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